Bitcoin-Krimi: Ein Phantom und viele „Opfer“

Zum ersten Mal meldet sich in der Causa Optioment jener Tiroler zu Wort, der von vielen als „Schlüsselfigur“ bezeichnet wird. Wie alle anderen involvierten Österreicher sieht auch er sich als Opfer mysteriöser Hintermänner.

Tausende Anleger haben bei Optioment Geld verloren
Tausende Anleger haben bei Optioment Geld verloren
Tausende Anleger haben bei Optioment Geld verloren – REUTERS (Dado Ruvic)

Wien/Kufstein. Im Kriminalfall Optioment meldet sich erstmals jener Tiroler zu Wort, der als „Kontaktmann“ für viele als Schlüsselfigur in diesem Fall gilt. Er hat die Verbindung zwischen den heimischen Vertreibern des potenziellen Millionenbetrugs rund um die Kryptowährung Bitcoin und den angeblichen Hintermännern im Ausland hergestellt. Der Tiroler spricht allerdings nur über seinen Anwalt Andreas Pollak mit der „Presse“ – er selbst befinde sich seit Monaten auf einer „lang geplanten Dienstreise“ in Asien. Sein Mandant sei aber nicht auf der Flucht, so der Rechtsvertreter. Er wolle in einigen Monaten nach Österreich zurückkehren, um vor der Staatsanwaltschaft eine Aussage zu machen. Den Zeitpunkt dieser Rückkehr will der Anwalt zum Schutz seines Klienten aber nicht verraten.

Rückblick: Tausende Anleger aus Österreich haben bei Optioment Geld verloren, der Schaden geht in den zweistelligen Millionenbereich. Den Anlegern wurden exorbitante Renditen von bis zu vier Prozent pro Woche versprochen. Als Zahlungsmittel und Investment zugleich diente die Kryptowährung Bitcoin. Epizentrum von Optioment war Österreich. Hier wurde der Vertrieb organisiert, hier wurden die Veranstaltungen abgehalten und hier sitzen auch die meisten Geschädigten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt sieben Personen wegen Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Die zwei Hauptverdächtigen heißen angeblich Lucas M. und Alex P., ein Däne und ein Lette. Ihre Existenz ist bis heute nicht gesichert. Von Lucas M., dem angeblichen Meister-Trader, der die Gelder der Anleger vervielfachen sollte, gibt es nur eine Tonaufnahme. Die Interpol fahndet seit Wochen. Lucas M. bleibt ein Phantom.

Greifbar sind für die Ermittler nur jene vier Personen, die Optioment nach Österreich gebracht haben: der Tiroler sowie ein Niederösterreicher und zwei Brüder aus der Steiermark, die sich selbst die „drei Optioment-Musketiere“ nannten. Diese haben die Vertriebsstruktur von Optioment in Österreich aufgebaut. Heute sehen sie sich aber als „Opfer“ der mysteriösen Hintermänner. Die „Musketiere“ geben an, sich auf den Tiroler Kontaktmann verlassen zu haben, den sie immer als „seriösen Geschäftsmann“ wahrgenommen hätten.

Der Tiroler sieht sich wiederum von Lucas M. aufs Kreuz gelegt. „Er hat selbst Geld in Optioment investiert. Wo es geblieben ist, würde auch er gern wissen“, sagt sein Anwalt zur „Presse“. Dass sein Mandant den Kontakt zwischen Lucas M. und den „Musketieren“ hergestellt hat, bestätigt der Anwalt. Sein Mandant und Lucas M. hätten sich aus der Bitcoin-Szene gekannt. Es habe „zuvor ein paar Mal geschäftlichen Kontakt, aber keine enge regelmäßige Geschäftsbeziehung“ gegeben, so Anwalt Andreas Pollak: „Unser Mandant hat mit Lucas M. seit mehr als einem Jahr keinen Kontakt.“

Cointed distanziert sich von Gründer

Der Tiroler ist ein Mitbegründer der Bitcoin-Firma Cointed in Kufstein. Die Staatsanwaltschaft hat Mitte April die Büros von Cointed durchsuchen lassen. Die Ermittler vermuten, dass Cointed für die Abwicklungen von Zahlungen von und an Optioment verwendet wurde. Auch die sogenannten Bitcoin-Bankomaten von Cointed tauchen immer wieder im Zusammenhang mit Optioment auf. Etwa wurden sie auch bei den Großveranstaltungen gesichtet, die die „Musketiere“ in Wien organisiert hatten.

Über die Automaten konnten neu gewonnene Anleger sofort Bargeld in Bitcoin verwandeln und an Optioment schicken. Wer neue Investoren begeistern konnte, kassierte dank der Multi-Level-Marketing-Struktur von Optioment zusätzlich Provisionen. Bis das System Ende 2017 zusammengebrochen ist – und Tausende Bitcoin verschwunden sind.

Die Firma Cointed weist aber alle Vorwürfe von sich und will mit den Behörden kooperieren. Man geht auch auf Distanz zum Mitbegründer. Dieser sei seit Ende 2017 auch nicht mehr für Cointed tätig. Einzig: Noch bis März ist er als CEO der in Hongkong registrierten Cointed-Gesellschaft aufgetreten. Auch im Firmenbuch findet man seinen Namen noch unter den Anteilshaltern. Ein Fehler, so Anwalt Andreas Pollak.

Der Mitbegründer habe bereits alle Cointed-Anteile abgegeben. „Es wird möglicherweise noch eine Weile dauern, bis sein Ausstieg auch im Firmenbuch in Hongkong ersichtlich ist, da dies üblicherweise mehrere Monate in Anspruch nimmt“, heißt es dazu von Anwalt Andreas Pollak.

Auf einen Blick

Bei Optioment haben Tausende Anleger aus Österreich Geld verloren. Ihnen wurden exorbitante Renditen auf Bitcoin-Einlagen versprochen. Ende 2017 ist das System zusammengebrochen. Es dürften mindestens 4500 Bitcoin gestohlen worden sein, vielleicht viel mehr. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug. Am 12. April gab es bei der Firma Cointed in Kufstein eine Hausdurchsuchung. Ein Mitbegründer, der inzwischen aus der Firma ausgeschieden ist, ist in den Fall verwickelt – als Kontaktmann zu den Hintermännern.

„Die Presse“ recherchiert die Causa Optioment gemeinsam mit der der Redaktion des ORF-Wirtschaftsmagazins „Eco“. Am Donnerstag um 22.30 auf ORF 2 ist Optioment dort wieder Thema.


[OER9D]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2018)

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