Börsen stellen sich auf Ende der Geldschwemme ein

Die Börsen scheinen sich mehr und mehr auf ein allmähliches Ende der Geldschwemme der Zentralbanken einstellen zu müssen. In der neuen Woche könnte EZB-Präsident Mario Draghi Hinweise auf einen Zeitplan für eine Kurswende liefern.

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AFP (BRYAN R. SMITH)

Zuletzt mehrten sich Signale, dass sich die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank dem Ende zuneigen könnte. Mit konkreten Beschlüsse rechnen Experten bei der Zinssitzung am DONNERSTAG zwar nicht. Doch hoffen sie auf Hinweise auf ein Zurückschrauben des Anleihenkaufprogrammes. Draghi werde aber gleichzeitig besonders betonen, dass diese Anpassung nur schrittweise geschehe, meint Sebastian Fellechner, Analyst bei der DZ Bank. Und der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagt: "Auf seiner Sitzung am Donnerstag dürfte der EZB-Rat erstmals intensiv diskutieren, wie die Geldpolitik im kommenden Jahr fortgesetzt wird." Zinserhöhungen stünden aber noch lange nicht auf der Agenda.

Börsianer erwarten, dass die EZB wohl im September den Einstieg in den Ausstieg bei ihren billionenschweren Anleihenkäufen verkündet. Beim jährlichen Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole in den USA könnte Draghi im August das Feld bereiten. 2014 hatte er dort verkündet, die unerwünscht niedrige Inflation mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhöhen und damit den Ankauf von Staatsanleihen (Quantative Easing) eingeläutet.

Anleger setzen auf vorsichtige Fed

In den USA rückt indes der Abbau der im Kampf gegen die Finanzkrise aufgeblähten Bilanz der Federal Reserve näher. Notenbank-Chefin Janet Yellen deutete zuletzt an, dass es nur behutsame Zinserhöhungen geben werde. Börsianer spekulieren, dass die Zinsen auf lange Sicht nicht mehr das Niveau der Vergangenheit erreichen werden. Das beflügelte die Börsen, da niedrige Zinsen Aktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver machen. Der Dax gewann auf Wochensicht zwei Prozent auf rund 12.630 Punkte. An der Wall Street stieg der Dow-Jones-Standardwerteindex um 1,1 Prozent, der breiter gefasste S&P 500 um 1,4 und der Index der Technologiebörse Nasdaq um 2,6 Prozent.

Den Investoren gefalle vor allem, dass die US-Notenbank an ihrem Kurs festhalte, sagt Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axitrader. "Mehr Sicherheit in diesem Punkt geht nicht. Und das ist gut für die Börsen." Cutkovic hält insofern eine Fortsetzung der Dax-Rally bis auf 12.750 Punkte für wahrscheinlich. Einem erneuten Angriff auf die Marke von 13.000 Punkten stehe aber der ebenfalls auf dem Vormarsch befindliche Euro im Wege, der exportorientierte Werte belaste. Am Freitag hielt sich der Euro klar über 1,14 Dollar.

Am MITTWOCH und DONNERSTAG berät auch die japanische Notenbank. Analysten rechnen damit, dass die Währungshüter ihre Zinsen unverändert lassen. Damit bliebe der Negativzins auf Einlagen von Finanzinstituten bei 0,1 Prozent. Insidern zufolge werden die Notenbanker jedoch ihre Wachstumsprognosen anheben und ihre Inflationserwartungen zurückschrauben.

Bilanzreigen und Dieselkandal

Bei den Unternehmen stehen die Berichte der IT-Konzerne SAP und Software AG am DONNERSTAG im Fokus. Bei SAP rechnen die Analysten von Baader Helvea mit einem soliden zweiten Quartal und einer Bekräftigung der Jahresziele. Am DIENSTAG gewährt der Internet-Modehändler Zalando Einblick in seine Bücher. Auch viele Firmen aus dem Ausland legen Zahlen vor: Die Investmentbank Goldman Sachs und IBM am DIENSTAG, Microsoft und der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever am DONNERSTAG, der Siemens-Rivale General Electric am FREITAG.

Weiter beschäftigen dürfte die Anleger zudem die Dieselaffäre. Zuletzt geriet Daimler durch neue Einzelheiten tiefer in den Skandal um manipulierte Abgaswerte. Im Fokus steht auch der für DONNERSTAG geplante Börsengang des hessischen Lkw-Zulieferers Jost. Es ist bereits der zweite Anlauf.

In Tokio bleiben die Märkte am MONTAG feiertagsbedingt geschlossen. Am FREITAG ist an den Terminmärkten in Deutschland kleiner Verfallstag.

(Reuters)

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