Goldman Sachs kehrt zu seinen Wurzeln zurück

Man weiß nicht viel über ihn, aber das schon: David Solomon gilt als aussichtsreichster Kandidat für den Chefposten bei Goldman Sachs. Der Investmentbanker hat seinen Widersacher Harvey Schwartz ausgebootet.

David Solomon: Skifahrer, DJ, Goldman-Chef?
David Solomon: Skifahrer, DJ, Goldman-Chef?
David Solomon: Skifahrer, DJ, Goldman-Chef? – (c) REUTERS (Lucy Nicholson)

New York. Er gilt als leidenschaftlicher Skifahrer, Gourmet und Weinsammler. In seiner Freizeit steht er ab und zu sogar als DJ hinter dem Plattenspieler. Seine Spezialität: elektronische Musik. Mit Anfang nächsten Jahres könnte ein weiterer Job dazukommen. Denn David Solomon gilt als fast sicherer Kandidat für einen der wichtigsten Jobs an der Wall Street.

Er soll Lloyd Blankfein an der Spitze der legendären Investmentbank Goldman Sachs nachfolgen. Sein bisher größter Rivale, der Trading-Veteran Harvey Schwartz, hat die Bank erst kürzlich überraschend verlassen – und den Weg frei gemacht für Solomon.

Mit der Personalie kehrt Goldman Sachs sozusagen zu seinen Wurzeln zurück. Denn das Stammgebiet der Bank ist das klassische Investmentbanking. Ein Feld, das nach der Finanzkrise stark angezweifelt wurde. Solomon hat seinen Vorgesetzten Blankfein dem Vernehmen nach beeindruckt, weil er ein besonders starkes Team zusammengestellt hat. Er gilt als geschickter Verhandler – sowohl mit aktuellen als auch mit zukünftigen Kunden.

 

Mr. Unbekannt

Bis zum Abgang von Harvey Schwartz teilten sich die beiden die Titel COO und President. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als wäre es Schwartz und nicht Solomon, dem der Sprung in den Sessel des Bankchefs gelingen sollte. Schwartz galt als bekannter. Außerdem kam Schwartz wie Blankfein aus dem Trading-Bereich der Bank.

Dass er nun ausgebootet scheint, ist auch ein Hinweis darauf, dass bei Goldman wieder ein Umdenken einsetzt. Man hat sich offenbar zu stark auf das Geschäft mit Hedgefonds konzentriert und will sich in Zukunft wieder stärker als Investmentbank und Partner von Unternehmen positionieren.

Derweil hat Solomon eine globale Tour absolviert, um sich bei mehr als zwei Dutzend entscheidenden Großkunden und Aktionären vorzustellen und seine Bekanntheit zu fördern. Sollte er den Job wirklich erhalten, wird auch die breite Öffentlichkeit ihn besser kennenlernen. Derzeit ist man sich bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia noch nicht einmal sicher, was das Geburtsjahr betrifft. „Circa 1962“ steht da.

Besser kennen ihn wohl die US-Firmenkunden, zu denen er schon lange einen guten Draht hat: etwa Walt Disney und General Electric. Nach seinem Studienabschluss 1984 versuchte es Solomon gleich bei Goldman, kam aber nicht einmal bis zum Vorstellungsgespräch. 15 Jahre später klopfte Goldman bei Solomon an, nachdem man bei einem Megadeal rund um ein Casino in Las Vegas kooperiert hatte, als Solomon noch bei Konkurrent Bear Stearns war.

 

Doch keine Doppelspitze

Bei Goldman leitete Solomon rund zehn Jahre lang das Investmentbanking, war aber sehr wohl auch im Trading-Bereich aktiv. An der Wall Street wurde die Nachricht vom Abgang Schwartz' und dem Aufstieg Solomons positiv interpretiert. Die zukünftige Ausrichtung von Goldman dürfte gesichert sein. Einige Zeit gab es das Gerücht, auf Blankfein könnte eine Doppelspitze bei Goldman folgen. „Eine ungute Struktur“, wie ein Analyst dazu meinte. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2018)

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