Showdown bei Wienerberger abgesagt

Investor Umek schickte zwei eigene Aufsichtsräte ins Rennen, zog den Wahlvorschlag aber zurück.

Der Umsatz des Unternehmens kletterte 2017 auf rund 3,1 Mrd. Euro.
Der Umsatz des Unternehmens kletterte 2017 auf rund 3,1 Mrd. Euro.
Der Umsatz des Unternehmens kletterte 2017 auf rund 3,1 Mrd. Euro. – REUTERS

Wien. Das Wichtigste verkündete Aufsichtsratsvorsitzende Regina Prehofer gleich zu Beginn. Das Buffet werde gegen 12.30 Uhr eröffnet. Normalerweise laufen die Hauptversammlungen des Ziegelkonzerns Wienerberger relativ ruhig ab. Diesmal sorgte einer jedoch schon im Vorfeld für Aufregung: Investor Klaus Umek mit seiner Gesellschaft Petrus Advisers. Umek hatte in einem Brief an Prehofer die Performance des Unternehmens kritisiert und sich zum Ziel gesetzt, zwei auslaufende Aufsichtsratsmandate mit eigenen Kandidaten zu besetzen. Bei Wienerberger nahm man dieses Anliegen zwar zur Kenntnis, empfahl den Aktionären allerdings, den Vorschlag nicht zu unterstützen. Der weltgrößte Ziegelkonzern schickte seine eigenen Anwärter ins Rennen: Christian Jourquin stellte sich der Wiederwahl, Peter Steiner wurde neu präsentiert. Er soll Franz Josef Haslberger ersetzen, der keine Verlängerung mehr anstrebte.

Und so ergriffen alle vier Kandidaten die Chance, sich den Anwesenden vorzustellen. Obwohl Investor Umek vor Ort war, saßen „seine“ Kandidaten, Pierre-Marie De Leener und Jan Buck-Emden, am anderen Ende des Saals. Erst später nahmen sie in der Reihe hinter Umek Platz. Alle Kandidaten erzählten von ihrem bisherigen Werdegang und zeigten sich davon überzeugt, für das Unternehmen einen Mehrwert schaffen zu können. Die Aktionäre quittierten die Wortmeldungen mit höflichem Applaus.

 

2017 war Rekordjahr

Letztlich mussten die Anwesenden gar nicht über vier Kandidaten abstimmen. Denn Petrus Advisers zog seine Wahlvorschläge vor der Abstimmung zurück. Eine „gesichtswahrende Lösung“, wie es ein Anwesender formulierte. Nach einer Abhandlung über die Vergütung von Aufsichtsrat und Vorstand ergriff CEO Heimo Scheuch das Wort: „Wir sind auf Wachstumskurs und setzen das 2018 fort.“ Er führte durch die Ereignisse und Ergebnisse des vergangenen Jahres. Der Umsatz des Unternehmens kletterte 2017 auf rund 3,1 Mrd. Euro, ein Plus von fünf Prozent und ein Rekord. Das Nettoergebnis erreichte mit 123,2 Mio. Euro ebenfalls ein Zehnjahreshoch.

Die Aktionäre dürfen sich ein Stück von diesem Erfolg abschneiden. Sie erwartet eine Dividende von 0,30 Euro je Aktie, zusätzlich werden 0,10 Euro Sonderdividende ausbezahlt. Für das laufende Jahr setzt Wienerberger unter anderem auf organisches Wachstum. Heuer will man 200 Mio. Euro investieren, mehr als 100 Mio. Euro erwartet man sich künftig aus Verkäufen von nicht strategischen Geschäftsfeldern.

Michael Knap, der Vizepräsident des Interessensverbandes für Anleger, meldete sich als erster Investor zu Wort. Er bedankte sich bei Scheuch, dass dieser die Situation des Unternehmens nicht in epischer Breite abgehandelt habe: „Eine reife Leistung.“ Weniger gefiel ihm hingegen, dass die Entlohnung von Vorstand und Aufsichtsrat zu lange Thema war. Die Informationen dazu stünden nämlich detailliert im Geschäftsbericht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Showdown bei Wienerberger abgesagt

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.