Fed eröffnet Woche der Notenbanken

Die Zinsentscheidung der US-Notenbank interessiert vor allem wegen der aktualisierten Konjunkturprognosen. Nun richtet sich der Blick nach Frankfurt, Tokio und Peking.

Die Fed eröffnete den Reigen diverser Notenbankentscheidungen.
Die Fed eröffnete den Reigen diverser Notenbankentscheidungen.
Die Fed eröffnete den Reigen diverser Notenbankentscheidungen. – APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI

Wien. Seit Tagen befinden sich Anleger in einer gewissen Lähmung angesichts der Notenbankentscheidungen, die für diese Woche anstehen. Die erste von ihnen sollte am Abend nach Blattschluss in den USA gefallen sein. Und wenn die überwiegende Mehrheit der Beobachter mit ihrer einhelligen Prognose richtig lag, so wird die US-Notenbank Fed den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne zwischen 1,75 und zwei Prozent erhöht haben.

Es wäre dies die zweite Leitzinserhöhung im laufenden Jahr. Dieser Schritt ist auf dem Markt längst eingepreist. Weniger Gewissheit herrscht da schon in der Frage, ob die Fed bis Jahresschluss nun nur noch einen letzten, dritten Zinsschritt vornehmen wird oder sich am Ende doch noch zu einem vierten durchringt. Entsprechend gespannt werden Analysten heute die gestern von der Fed vorgelegten aktualisierten Konjunktur- und Inflationsprognosen studieren.

 

Was macht die EZB?

Im Vorfeld der gestrigen Zinsentscheidung wurde gemutmaßt, dass der Optimismus bei den US-Währungshütern zugenommen habe. Die US-Notenbanker dürften die wirtschaftliche Lage diesmal wohl noch etwas positiver einschätzen als beim letzten Zinsentscheid Anfang Mai, heißt es in einem Ausblick der Dekabank.

Wie auch immer: Der US-Zinsentscheid lieferte nur den Auftakt zu einer Woche der Notenbanken. Dabei liegt das Augenmerk vor allem auf der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, die schon heute Nachmittag ihre Entscheidung über die weitere Geldpolitik bekannt gibt. Beobachter waren zuletzt uneins darüber, ob die Währungshüter der EZB einen Ausstiegsplan aus ihrem Anleihekaufprogramm konkretisieren würden. Der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, hatte ja vorige Woche in einer Rede in Berlin eine Diskussion über die Fortsetzung des Anleihekaufprogramms angekündigt und darum den Euro deutlich ansteigen lassen. Es sei klar, dass man die weitere Entwicklung der Anleihekäufe prüfen müsse, sagte er. Laut bisherigen Ankündigungen sollen die Käufe der Notenbank noch bis mindestens September fortgesetzt werden. Derzeit kauft die EZB pro Monat Anleihen in einem Volumen von 30 Mrd. Euro.

Einig ist man sich an den Finanzmärkten jedenfalls insofern, als man mit ersten Zinserhöhungen durch die EZB-Währungshüter frühestens zur Jahresmitte 2019 rechnet.

Vor diesem Hintergrund gilt diese Woche fast schon als Fußnote, dass am Freitag die Bank of Japan ihre nächste geldpolitische Entscheidung bekannt geben wird.

 

China dürfte nachziehen

Für Aufmerksamkeit sorgt indes die Einschätzung des chinesischen Zentralbank-Beraters Sheng Songcheng, dass die chinesische Zentralbank (PBOC) im Falle einer gestrigen Zinserhöhung durch die US-Notenbank schon heute nachziehen dürfte. Die PBOC könnte im Offenmarktgeschäft leicht an der Zinsschraube drehen, sagte Sheng in einem am Mittwoch publizierten Beitrag des chinesischen Finanznachrichtendienstes Yicai.

„China braucht der Fed bei den Zinserhöhungen aber nicht langfristig zu folgen, geschweige denn Schlüsselzinsen wie die Einlagen- und Hauptkreditsätze zu erhöhen“, so Sheng. Er begründete seine Einschätzung damit, dass die Zinsen in China schon deutlich höher seien als in anderen Ländern, während die Verbraucherinflationsrate aber moderat bleibe.

Beobachter rechnen damit, dass die PBOC schon am heutigen Donnerstag ihre Geldmarktzinsen erhöht. Auf frühere Zinsanhebungen der Fed hatte sie vergleichbar reagiert. (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2018)

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