Schweiz hält trotz Frankenabwertung an Negativzinsen fest

Die Strafzinsen, die Banken ab einem gewissen Freibetrag der Nationalbank bezahlen, liegen in der Schweiz unverändert bei 0,75 Prozent

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APA/KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Die Schweizer Notenbank SNB spielt trotz der Abwertung des Frankens zur wichtigsten Exportwährung Euro auf Zeit und hält an ihrer Geldpolitik fest. Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor beließen die Währungshüter am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Strafzinsen, die Banken ab einem gewissen Freibetrag der Nationalbank bezahlen, liegen unverändert bei 0,75 Prozent. Allerdings änderten die Währungshüter ihre Wortwahl und bezeichneten den Franken nun nicht mehr als "deutlich überbewertet", sondern als "hoch bewertet". Nach Einschätzung von Experten wollen sie damit jedoch keine Abkehr von der lockeren Geldpolitik signalisieren, sondern vielmehr der Wechselkursentwicklung Rechnung tragen.

Die eidgenössische Währung gilt bei Investoren als "sicherer Hafen" in turbulenten Zeiten und war daher während der vergangenen Jahre in der Eurokrise besonders gefragt. Das ist der SNB jedoch ein Dorn im Auge, denn ein starker Franken macht Schweizer Waren im Ausland teuer und schwächt somit die exportorientierte Wirtschaft. Mit Negativzinsen will die Notenbank den Franken für Investoren möglichst unattraktiv machen und mit Marktinterventionen einen weiteren Höhenflug bei Bedarf unterbinden.

Ihre Alarmbereitschaft signalisierte die SNB während der vergangenen zweieinhalb Jahre stets mit der Wiederholung, der Franken sei "deutlich überbewertet". Mit der Sprachregelung, der Franken sei "hoch bewertet", kehrt die Notenbank zu jener Formulierung zurück, die sie während der Zeit des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken von Herbst 2011 bis Anfang 2015 in Gebrauch hatte. Aktuell kostet ein Euro 1,1486 Franken. Seit der letzten Zinsentscheidung Mitte Juni hat die Gemeinschaftswährung zum Franken rund fünf Prozent zugelegt.

Diese Entspannung zeigt sich auch in den deutlich zurückgegangenen Interventionen der Währungshüter: Sie griffen über den gesamten Sommer praktisch nicht mehr zu diesem Notinstrument. Für eine Entwarnung ist es jedoch noch zu früh, wie die Währungshüter deutlich machten. "Die Situation am Devisenmarkt ist nach wie vor fragil", erklärten sie.

Experten gehen davon aus, dass die SNB nicht vor der EZB ihre Zinsen anhebt. "Der SNB sind nach wie vor die Hände gebunden", erklärten die Analysten der auf institutionelle Investoren spezialisierten Bantleon Bank. Die Frankfurter Währungshüter haben die Märkte für weitere Hinweise jüngst auf den Herbst vertröstet. Ebenso wenig zeichnet sich ein rascher Abbau der durch die Devisenkäufe aufgeblähten Bilanz der SNB ab. Denn damit würden die Schweizer eine neuerliche Aufwertung des Frankens riskieren.

Zudem kommt die Schweizer Wirtschaft nicht auf Touren: Die SNB schraubte ihre Prognose für das Schweizer Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf knapp ein Prozent von zuvor 1,5 Prozent (reales BIP) zurück. Im ersten Halbjahr war die Konjunktur weniger stark gewachsen, als zunächst erwartet.

(Reuters)

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