Finanzaufsicht warnt vor unseriösen Goldanbietern

Die Finanzkrise führt zu einem Goldboom. Doch auf dem Markt tummeln sich viele schwarze Schafe. Die Aufsicht fordert Investoren auf, etwaige Verträge vorab genau zu studieren.

Finanzaufsicht warnt unserioesen Goldanbietern
Finanzaufsicht warnt unserioesen Goldanbietern
Seth Wenig

Wien (höll/b.l.). „Wertbeständig“, „krisensicher“ und „inflationsgeschützt“: Die Finanzkrise hat auch in Österreich einen Goldrausch ausgelöst. Nicht nur im Internet tummeln sich viele Anbieter, die das Edelmetall zu vermeintlich günstigen Preisen an- und verkaufen. Auch diverse Goldsparpläne werden angeboten. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat dazu am Donnerstag erstmals eine Warnung veröffentlicht. Sie fordert Investoren auf, die Verträge vorab genau zu studieren. Denn bei vielen Anlagemodellen erfolge der Ankauf von Gold ohne tatsächliche Übergabe. „Vielmehr erwirbt der Anleger in der Regel nur einen schuldrechtlichen Anspruch auf Übergabe des Goldes, welcher im Fall von Zahlungsschwierigkeiten des Verkäufers unter Umständen nicht in voller Höhe durchgesetzt werden kann.“

Es sollte daher beachtet werden, „dass die mit dem Kauf von Gold (sei es einmalig, sei es in Form von Sparplänen) verbundene Vorstellung einer besonders sicheren Anlage dann enttäuscht werden könnte, „wenn das Gold dem Anleger nicht Zug um Zug gegen Bezahlung übergeben wird“.

 

Auch Betrug nicht ausgeschlossen

Die Aufsicht rät, auch die mit derartigen Angeboten verbundenen Nebenkosten und Provisionen genau zu prüfen. Vorsicht sei geboten, wenn „dem Käufer seinerseits für die Vermittlung weiterer Abschlüsse hohe Provisionen in Aussicht gestellt werden“. Dies sei ein starkes Indiz, dass hier ein Ketten- oder Pyramidenspiel vorliegt. Auch ein Betrug könne nicht ausgeschlossen werden.

Der Finanzmarktaufsicht sind beim Einschreiten allerdings oft die Hände gebunden. Denn der Handel mit Goldbarren und die Ausfolgung von Gold aus Einkaufskommissionen stellten kein Bankgeschäft dar. Für solche Geschäfte bedarf es daher grundsätzlich keiner Konzession der Aufsicht.

Wer in Geld investieren will, sollte daher eher zu Goldmünzen und Goldbarren greifen (die man allerdings in einem Tresor lagern sollte, was Gebühren verursacht). Eine andere Möglichkeit ist der Erwerb eines „Exchange Traded Funds“, der mit physischem Gold unterlegt ist. Exchange Traded Funds sind Wertpapiere, die den Goldpreis nachvollziehen und die man an der Börse handeln kann.

 

Goldpreis in Euro fast auf Höchststand

Goldzertifikate sind dagegen Schuldverschreibungen des Emittenten (meist einer Bank): Geht der Emittent pleite, fällt man um sein Vermögen um. Als Alternative kann man auch in Goldminen-Aktien investieren. Deren Kurs wird von einem steigenden Goldpreis häufig auch nach oben getrieben. Doch dabei trägt man das volle Unternehmensrisiko.

Der Goldpreis liegt derzeit etwas unter 1100 Dollar und ist von seinem Höchststand im Vorjahr (1200Dollar) etwas zurückgekommen. In Euro notiert er mit 811 Euro aber nur ganz knapp unter seinem Höchststand (819 Euro).

AUF EINEN BLICK

Die Finanzmarktaufsicht rät zur Vorsicht, wenn man in Gold investieren will. Insbesondere, wenn es sich um Anlagemodelle handelt, bei denen keine tatsächliche Übergabe von Gold stattfindet. Dabei erhält man oft nur eine Schuldverschreibung. Geht der Emittent pleite, fällt man um sein Geld um.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2010)

Kommentar zu Artikel:

Finanzaufsicht warnt vor unseriösen Goldanbietern

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen