Britische Notenbank hält wegen Brexit Leitzinsen konstant

Die britischen Währungshüter kämpfen gegen die im Sog der Brexit-Entscheidung von 2016 steigenden Verbraucherpreise.

Die britische Notenbank hat wegen des nahenden Brexit ihre Zinspolitik nicht angetastet. Die Londoner Pfund-Wächter beschlossen am Donnerstag einstimmig, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 0,75 Prozent zu belassen. Die Bank von England hatte den Satz Anfang August auf dieses Niveau angehoben - das höchste seit fast einem Jahrzehnt.

Die Währungshüter kämpfen gegen die im Sog der Brexit-Entscheidung von 2016 steigenden Verbraucherpreise. Dafür sorgt insbesondere der Kursverlust des Pfund nach dem Austrittsreferendum. Denn dadurch verteuern sich die Importe, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälert.

Seit der letzten Zinssitzung hätten an den Finanzmärkten die Unsicherheiten über die Entwicklungen im Brexit-Prozess zugenommen, erklärte die Notenbank. Sie bekräftigte, bei weiteren Zinserhöhungen vorsichtig vorzugehen. Großbritannien will die Europäische Union Ende März 2019 verlassen. Es ist aber immer noch nicht klar, wie die wirtschaftlichen Beziehungen zur EU künftig aussehen werden. Am Dienstag wurde bekannt, dass Notenbank-Chef Mark Carney noch bis Ende Jänner 2020 und damit sieben Monate länger im Amt bleibt. Inmitten der stockenden Brexit-Verhandlungen hätte sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestalten können.

Die Notenbank habe keinen Grund gehabt, ihren Kurs zu ändern, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. "Wegen des Brexits dürfte diese Marschroute in den nächsten Monaten bestehen bleiben." Ähnlich äußerte sich auch sein Kollege Jens Kramer von der NordLB. Wegen der Nervosität mit Blick auf den Fortgang der Brexit-Verhandlungen habe die Notenbank kaum eine andere Wahl, als für Stabilität zu sorgen. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die Pfund-Wächter erst nach dem EU-Austritt einen weiteren Zinsschritt in Erwägung ziehen.

Aus den Regionen erreichten die britische Notenbank unterdessen Berichte, dass Unternehmen die Kostenschrauben anziehen und sich bei Investitionen zurückhalten. Exporteure stuften die Wahrscheinlichkeit auf 40 Prozent ein, dass der Austritt des Landes aus der EU ihre Umsätze schmälern könnte. Dennoch erhöhten die Notenbank am Donnerstag ihre Wachstumsprognose für das dritte Quartal leicht auf 0,5 Prozent von bisher 0,4 Prozent. Dahinter steht unter anderem der ungewöhnlich warme Sommer auf der Insel, der sich positiv auf die Kauflaune der Verbraucher auswirkte.

(Reuters)

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