Daten-Affäre lässt Facebook an der Börse abstürzen

Wegen der Affäre um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica werden im US-Kongress wieder Rufe nach strengeren Auflagen für Facebook laut. Die Aktie des sozialen Netzwerks bricht um mehr als acht Prozent ein.

(c) REUTERS (Yves Herman)

Alle Augen der Anleger richteten sich am Montag auf die Aktie des sozialen Netzwerks Facebook, die um mehr als acht Prozent auf rund  170 Dollar abstürzte. Der Konzern hatte am Freitagabend eingeräumt, dass die Datenanalysefirma Cambridge Analytica und einige Forscher die Auflagen des weltgrößten Internet-Netzwerks verletzt hätten. Medienberichten zufolge wertete Cambridge Analytica private Informationen von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern aus und unterstützte mit den Ergebnissen den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump. Die Daten-Affäre zog auch die Papiere des Facebook-Rivalen Twitter nach unten. Der Kurs des Snapchat-Betreibers Snap verlor mehr als vier Prozent. 

Wegen der Affäre um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica werden im US-Kongress wieder Rufe nach strengeren Auflagen für Facebook laut. Es sei deutlich geworden, dass die Internetdienste sich nicht selbst regulieren könnten, schrieb die Senatorin Amy Klobuchar am Samstag auf Twitter.

"Sie haben gesagt, 'vertraut uns'. Mark Zuckerberg muss vor dem Justizausschuss des Senats aussagen", erklärte die Demokratin, die selbst im Ausschuss sitzt, über den Facebook-Chef. Ihr Parteikollege Mark Warner verglich die Lage in der Online-Werbebranche mit dem Wilden Westen. Es sei klar, dass "dieser Markt weiter anfällig für Betrug und durch mangelhafte Transparenz geprägt sein wird, wenn er unreguliert bleibt".

Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Massachusetts nahm am Samstag Ermittlungen in den Fall auf. Auch die britischen Datenschutzbehörden kündigten eine Untersuchung darüber an, wie Facebook mit Daten seiner Kunden umgeht. Das weltgrößte soziale Netzwerk steht bereits im Zusammenhang mit der Russland-Affäre unter Druck. Facebook hatte im September eingeräumt, dass in den Monaten vor und nach der US-Wahl etwa 3000 Anzeigen mit polarisierenden Inhalten geschaltet worden seien. Die Auftraggeber säßen vermutlich in Russland. Anschließend wurden in den USA Forderungen laut, Konzerne wie Facebook strenger zu regulieren.

Die EU-Kommission verurteilte Facebook am Montag wegen der Affäre um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica. Aus europäischer Perspektive sei der Missbrauch persönlicher Daten für politische Zwecke "nicht akzeptabel", erklärte EU-Kommissionssprecher Christian Wigand in Brüssel. Die EU-Kommission stehe bereits in Kontakt mit Facebook, und EU-Justizkommissarin Vera Jourova werde die Affäre bei ihrem Besuch in den USA in dieser Woche ansprechen.

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