Bitcoin: Immer mehr Hackerangriffe

Seit der Erfindung von Bitcoin wurde ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Am Dienstag warnte die Notenbank-Dachorganisation vor Bitcoin.

ISRAEL-Mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen ging es zuletzt bergab. -BITCOIN-CRYPTOCURRENCY
ISRAEL-Mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen ging es zuletzt bergab. -BITCOIN-CRYPTOCURRENCY
Mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen ging es zuletzt bergab. – (c) APA/AFP/JACK GUEZ

Frankfurt. Bitcoin ist in aller Munde. Fast täglich kommen neue Varianten dieser digitalen Zahlungsmittel, die aus Nullen und Einsen bestehen, hinzu. Deren Börsenwert beläuft sich der Webseite CoinMarketCap.com zufolge zusammengerechnet auf rund 363 Milliarden Dollar (291,80 Mrd. Euro). Selbst Notenbanken tüfteln inzwischen an eigenen Versionen eines virtuellen Bargeld-Ersatzes.

Doch nicht erst der Hype der vergangenen Monate macht die Börsen, an denen Bitcoin & Co. gehandelt werden, zu einem beliebten Ziel von Hackern. Bei ihren Überfällen erbeuten sie auch schon mal Millionen und stürzen die Betreiber der Handelsplattformen oft in die Insolvenz. Bisher wurden insgesamt knapp eine Million Bitcoin gestohlen – zum aktuellen Kurs ist das eine Beute von rund sechs Mrd. Dollar.

Einer Studie von Tyler Moore zufolge, einem Professor für Cyber-Sicherheit an der Universität von Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma, wurden seit der Erfindung von Bitcoin 2009 ein Drittel aller Handelsplattformen für Krypto-Währungen gehackt. Nach Angaben der Datenschutz-Organisation Privacy Rights Clearinghouse lag die Quote bei US-Banken im gleichen Zeitraum bei einem Prozent. Am bekanntesten ist die Attacke auf die damals weltgrößte Bitcoin-Börse Mt.Gox Anfang 2014 aus Japan. Etwa 25.000 Kunden verloren rund 650.000 Bitcoin (aktueller Wert: vier Mrd. Dollar). Die Bitcoin-Börse, über die seinerzeit 90 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt wurde, schlitterte daraufhin in die Pleite. Der Insolvenz-Verwalter der Börse hat Ansprüche von Geschädigten im Volumen von 400 Millionen Dollar anerkannt.

Im Jänner 2018 erbeuteten Hacker bei der ebenfalls in Japan ansässigen Börse Coincheck Coins der Kryptowährung Nem im Volumen von 530 Mio. Dollar. Der Betreiber der Handelsplattform kündigte an, den Geschädigten knapp 90 Prozent ihres Verlustes ersetzen zu wollen. Unklar blieb zunächst wie und bis wann.

 

Massive Kursverluste

Bitcoin verliert weiter rapide an Wert. Am Dienstag fiel die älteste und bekannte Digitaldevise auf der großen Handelsplattform Bitstamp erstmals seit November unter die Marke von 6000 US-Dollar (4823,15 Euro). Im Tief wurden 5920 Dollar erreicht. Verglichen mit Montag ergibt sich ein Kursrückgang von rund 15 Prozent. Seit Jahresbeginn hat Bitcoin mehr als die Hälfte seines Werts verloren. Andere Digitalwährungen wie Ether, Ripple oder Litecoin gaben ebenfalls im zweistelligen Prozentbereich nach. Von dem rasanten Kursanstieg, den viele der aktuell rund 1500 Kryptowährungen 2017 vollzogen hatten, ist mittlerweile ein großer Teil ausradiert. Bitcoin etwa hatte erst Mitte Dezember ein Rekordhoch von fast 20.000 Dollar erreicht. Seither jedoch ging es fast durchgängig bergab.

Die Notenbank der Notenbanken hat am Dienstag die Behörden weltweit aufgerufen, Kryptowährungen wie Bitcoin stärker ins Visier zu nehmen. Die Behörden müssten bereit sein, gegen die rasant steigende Verbreitung von solchen Cyberdevisen tätig zu werden, um Verbraucher und Anleger zu schützen, sagte der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Agustin Carstens, in Frankfurt.

„Was vielleicht ursprünglich als alternatives Zahlungssystem ohne staatliche Beteiligung gedacht war, ist inzwischen zu einer Mischung aus Finanzblase, Schneeballsystem und Umweltkatastrophe geworden“, warnte Carstens. Die Behörden sollten daher dafür sorgen, dass Cyberdevisen „nicht zu Parasiten“ der Infrastruktur des gesamten Finanzsystems werden. (APA/Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2018)

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