Hohe Gewinne, neue Risken

Der russische Gaskonzern Gazprom hat seinen Gewinn im dritten Quartal verdoppelt. Schulden und Probleme aber nehmen weiter zu.

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Gazproms Geld fließt in Pipelines.
Gazproms Geld fließt in Pipelines. – APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttne

Wien. Inmitten der Spannungen zwischen Russland und dem Westen und angesichts drohender Sanktionsausweitungen hat der russische und weltweit größte Gaskonzern Gazprom seinen Gewinn im dritten Quartal nahezu verdoppelt. Unter dem Strich blieben 200,5 Mrd. Rubel (2,89 Mrd. Euro). Dazu beigetragen haben einerseits eine Steigerung des Exports nach Europa und andererseits ein zuletzt ölpreisbedingt deutlich höherer Gaspreis ebendort. So erhielten die Russen in Europa im dritten Quartal durchschnittlich 195 Dollar je 1000 Kubikmeter, während es vor einem Jahr noch durchschnittlich 159 Dollar waren.

 

Europäer kaufen eifrig ein

Europa ist und bleibt der wichtigste Markt für den Konzern, da innerhalb Russlands die Margen gering sind. Gazprom deckt etwa ein Drittel des europäischen Bedarfs. Insgesamt exportiert Gazprom auf Rekordniveau, da die Europäer aufgrund des relativ niedrigen Preises eifrig einkaufen.

Im zweiten Quartal musste der Konzern übrigens vor allem wegen währungsbedingter Effekte noch einen Gewinneinbruch um 80 Prozent hinnehmen. Demnach ging auch der Gewinn in den ersten drei Quartalen des Jahres um 18Prozent auf 581,8 Mrd. Rubel zurück. Dies vor dem Hintergrund, dass der Umsatz im selben Zeitraum um 7,4 Prozent auf 4,64 Billionen Rubel zulegte.

Ins Auge springt, dass die Schulden des Konzerns innerhalb von neun Monaten um 37 Prozent auf 2,6 Bio. Rubel angewachsen sind – ein Großteil davon im dritten Quartal. Hat die Schuldenlast 2015 noch 0,9-Fache des EBITDA betragen, so jetzt 1,7-Fache.

Gazprom braucht immer mehr Geld, um die geplanten großen Infrastrukturprojekte zu stemmen. Dazu gehören vor allem der Ausbau der Ostseepipeline Nord Stream (der von den europäischen Partnern, darunter der OMV, mitfinanziert wird) und der Bau von Turkish Stream. Außerdem muss Gazprom den Bau der Pipeline nach China beschleunigen, da ein neuer Exportvertrag den Start der Lieferungen Ende 2019 erfordert. Gazprom verfolgt ein ambitioniertes Investitionsprogramm, das in den kommenden beiden Jahren weiter gesteigert wird.

 

Das Risiko neuer Sanktionen

Was den Ausbau der Nord Stream betrifft, so sehen sich der Konzern und seine europäischen Partner vehementen Widerständen ausgesetzt. Zuletzt haben die USA im August ein neues Sanktionsgesetz eingeführt, das auch die europäischen Teilnehmer am Projekt mit Sanktionen bedroht. Gazprom hat im jetzigen Quartalsbericht daher die Investoren auch vor entsprechend neuen Risken gewarnt.

Laut OMV-Chef Rainer Seele seien die Beteiligten gezwungen, neue Finanzierungsvarianten für den Ausbau von Nord Stream zu suchen, und müssen wohl auch asiatische Banken beiziehen. Die USA wollen sich mit eigenem Flüssiggas einen Teil des europäischen Marktes sichern. Aber auch die EU selbst sperrt sich gegen eine neue russische Pipeline.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2017)

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