Wien ist für Fintechs attraktiver als Tel Aviv

Wien springt in einem neuen Ranking auf Platz 15. Vieles ist aber noch nicht geregelt. Die Neos machen Druck bei Bitcoin.

Die Schweizer Stadt Zug gilt alsinternationales „Crypto Valley“.
Die Schweizer Stadt Zug gilt alsinternationales „Crypto Valley“.
Die Schweizer Stadt Zug gilt alsinternationales „Crypto Valley“. – APA/AFP/FABRICE COFFRINI

Wien. Für die Wiener ist es eine Selbstverständlichkeit, die Rankings anzuführen, in denen die Lebensqualität einer Stadt gemessen wird. Seit Jahren rangiert die Bundeshauptstadt in den einschlägigen Ranglisten ganz oben. Nun wurde sie von Universität von Luzern auch in das „Global FinTech Ranking“ aufgenommen, das jährlich vom Institute for Financial Services Zug (IFZ) erstellt wird.

Wien steigt hier gleich auf Platz 15 ein. Das ist zwar keine absolute Topplatzierung – aber Wien liegt doch deutlich besser als die anderen zwei Neueinsteiger Luxemburg (Platz 19) und Warschau (Platz 25). Das Ranking misst die Attraktivität eines Standortes für Start-Ups aus dem Finanzbereich, so genannte Fintechs. Bewertet werden vier Faktoren: Politische Lage, Wirtschaft, Soziales Umfeld und technologische Infrastruktur.

 

Bitcoin im Parlament

Die Überraschung: Wien kann sich vor Tokio, Paris und auch Tel Aviv platzieren - allesamt Städte, die gemeinhin als Start-Up-Mekkas gelten. Stark punkten kann Wien mit politischer Stabilität, dem sozialen Leben und auch der Technologie. Das wirtschaftliche Umfeld fällt laut dem Ranking aber eher schwach aus. Ein Umstand, den Unternehmer in Österreich ohnehin seit Jahren bemängeln: Steuern, Abgaben, Bürokratie und ein Mangel an Fachkräften machen ihnen das Leben schwer. Die wirtschaftsfreundliche Oppositionspartei Neos will das Thema deswegen am heutigen Donnerstag auch vors Parlament bringen.

Konkret will man über die Pläne der Regierung für Fintechs, Bitcoin und Blockchainfirmen sprechen. „Die Community ist mit erschreckender Untätigkeit auf Seiten des Ministeriums konfrontiert“, sagt Neos-Abgeordnete Claudia Gamon. Freilich: Das Finanzministerium hat als einen ersten Schritt einen Fintech-Beirat eingerichtet, in dem weitere Schritte mit ebendieser Community abgesprochen werden. Konkret sollen so genannte Sandboxes geschaffen werden, in denen junge Firmen neue Geschäftsmodelle testen können, ohne mit den Aufsichtsbehörden in Konflikt zu geraten. Es tut sich also sehr wohl etwas. Aber gerade im Finanzbereich ist der Konkurrenzkampf groß. So ist es wohl kein Zufall, dass die Studie aus Zug kommt. Die Schweizer Stadt gilt als internationales „Crypto Valley“.

 

Rechtssicherheit gefordert

Österreich hinkt hier laut Neos noch hinterher. „Wir müssen das richtige Umfeld schaffen. Wenn das andere Länder besser und schneller machen, dann wandern Kapital und Innovation dorthin ab“, so Gamon: „Wer wartet, verliert. Es geht darum, radikal vorne zu sein und zu bleiben, auch regulativ.“ Es brauche rasch Rechtssicherheit für die Blockchain-Ökonomie. Und: Neben begrüßenswerten Sandboxes müsse man im Bildungssystem ansetzen. (jil)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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