Ermittlungen gegen "Optioment": Ein Bitcoin-Pyramidenspiel aus Österreich?

In Österreich wurde offenbar ein Pyramidenspiel rund um Bitcoin betrieben. Die FMA hat so viele Beschwerden erhalten, dass sie Anzeige erstattet hat.

(c) REUTERS (Benoit Tessier)

Die Finanzmarktaufsicht hat am Mittwoch Abend die Betreiber eines möglichen Pyramidenspiels im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt. Konkret geht es um eine Plattform namens „Optioment“. Diese ist möglicherweise von österreichischen Hintermännern betrieben worden. Die meisten Opfer dürften ebenfalls aus dem deutschsprachigen Raum stammen. „Die Presse“ steht mit potenziellen Opfern in Kontakt, deren Geld mit den Betreibern von „Optioment“ verschwunden sein dürfte.

„Die FMA ist an sich weder für Bitcoin noch für Pyramidenspiele zuständig“, so FMA-Sprecher Klaus Grubelnik am Mittwoch Abend zur „Presse“. Aber es habe im Zusammenhang mit „Optioment“ so viele Beschwerden gegeben, dass man sich dazu entschlossen habe, eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft zu schicken. Die genaue Zahl der Beschwerden wollte die FMA nicht nennen. Nur so viel: „Die Betreiber waren offenbar sehr breit aufgestellt bei der Akquisition von Kunden. Seit etwa zwei Monaten haben sie aber die Zahlungen eingestellt.“ Die Kunden wurden offenbar mit Durchhalteparolen hingehalten.

5000 potenzielle Scams bekannt

Aber die Website von „Optioment“ ist inzwischen verschwunden. Auch Videos und Foreneinträge im Zusammenhang mit der Plattform wurden am Mittwoch sukzessive gelöscht. Wie „Optioment“ genau funktioniert hat, wird wohl Gegenstand der Ermittlungen sein. Die bisherigen Indizien weisen aber in Richtung eines Pyramidenspiels mit Multi-Level-Marketing-Komponente in der Kundenwerbung. Investoren wurden regelmäßige fantastische Renditen versprochen. Wer seine Freunde in das System geholt hat, wurde dafür mit zusätzlichen Zahlungen belohnt. In den Bitcoin-Foren wird „Optioment“ seit längerem verdächtigt, ein Betrug zu sein. Auch die Website badbitcoin.org listet „Optioment“ als einen von mehr als 5000 potenziellen Scams im Zusammenhang mit Bitcoin. Aber das hat viele Glücksritter offenbar nicht abgeschreckt.

Einzelne Opfer haben inzwischen auch auf eigene Faust Anzeige bei der Polizei erstattet, wie Betroffene der „Presse“ berichten. Zumindest ein Teil der Hintermänner dürfte namentlich bekannt sein, weil sie in Videos und auf Veranstaltungen aufgetreten sind. Offiziell war „Optioment“ in Costa Rica registriert. Daten der Website Alexa zeigen aber, dass die Besucher der Website von „Optioment“ fast ausschließlich aus Deutschland und Österreich stammten. Einige Anwälte in Deutschland werben bereits damit, Opfer vertreten zu wollen.

Immer höhere Gewinne

„Unter den Gründern sind drei Österreicher“, erzählt ein „Optioment“-Investor, der seit November 2017 dabei war. „Am Anfang ist mit einem Prozent Auszahlung geworben worden, wenn man sich für ein halbes Jahr bindet. Das ist dann immer gestiegen. Am Ende haben sie mit vier Prozent geworben.“

Die Betreiber haben auf der Website angegeben, besonders sorgfältig auf die Gelder der Kunden zu achten. Die Ein- und Auszahlungen dürften in Form von Bitcoin erfolgt sein. „Optioment“ hat behauptet, mit dem Geld der Kunden „Arbitrage-Trading“ zu machen und so eine unglaubliche Rendite zu erzielen. Das System erinnert frappant an das kürzlich aufgeflogene Pyramidenspiel „Bitconnect“. Dort wurde behauptet, mit dem Geld werde „Volatility-Trading“ betrieben. In beiden Fällen ist extrem fraglich, ob jemals irgendeine Form von Handel mit den Geldern der Kunden stattgefunden hat.

Treffen in der Pyramide

„Wir warnen seit Jahren vor derartigen Multilevel-Betrügereien. Leider ist das Wissen vieler Menschen, was Bitcoin und Kryptowährungen betrifft, oft sehr gering, was sie leicht zu Opfern von solchen unseriösen Angeboten werden lässt“, so Johannes Grill, Präsident des Lobby-Vereins Bitcoin Austria zur „Presse“: „Es ist völlig unbekannt und nicht nachweisbar, ob da jemals mit Bitcoin gehandelt wurde. Es wurde primär das Geld der Investoren in Bitcoin angenommen. Auch die Provisionen für die Anwerber wurden in Bitcoin ausbezahlt. Wir vermuten, dass nie Trading stattgefunden hat, sondern die Nutzer mit dem Geld neuer Investoren ausbezahlt wurden wie bei solchen Systemen üblich.“

Den Schilderungen der Betroffenen zufolge hat es auch mehrere Treffen gegeben, wo das System beworben wurde. Dabei haben die Betreiber offenbar Sinn für schwarzen Humor bewiesen. Denn einige dieser Treffen fanden in der Event-Pyramide bei der SCS in Vösendorf südlich von Wien statt. 

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