Türkei: Erdogan attackiert die Notenbank - Lira auf Talfahrt

Der türkische Präsident Recep Tayipp Erdogan ruft seine Notenbank dazu auf, die Leitzinsen zu senken. Genau das wollte man auf den Finanzmärkten nicht hören. Die Lira geht auf Talfahrt.

 Recep Tayipp Erdogan ruft seine Notenbank dazu auf, die Leitzinsen zu senken
 Recep Tayipp Erdogan ruft seine Notenbank dazu auf, die Leitzinsen zu senken
Recep Tayipp Erdogan ruft seine Notenbank dazu auf, die Leitzinsen zu senken – REUTERS

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der türkischen Notenbank hat Staatschef Recep Tayyip Erdogan niedrigere Zinsen gefordert und die eigentlich unabhängige Notenbank damit massiv unter Druck gesetzt. Er warf den Währungshütern am Donnerstag vor, die Wechselwirkung von Zinsen und Inflation zu verkennen. "Wer sagt: Inflation ist die Ursache und Zinsen das Ergebnis, der kennt sich nicht aus in diesem Geschäft." Zugleich stellte er der Notenbank ein schlechtes Zeugnis aus, da die steigenden Preise im Land eine Folge falscher Schritte der Zentralbank seien. Die Währungshüter seien jedoch unabhängig und träfen ihre Entscheidungen in eigener Regie.

Doch Investoren hegen seit längerem Zweifel daran. Dieser Vertrauensverlust hat mit dazu beigetragen, dass die Landeswährung Lira seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren hat. Sie fiel nach der verbalen Breitseite Erdogans gegen die Notenbank weiter: Der Dollar verteuerte sich im Gegenzug um 3,5 Prozent auf 6,545 Lira. Der türkische Leitindex drehte ins Minus und verlor 0,9 Prozent.

Die Sitzung der Notenbank gilt als Nagelprobe für die Unabhängigkeit. Aktuell liegt der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 17,75 Prozent. Die Zentralbank in Ankara sieht angesichts der ausufernden Inflation im Land Handlungsbedarf, hat bislang aber keine Details verlauten lassen. Ökonomen setzen auf eine Erhöhung auf 22,00 Prozent.

 

Erdogan kündigt Maßnahmen an

Die Türkei sei im Vergleich zu anderen Schwellenländern wirtschaftlich zurückgefallen, räumte Erdogan ein. Das Land werde daher Maßnahmen ergreifen müssen. Die Währungsturbulenzen sollten jedoch mit den Regeln der freien Marktwirtschaft angegangen werden. Doch Erdogan setzt auch auf staatliche Vorgaben. So dürfen Immobiliengeschäfte künftig nur noch in Lira abgeschlossen werden. Dies gilt nicht nur für neue Kauf- und Mietverträge. Auch alle bereits in einer ausländischen Währung abgeschlossenen Kontrakte müssen binnen 30 Tagen umgeschrieben werden. Immobilienverträge, die in Euro oder Dollar abgeschlossen werden, sind in der Türkei weit verbreitet.

Erdogan will den Lira-Absturz auch stoppen, indem er beispielsweise Exportunternehmen verpflichtet, 80 Prozent ihrer Deviseneinnahmen im Ausland in Lira umzuwandeln. Das könnte Firmen, die etwa Rohstoffe im Ausland einkaufen oder Kredite in fremden Währungen abzahlen müssen, stark belasten.

Am Schicksal der Lira hängen auch andere aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Argentinien, Indien oder Südafrika. Denn ihre Währungen sind ebenfalls unter Druck geraten, da sich einige Investoren generell aus der Anlageklasse verabschieden. Die USA locken mit steigenden Zinsen seit längerem wieder vermehrt Kapital an.

(Reuters)

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