Lateinamerika: "Diktatur des Dollars beenden"

Die Einheitwährung "Sucre" soll den US-Dollar ablösen. Das planen insgesamt neun Regierungen in Lateinamerika. Noch 2010 soll es so weit sein. Kritiker warnen vor einem finanzpolitischen Abenteuer.

Fällt Dollar als Währung?
Fällt Dollar als Währung?
© REUTERS ( Choi Bu-Seok)

Neuerlich wird der US-Dollar als weltweite Leitwährung herausgefordert. Erst vor einem Monat hatte das Gerücht die Runde gemacht, die arabischen Golfstaaten würden planen, den US-Dollar im Ölhandel durch einen Währungskorb aus Yen, Yuan, Euro und Gold zu ersetzen (DiePresse.com berichtete). Nun sind es vor allem der venezolanische Staatschef Hugo Chavez, der bolivianische Präsident Evo Morales und Ecuardors Staatschef Rafael Correa, die am Status der US-Währung rütteln. Chavez spricht davon, die "Diktatur des Dollars" zu beenden.

Experten sind skeptisch

Insgesamt neun lateinamerikanische Staaten planen unter dem Namen Sucre eine neue Einheitswährung zu schaffen, die bereits 2010 den US-Dollar ablösen soll, berichtet "Spiegel Online". Bislang haben sich neun Mitgliedsstaaten der "Bolivarischen Allianz für unser Amerika" (ALBA) zusammengeschlossen, um dieses Vorhaben zu realisieren: Venezuela, Bolivien, Ecuador, Kuba, Nicaragua, Honduras und die Karibikstaaten Antigua und Barbuda, Dominica und Saint Vincent.

Experten beurteilen das Währungsprojekt der vorwiegend linkspopulistischen Regierungen skeptisch. "Jedes Währungssystem muss auf einem seriösen institutionellen Fundament und einer anerkannten Strategie basieren", zitiert "Spiegel Online" Marc Hofstetter Gascon von der Universität de los Andes in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Den ALBA-Staaten würden aber etwa Abkommen über Wechselkurse und verbindliche Steuern fehlen. Einfach nur den Dollar zu ersetzen, sei zu wenig.

"Rutschen von einer Abhängigkeit in die nächste"

Ein weiteres Problem: Die Mehrzahl der lateinamerikanischen Exporte wird auch künftig in den Dollar-Raum gehen. So regt sich auch in den Ländern selbst Widerstand. "Was bringt es, wenn wir uns von der Abhängigkeit der USA befreien wollen und in die nächste hineinrutschen", warnt ein Sprecher eines Unternehmerverbandes in Nicaragua.

Vor allem der das Projekt forcierende venezolanische Staatschef Chavez gilt als bedingt zuverlässiger Geschäftspartner. Dies bekamen jüngst Kolumbien und Honduras zu spüren. Mit Kolumbien brach Chavez gänzlich die Handelsbeziehungen ab. Honduras musste nach Unstimmigkeiten zusehen, wie die Lieferung von verbilligtem Öl eingestellt wurde.

(Red.)