Gold ist ein starker Indikator für Inflation

In der Vergangenheit folgte auf einen hohen Goldpreis eine stark steigende Inflation. Auch diesmal? Einige Ökonomen warnen vor einer Hyperinflation, andere Experten reden noch von Deflation.

(c) AP (Thomas Kienzle)

wien.Die Prognosen hinsichtlich einer künftigen Inflation liegen derzeit weit auseinander. Einige Ökonomen warnen vor einer Hyperinflation, andere Experten reden noch von Deflation. Es gibt Indikatoren, die auf eine moderate Inflation hinweisen. Es gibt aber auch welche, die eine massive Teuerung vermuten lassen.
• Das stärkste Argument für eine stark steigende Inflation ist der Goldpreis. Ein steigender Goldkurs reflektiert die Angst der Anleger, eine künftige hohe Teuerung werde ihre Ersparnisse verbrennen.

Das Edelmetall ist aber nicht nur ein „Angstbarometer“, sondern auch ein starker Frühindikator für eine hohe Teuerungsrate. In den Vereinigten Staaten hat es in den vergangenen Jahrzehnten drei signifikante Inflationssprünge gegeben: Ende 1973 ist die Teuerung auf über 13 Prozent gestiegen, Ende 1979 auf über acht Prozent; im September 1990 lag die Teuerung bei über sechs Prozent.

 

Gold als Vorbote der Inflation

Bisher stieg der Goldpreis jeweils Wochen vor diesen Preissprüngen stark an. Kommt auch diesmal eine starke Inflation infolge eines hohen Goldpreises, dann müssten sich Anleger, vor allem die Sparbuchsparer, bald auf schwierige Zeiten einstellen. Seit Anfang des Jahres ist der Goldpreis (pro Feinunze und in US-Dollar gerechnet) um mehr als 30 Prozent in die Höhe geschnellt. Allein seit Sommer hat das Edelmetall um 27 Prozent zugelegt und vorübergehend ein Rekordhoch von knapp 1180 Dollar erreicht.

Die Warnung des US-Ökonomen Dan Greenhaus, der Goldkurs sei ein Ankünder der Inflation, ist daher nicht unberechtigt. Allerdings spricht derzeit die geringe Kapazitätsauslastung in der Wirtschaft gegen stärkere Preissteigerungen.
• Auf der Gegenseite prognostizieren vor allem Banker niedrige Inflationsraten. Als starkes Argument dient ihnen der sogenannte Baltic Dry Index. Dabei handelt es sich um einen Preisindex für das Verschiffen von „trockenen“ Gütern (etwa Eisenerz und Kohle) an den wichtigsten Handelsrouten der Welt. Der Index, der täglich in London berechnet wird, ist ein Frühindikator für den Welthandel: Denn je größer die Anzahl der Frachtgüter ist, desto größer ist auch die Nachfrage – daher steigen die Preise für das Verschiffen, der Index steigt in diesem Fall an.

 

„Inflationsgefahr überschaubar“

Der Baltic Dry Index hat sich von seinen Tiefständen wieder erholt und ist derzeit auf dem Weg nach oben. Das deutet darauf hin, dass der weltweite Handel wieder anspringt. „Aber, im historischen Vergleich ist der Index noch auf einem sehr niedrigen Niveau“, stellt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Bank, fest. Das deute mittelfristig auf ein unterdurchschnittliches Wachstum hin. Mostböck: „Die Inflationsgefahr bleibt überschaubar.“

AUF EINEN BLICK

Droht den Anlegern eine stark steigende Inflation? Ein Frühindikator für eine hohe Teuerung ist ein hoher Goldpreis. Demnach dürften die Konsumpreise stark ansteigen.
Der Baltic Dry Index, ein Indikator für den Welthandel, deutet dagegen nicht auf eine Inflationsgefahr hin, sagt Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2009)

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