Monte dei Paschi braucht mehr Geld als bisher angenommen

Laut Europäischer Zentralbank benötigt die Krisenbank 8,8 Mrd. Euro an Rettungsgeldern. 6,5 Mrd. sollen vom Staat kommen.

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(c) APA/AFP/GIUSEPPE CACACE

Rom. Die Rettung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) kostet wohl deutlich mehr als bisher angenommen. Laut Europäischer Zentralbank (EZB) wird das Institut rund 8,8 Mrd. Euro an zusätzlichen Geldern benötigen. Bisher war stets von einem Kapitalbedarf in Höhe von fünf Mrd. Euro die Rede. Die EZB gab an, die finanzielle Lage der Bank habe sich von Ende November bis zum 21. Dezember drastisch verschlechtert. Der Kapitalbedarf sei auf Basis ihres jüngsten Stresstests berechnet worden, in dem die Bankenaufseher die Widerstandsfähigkeit der Branche in einer Krise auf die Probe gestellt hatten.

Schon für diese Summe hatte die Bank keine privaten Geldgeber gefunden, sodass Italiens Regierung in der vergangenen Woche ein Rettungspaket schnüren musste. Das Kabinett schaffte die Voraussetzungen für die Bildung eines Fonds mit Mitteln in Höhe von 20 Mrd. Euro.
Das Geld ist dazu gedacht, neben Monte dei Paschi auch andere Krisenbanken im Land zu stützen. Italien hatte die Sanierung seines Bankensektors über Jahre verschleppt. So türmte sich ein mehrere hundert Milliarden Euro schwerer Berg fauler Kredite in den Büchern auf.

 

Widerstand aus Frankfurt

Monte dei Paschi braucht dringend frisches Geld, um die Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite abzudecken. Um Staatshilfe abzuwenden, hatte sie neue Aktien verkauft und Anleihen in Aktien umgetauscht, konnte darüber aber nicht so viel Geld einnehmen wie geplant. Italien müsse jetzt rund 6,5 Mrd. Euro beisteuern, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Rest des Kapitalbedarfs werde durch den Tausch von nachrangigen Anleihen in Aktien der Traditionsbank aus der Toskana gedeckt. Der Umtausch, den Monte Paschi vor Weihnachten angeleiert hatte, bringe 2,0 bis 2,3 Mrd. Euro.

Monte Paschi hat nach eigenen Angaben inzwischen eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ beantragt. Diese Art der Rettung von Banken, die noch solvent sind, erlaubt dem Staat nach den EU-Regularien Finanzhilfen, ohne private Anleger allzu sehr zur Kasse bitten zu müssen. Das ist ein sensibles Thema für die Politik in Italien, weil das Institut Anleihen im Milliardenvolumen an private Anleger verkauft hat. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan hat jüngst versichert, dass der Staat die rund 40.000 Kleinanleger schützen wolle.

Der deutsche Bundesbank-Präsident, Jens Weidmann, warnte unterdessen vor übereilten Staatshilfen. Staatliche Mittel seien nur als letztes Mittel vorgesehen, sagte er der „Bild“-Zeitung und verwies auf die entsprechenden EU-Regeln. „Für die von der italienischen Regierung beabsichtigte Maßnahme muss die Bank im Kern wirtschaftlich gesund sein“, sagte er.

„Das Geld darf auch nicht dazu dienen, bereits absehbare Verluste zu decken“. Die Bundesbank und die deutsche Bundesregierung sehen staatliche Hilfen für angeschlagene Kreditinstitute generell sehr kritisch. (ag./red.)

Auf einen Blick

Die Rettung der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi kommt teurer als erwartet. Laut der Europäischen Zentralbank braucht die Bank rund 8,8 Mrd. Euro an frischem Kapital. Bisher war man von lediglich fünf Mrd. Euro Bedarf ausgegangen. Der italienische Staat wird wohl für 6,5 Mrd. aufkommen müssen. Dafür wurde kürzlich ein Rettungsfonds in der Größe von 20 Mrd. geschnürt, der allerdings auch anderen Krisenbanken zur Verfügung stehen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2016)

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