Zu teuer: London droht Hedge-Fonds-Flucht

Hedge-Fonds befürchten ein "regulatorisches Überschießen" innerhalb der EU. Das Hedge-Fonds-Zentrum London droht zu teuer zu werden. Profiteur könnte der Schweizer Finanzplatz Genf sein.

Dunkle Wolken über dem Finanzviertel an der Canary Wharf
Dunkle Wolken über dem Finanzviertel an der Canary Wharf
(c) EPA (Andy Rain)

Die internationalen Hedge-Fonds sind laut einer neuen Studie aus den gröbsten Verwerfungen der Finanzkrise heraus. Beunruhigt ist die Branche wegen erwarteten neuen Regulatorien und höheren Steuern. Davon könnte die Schweiz profitieren, meint das Beratungsbüro Ernst & Young.

Zu hohe Steuerbelastung in London

"Wenn die Steuerbelastung in Großbritannien bei 50 Prozent bleibt, wie das die Regierung Brown das im Moment vorantreibt, könnten mehr Hedge-Fonds Aktivitäten in die Schweiz verlagern", sagte Finanzexperte Cataldo Castagna am Freitag vor den Medien in Zürich. Profitieren würde sicherlich der Raum Genf.

Dort hätten sich in letzter Zeit bereits einige ausländische Hedge-Fonds angesiedelt. Zwar seien auch Dublin oder Luxemburg interessante Standorte. Hedge-Fonds-Manager und ihre Familien schätzten aber die Schweizer Lebensqualität, betonte Castagna während der Präsentation einer aktuellen Studie von Ernst & Young.

"Im Moment sondieren viele vor", sagte der Experte. Daher sei nicht sicher, inwieweit Genf und die Schweiz künftig neue Investment-Firmen beheimaten würden. Denn die Hedge-Fonds würden an sich gerne im traditionellen Hedge-Fonds-Zentrum London bleiben, doch leide derzeit das Vertrauen in den britischen Gesetzgeber.

Verlagerung auf institutionelle Kunden

Als Folge der Krise seien Hedge-Fonds, die hochkomplexen und häufig riskanten, aber teilweise sehr lukrativen Investments nachgehen, transparenter geworden und verfügten häufiger über eine verbesserte Liquidität, so die zentralen Ergebnisse der Studie. Die Anleger verlangten präzisere Erläuterungen zu den weitverzweigten Finanzprodukten, in denen ihr Geld stecke.

Generell habe sich die Lage für die Hedge-Fonds beruhigt, stellen die 100 weltweit befragten Hedge-Fonds fest. Steigende Kosten, Druck auf die Gebühren und ein erschwerter Markteintritt dürften es aber kleinen Gesellschaften zusehends schwer machen. Das Geschäft werde sich künftig mehr auf institutionelle Kunden wie zum Beispiel Pensionskassen verlagern.

Angst vor "regulatorischem Überschießen"

Während sich die Hedge-Fonds von der Finanzkrise erholen, warten sie gebannt auf neue Regulierungen. Im Gespräch seien derzeit vor allem neue Regulierungen der EU, deren Inhalt aber noch nicht genau feststehe, so die Autoren der Studie.

Befürchtet werde ein "regulatorisches Überschießen", sagte Mit-Autor Castagna. Sollte die Richtlinie so streng sein wie derzeit geplant, wolle rund ein Sechstel der weltweit Befragten die Aktivitäten in den EU-Staaten beenden. Etwa 30 Prozent wollen dann keine Niederlassung in der EU eröffnen.

(Ag.)

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