Derivate: Wie Anleger Schwankungen nutzen

Sogenannte Differenzkontrakte ermöglichen es Anlegern, mit geringem Kapitaleinsatz große Beträge zu hebeln. Das ist nicht ganz ungefährlich.

App Icons App Anzeige auf einem Bildschirm vom Handy Smartphone Aktien App Icons Apps iOS Mak
App Icons App Anzeige auf einem Bildschirm vom Handy Smartphone Aktien App Icons Apps iOS Mak
Themenbild: Aktien – (c) imago/imagebroker (imago stock&people)

Wien. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts betrat in Großbritannien erstmals eine neue Anlageform die Bildfläche: sogenannte Differenzkontrakte oder CFDs (steht für „Contract for Difference“). Zu Beginn kamen sie im Interbankenmarkt zum Einsatz, um die 1986 eingeführte Stempelsteuer auf Aktiengeschäfte zu umgehen. Der Hintergrund: Differenzkontrakte werden außerbörslich gehandelt. Die Stempelsteuer wird jedoch nur auf Aktientransaktionen, die an der Londoner Börse getätigt werden, eingehoben.

In den Neunzigerjahren konnten die Kunden britischer Broker schließlich zum ersten Mal mit CFDs handeln. Seitdem hat sich das Anlageprodukt auch in Europa etabliert, wenngleich es sich nach wie vor um eine Nische handelt. Laut einer Investment-Trends Studie, die diesen Mai durchgeführt wurde, gibt es in Deutschland derzeit rund 50.000 CFD-Händler. Für Österreich liegen zwar keine Daten vor, Experten schätzen aber, dass die Zahl der Kunden im höheren vierstelligen Bereich liegt.

„Wir gehen davon aus, dass der Markt in Deutschland und Österreich weiter steigen wird“, sagt Gabor Mehringer, Sales Executive beim CFD-Anbieter CMC Markets Österreich. Der Hauptgrund für diese Einschätzung: Die Märkte hätten sich in den vergangenen zehn Jahren geändert – heute gebe es stärkere Schwankungen. Tatsächlich leben CFD-Anleger regelrecht von der Volatilität – sprich schwankenden Börsenkursen. Damit kann nämlich sowohl auf steigende (Long-Position) als auch auf fallende (Short-Position) Kurse gesetzt werden.

 

Geringer Kapitaleinsatz, großer Hebel

„Bei einem CFD handelt es sich um ein Derivat auf einen Basiswert und nicht um ein eigenständiges Produkt, wie das etwa bei Aktien oder Rohstoffen der Fall ist“, erklärt Mehringer. Bei den Basiswerten kann es sich unter anderem um Aktien, Indizes, Anleihen, Währungen, Rohstoffe oder Indexfonds handeln. Der Wert des CFD ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Kurs des jeweiligen Basiswerts zum Kauf- und zum Verkaufszeitpunkt.

(C) DiePresse

Interessant macht das Investieren in CFDs jedenfalls, dass man, je nach Basiswert, nur einen geringen Kapitaleinsatz benötigt, um größere Positionen zu handeln. So muss etwa nur ein geringer Prozentsatz – die Rede ist von einer Sicherheitsleistung oder „Margin“, der Investitionssumme beim jeweiligen Anbieter hinterlegt werden. Sie beläuft sich in der Regel auf ein bis zehn Prozent. Bei einem Margin-Satz von fünf Prozent muss man beispielsweise mit einem Aktien-CFD – um hundert Aktien zu einem Stückpreis von hundert Euro zu kaufen – nicht über 10.000 Euro verfügen, sondern lediglich über 500 Euro. Steigt der Aktienkurs auf 105 Euro, so steigt der Wert der Position auf 10.500 Euro. Für den Fall, dass man verkauft, wird ein Gewinn von 500 Euro realisiert.

 

Kein Produkt für Unerfahrene

„Man kann mehr investieren – und dementsprechend auch mehr verlieren –, als man auf dem Konto hat“, sagt Mehringer zu der Tatsache, dass der mit CFDs verbundene Hebeleffekt nicht nur Chancen mit sich bringt, sondern auch Risken. Falls nämlich der Kurs des zugrunde liegenden Basiswerts zurückgeht, verbucht man auch einen deutlich höheren Verlust. Indem man beispielsweise von vornherein eine Stop-Loss-Order setzt – dabei handelt es sich um eine gewisse Kursuntergrenze bei Long-CFDs sowie eine Kursobergrenze bei Short-CFDs –, kann man die Risken managen.

Aufgrund der damit verbundenen Risken, eignen sich CFDs in erster Linie für erfahrene Anleger. Laut Mehringer verfügt mehr als die Hälfte der Kunden von CMC Markets über entsprechende Erfahrung. „Neuen und unerfahrenen Kunden bieten wir unter anderem Onlineseminare und Vorträge an, um sie über die Chancen und Risken, die mit CFDs verbunden sind, zu informieren“, so Mehringer. Auch andere Anbieter stellen im Übrigen diverse Info-Services zur Verfügung, unter anderem Hotlines oder Live-Chats, über die man sich mit Experten austauschen kann.

Seit der Einführung von CFDs hat sich jedenfalls einiges getan. So ist das Produktangebot deutlich größer geworden. Auch die Funktionalität der Onlineplattformen, über die zu jeder Tageszeit gehandelt werden kann, hat sich deutlich verbessert. Heute kann zudem auch mobil gehandelt werden, über Apps für das Smartphone oder Tablets. Kleines Detail am Rande: Aufgrund der Digitalisierung sind auch die Kosten gesunken.

Besonders gefragt sind im deutschsprachigen Raum Indizes- und Währungs-CFDs. Beim Marktführer CMC Markets greifen die Kunden bevorzugt zu CFDs auf den DAX sowie den Euro-Dollar-Wechselkurs. Stark gehandelt werden auch Rohöl und Gold.

>>> Website von CMC Markets

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2016)

Kommentar zu Artikel:

Derivate: Wie Anleger Schwankungen nutzen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen