100-Jahre-Anleihe „unwahrscheinlich“

Die Verzinsung der österreichischen Staatsschulden fiel im Vorjahr auf ein historisches Tief. Eine neue Anleihe mit hundertjähriger Laufzeit wird es voraussichtlich nicht geben.

OeBFA-Chef Markus Stix verwaltet die Schulden des Bundes.
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OeBFA-Chef Markus Stix verwaltet die Schulden des Bundes.
OeBFA-Chef Markus Stix verwaltet die Schulden des Bundes. – HERBERT PFARRHOFER / APA / picturedesk.com

Wien. „Austria Thinks Long, Announces 100-Year-Bond“ („Österreich denkt langfristig und kündigt eine 100-Jahre-Anleihe an“), titelte das „Wall Street Journal“ im September 2017. Mit der Anleihe mit hundertjähriger Laufzeit, die Österreich vor wenigen Monaten begab, schaffte es die Republik bis in die US-Schlagzeilen. Noch nie hatte ein Land in der Eurozone eine solche Anleihe auf den öffentlichen Markt gebracht. 3,5 Milliarden Euro sammelte die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) ein, die für die Aufnahme der österreichischen Schulden zuständig ist.

„Wir waren selbst überrascht über die extrem große Nachfrage“, sagte OeBFA-Chef Markus Stix am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Unser Planszenario waren eine bis 1,5 Milliarden Euro“, so Stix.

 

Für die Zinswende gewappnet

Das zeige, dass Österreich als sehr verlässlicher Partner gesehen werde. Gekauft wurde die Anleihe von Pensionsfonds, klassischen Fonds, Zentralbanken und Versicherern. Ein kleiner Teil der Käufer kam aus den USA. „Aber der Hauptmarkt war Europa“, sagt Stix.

Trotz des großen Interesses dürfte es so schnell keine Wiederholung geben. Anleihen mit so langen Laufzeiten gibt es für gewöhnlich nur in einem Niedrigzinsumfeld. Sie bieten Anlegern meist eine etwas höhere Rendite, als sie mit vielen anderen Papieren erhalten könnten.

Die 100-Jahre-Anleihe Österreichs, die derzeit längste ausstehende Staatsanleihe der Welt, wurde zu einem Coupon von 2,1 Prozent ausgegeben. Der Markt gehe von steigenden Zinsen aus, so Stix. Deshalb sei eine zweite derartige Anleihe „derzeit eher unwahrscheinlich“.

Österreich sei für steigende Zinsen gut gewappnet, so Stix. 95Prozent des österreichischen Schuldenportfolios seien fix verzinst, bei sehr langen Laufzeiten. Die durchschnittliche Verzinsung des gesamten Schuldenportfolios fiel laut Stix im Vorjahr auf 2,47 Prozent und damit erstmals unter die Marke von 2,5 Prozent.

 

588 Euro Zinsen pro Kopf

Im Vorjahr konnte sich Österreich so günstig wie noch nie verschulden. 5,4 Mrd. Euro berappten die Österreicher an Zinsen für Staatsschulden – rund 588 Euro pro Kopf. 2012 waren es 7,7 Prozent. Dank der niedrigen Zinsen ersparte sich Österreich seit 2009 rund 60 Mrd. Euro an Zinsen, verglichen mit den Jahren vor der Finanzkrise. „Die Schulden steigen, aber die Ausgaben für Zinsen sinken“, sagt Stix. Die Finanzschulden der Republik erhöhten sich im Vorjahr auf 211,2 Milliarden Euro. Aber der Zinsaufwand in Relation zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) ist stark gesunken: von 3,4 Prozent im Jahr 1996 auf 1,5 Prozent im Jahr 2017.

 

30 Mrd. Euro neue Schulden

2017 nahm Österreich 40 Mrd. Euro neue Schulden auf, so viel wie noch nie in der Zweiten Republik. Davon entfielen acht Milliarden Euro auf die Refinanzierung der KA Finanz, die Bad Bank der Kommunalkredit. Heuer werde Österreich laut Plan zwischen 27 und 30 Mrd. Euro aufnehmen. Da die neue Regierung noch kein Budget vorgelegt hat, könne sich das aber noch ändern. (bin)

AUF EINEN BLICK

Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA)verwaltet die Schulden des Bundes und nimmt im Namen der Republik Österreich Geld auf dem Kapitalmarkt auf. Im Vorjahr beliefen sich die Finanzschulden des Bundes auf 211,2 Milliarden Euro. Das Portfolio war zuletzt mit durchschnittlich 2,47 Prozent verzinst – so niedrig wie noch nie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2018)

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