Stürmische Renditen: Kupons gegen Wetterkapriolen

Weltweit sichern Versicherer sich mit Anleihen gegen Wetterkapriolen ab. Risikofreudige können damit Geld verdienen.

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(c) Die Presse - Clemens Fabry

Wien. Die Wetterkapriolen aus dem Jahr 2005 hinterließen einen bleibenden Eindruck. Damals wüteten mehrere Hurrikans in den USA, der bekannteste, Katrina, verwüstete weite Teile des US-Bundesstaates Louisiana. Die Folgen bekamen auch zahlreiche Versicherer zu spüren. Für sie war es eines der schlimmsten Jahre.

Um sich vorsorglich Geld für derartige Zahlungen zu beschaffen, greifen viele Assekuranzen auf spezielle Anleihen zurück. Sie gründen dazu Zweckgesellschaften, die sogenannte Cat-Bonds emittieren. Der Name ist die englische Abkürzung für Katastrophen-Anleihen, präzisiert Karsten Bromann von Solidum Partners aus der Schweiz (siehe Interview unten). Müssen die Versicherer gröbere Unwetterschäden abdecken, bekommen sie von den Zweckgesellschaften die Anlegergelder weitergeleitet. Anleger erleiden dann einen Verlust.

 

Titelauswahl schwierig

Treten hingegen keine Wetterkapriolen auf, lukrieren Anleger im Schnitt recht ansehnliche Kupons und bekommen zu Laufzeitende ihr Geld von den Zweckgesellschaften zurück. Dort wurde es zwischenzeitlich in sichere Staatsanleihen investiert.

Doch das macht nur einen kleinen Teil der Kupons aus. Der Großteil hängt von Wetterprognosen und einer komplexen Versicherungsmathematik ab, weshalb man die Einzeltitelwahl den Fondsmanagern überlassen sollte (siehe Tabelle). Immerhin konnte der Bestplatzierte rund 44 Prozent auf fünf Jahre erzielen – was freilich kein Garant für die Zukunft ist. Etwas abgeschlagen liegen die nächsten zwei Fonds, sie erzielten knapp weniger als 30 Prozent.

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Doch wie gehen die Fonds tatsächlich vor? Beim GAM Star Cat Bond Fund werden generell Risken in den USA präferiert, „da die Datenqualität zur Modellierung besser und die bezahlten Prämien höher ausfallen als bei Risken in anderen Ländern“, sagt Sandro Müller, Product Specialist Fixed Income bei GAM. Gemessen am gesamten Risiko, das der Fonds eingeht, sei rund ein Drittel in Anleihen angelegt, die Schäden aus Stürmen in Florida versichern. Da solche Naturereignisse während der atlantischen Hurrikan-Saison jährlich wiederkehrend eintreten, bestehe eine verhältnismäßig hohe Modell-Sicherheit. Das erleichtere die Bewertung der Anleihen, meint Müller.

Auch andere Ereignisse werden mit diesen Wertpapieren abgedeckt. Im Plenum Cat Bond Fund etwa deckt ein guter Teil der Anleihen Schäden in Folge schwerer Gewitter in den USA ab. Ein kleiner Anteil des Vermögens entfällt auf Cat-Bonds zur Deckung von Taifun-Schäden in Japan. In Europa wiederum werden Windschäden mit unterschiedlichen Cat-Bonds jeweils für Skandinavien und für die restliche Region abgedeckt. In beide investiert beispielsweise der LGT (LUX) Cat Bond Fund kleine Positionen.

 

Notenbank hat kaum Einfluss

Damit wird aber auch schnell klar: Während Naturkatastrophen einen gewaltigen Einfluss auf die Anleihen haben, spielen die Notenbankaktivitäten kaum eine Rolle. GAM-Experte Müller bringt es – wenn auch ein wenig überspitzt – auf den Punkt: „Die Ankündigung einer Zinssenkung durch die EZB hat keinen Einfluss auf die Entstehung von Wirbelstürmen im Atlantik.“

Besonders interessant wird diese Eigenschaft vor allem in Zeiten steigender Zinsen. Denn normale Anleihen verlieren in einem derartigen Umfeld immer mehr an Wert, denn sie sind nach der Zinserhöhung schlechter verzinst als neue Anleihen und deshalb weniger interessant. Für Cat-Bonds gilt das jedoch nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2017)

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