Schwerer Rückschlag in der Alzheimer-Forschung

Die Alzheimer-Krankheit breitet sich rasant aus. Ein Hoffnungsträger-Medikament des Pharmakonzerns Eli Lilly fiel in einer wichtigen Studie durch.

Ely Lilly erhoffte sich ein Milliardengeschäft mit einem Alzheimer-Mittel
Ely Lilly erhoffte sich ein Milliardengeschäft mit einem Alzheimer-Mittel
Ely Lilly erhoffte sich ein Milliardengeschäft mit einem Alzheimer-Mittel – APA/AFP/FREDERICK FLORIN

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly meldet einen schweren Rückschlag in der Alzheimer-Forschung. Ein Hoffnungsträger-Medikament fiel nach Firmenangaben in einer wichtigen Studie durch. Das Mittel mit dem Namen "Solanezumab" habe bei Patienten mit einer leichten Form von Demenz in einer großangelegten Phase-3-Studie den Gedächtnisabbau nicht verlangsamt, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Lilly kündigte daher an, in den USA keine Genehmigung der Arznei zu beantragen.

Manche Analysten hatten Solanezumab bislang Spitzenumsätze von mehr als fünf Milliarden Dollar jährlich zugetraut. Lilly rechnet für das vierte Quartal nun mit einer Sonderbelastung von 150 Millionen Dollar. Mitte Dezember will der Pharmakonzern neue Geschäftsprognosen präsentieren.

Die Alzheimer-Krankheit breitet sich rasant aus. Bei den Betroffenen sammeln sich giftige Eiweißklumpen im Gehirn an, die die Nervenzellen schädigen. Pharmaexperten sagten, dass Lillys Rückschlag zwar bitter für die Forschung auf diesem Gebiet sei. Andere Therapieansätze könnten aber immer noch funktionieren.

An der Wall Street verkauften Anleger massenweise Lilly-Aktien. Das Papier brach bis zum frühen Nachmittag in New York um mehr als zwölf Prozent ein. Der Rückschlag setzte auch andere Pharmawerte unter Druck. Der Biogen -Kurs sackte um gut fünf Prozent ab. Der Biotech-Konzern hat ebenfalls ein Alzheimer-Mittel in der Entwicklung. Merck & Co büßten ein Prozent ein. Axovant Sciences fielen zeitweise sogar 18 Prozent, drehten aber später 0,2 Prozent ins Plus.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche glaubt weiter an zwei eigene Arzneien gegen die Krankheit. Es gebe beträchtliche Unterschiede zwischen den in der Entwicklung stehenden Crenezumab und Gantenerumab und dem Lilly-Produkt Solanezumab, erklärte ein Roche-Sprecher in der Nacht auf Donnerstag.

Wie Solanezumab setzten auch die Wirkstoffe des Basler Unternehmens beim Protein Beta Amyloid an. "Crenezumab und Gantenerumab unterscheiden sich voneinander und auch von anderen experimentellen Medikamenten," erklärte der Sprecher. Roche ziehe zudem Lehren aus laufenden Studien auf dem Gebiet und prüfe etwa die Auswirkungen von hohen Dosen.

(Reuters)

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