Schongang für die Nerven

Angesichts der geopolitischen Turbulenzen gilt die Regel, dass man nicht auf Teufel komm raus ständig investiert sein muss. Dafür kann man umso ruhiger Titel für die Zeit danach studieren.

Wenn politische Rabauken mit den Säbeln rasseln, gehen die Anleger in Deckung. Die Vorwoche war an den Börsen rot.
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Wenn politische Rabauken mit den Säbeln rasseln, gehen die Anleger in Deckung. Die Vorwoche war an den Börsen rot.
Wenn politische Rabauken mit den Säbeln rasseln, gehen die Anleger in Deckung. Die Vorwoche war an den Börsen rot. – APA/AFP/JUNG YEON-JE

Man soll nicht unbescheiden sein. Denn das Aktienjahr 2017 war bis zum Beginn der abgelaufenen Woche passabel bis hervorragend. Vor allem die US-Leitindizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq hatten im Bereich von zehn bis 18 Prozent zugelegt, während ihre wichtigsten europäischen Pendants einen Gewinn von fünf bis sieben Prozent verzeichnet hatten. Wie gesagt bis Anfang der Vorwoche. Seither nämlich dominiert die Farbe Rot.

Das hat vor allem mit dem Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea zu tun. Je lauter das Klirren, umso verängstigter auch die Investoren. Der deutsche DAX, der ohnehin seit Wochen – nicht zuletzt wegen der kriselnden Autowerte – schwächelt, unterschritt am Donnerstag sogar die Marke von 12.000 Punkten, die er zuletzt im Frühjahr gesehen hatte. Auch der österreichische ATX, der heuer eine herausragende Performance gezeigt hatte, gab zumindest die Gewinne der vergangenen zweieinhalb Wochen wieder ab. In den USA wiederum, wo der Dow Jones am Dienstag noch ein Rekordhoch erklommen hatte, ehe er für mehrere Tage nach unten drehte, kamen die schwächer als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten hinzu.

Immerhin flachte die Börsenhysterie am Freitag etwas ab. Aber der Schock steckt manchen noch in den Gliedern, wovon nicht zuletzt die Flucht in Anleihen oder ins Gold zeugt (siehe Artikel unten). Vorsicht ist angesagt, denn zumindest die belastende Nordkorea-Krise wird nicht so schnell passé sein. Und überhaupt ist vor diesem Hintergrund auch die seit Monaten angekündigte Korrektur wieder in die Köpfe der Anleger zurückgekehrt.

Wer jetzt in den Aktienmarkt einsteigen wolle, brauche Nerven aus Stahl, meint Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Und in der Tat muss man nicht unter allen Umständen investiert sein. Auch dem Depot können Urlaubsphasen gut tun.

Wer sich freilich für die Zeit nach den Gewitterwolken schon jetzt einige Titel auf den Merkzettel schreiben will, ist durchaus gut beraten, sich einmal stärker beim deutschen TecDax, dem Index für Technologiewerte, umzusehen. Im Unterschied zum Dax nämlich erweist er sich auch aktuell als sehr robust. Eines seiner Vorzeigeunternehmen ist und bleibt der hier bereits empfohlene Zahlungsabwickler Wirecard (ISIN DE0007472060). Binnen weniger Tage haben drei Großbanken das Kursziel auf 80 bis 84 Euro angehoben. Für Barclays ist das Papier, das für etwa 67 Euro zu haben ist, nun ein „Top Pick“, für Goldman Sachs steht es weiter auf der „Conviction Buy List“.

Der US-Konkurrent PayPal (ISIN US70450Y1038) steht den Deutschen natürlich in nichts nach. Die Aktie ist zwar durch sehr lukrative Kooperationen zuletzt auch schon stark gestiegen. Aber der Megatrend für mobiles Zahlen bleibt und PayPal damit wohl auch ein Objekt der Begierde seitens der großen US-Internetkonzerne.

Demgegenüber bleibt der Ölpreis erratisch. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend zeichnet sich trotz Zugewinnen in den vergangenen Wochen nicht klar ab. Immerhin ist die Tiefphase von Ende Juni deutlich überwunden. Wer langfristig denkt, kann mit der Aktie des Ölriesen Royal Dutch Shell (ISIN GB00B03MM408) nicht wirklich etwas falsch machen. Dafür sorgt schon die konsequent hohe Dividende (Dividendenrendite bei sieben Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2017)

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