Wie deutsche Kirchen ihr Vermögen "prächtig" vermehren

Mit eigenen Banken versuchen die deutschen Kirchen dem Niedrigzins zu entkommen. Bei der Veranlagung spielen auch Nachhaltigkeitsfilter eine wesentliche Rolle.

Bankenskyline mit der evangelischen St Katharinen Kirche an der Hauptwache in Frankfurt am Main am
Bankenskyline mit der evangelischen St Katharinen Kirche an der Hauptwache in Frankfurt am Main am
Umstrittene Branchen und Länder gilt es bei der Veranlagung zu vermeiden. – imago/epd

Zu ihren Mitgliedern zählen 648 Kirchengemeinden, im Aufsichtsrat sitzt eine Missionsschwester und ihre Anlageprodukte folgen ethisch-nachhaltigen Ideen. Die Bank für Kirche und Caritas eG aus Paderborn zählt zu einem kleinen Kreis von wenig bekannten Banken in Deutschland, die von kirchlichen Einrichtungen getragen werden. Angesichts niedriger Zinsen, die auf die Erträge klassischer Anlagen drücken, haben die Spezialinstitute derzeit viel zu tun. Sie müssen den Spagat schaffen, die Vermögen der Kirchen zu erhalten, gleichzeitig aber auf Investments in umstrittene Branchen oder Länder zu verzichten.

"Weil es für Festzinsanlagen heute kaum noch Erträge gibt, wenden sich mehr kirchlich-karitative Einrichtungen an uns, um ihre Gelder professionell betreuen zu lassen", erklärte Richard Böger, Chef der Bank für Kirche und Caritas, in einem Interview mit Bloomberg. "Beim verwalteten Vermögen unseres Portfoliomanagements verzeichneten wir im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 17,8 Prozent." Seine Bank war 1972 als finanzielle Selbsthilfeeinrichtung für katholische Kirchen gegründet worden.

Auch die Bank für Kirche und Diakonie eG in Dortmund stellt bei ihren kirchlichen Kunden eine zunehmende Professionalisierung bei Kapitalanlagen fest, wie Vorstandschef Ekkehard Thiesler erklärte. "Ein Grund dafür ist die anhaltende Niedrigzinsphase, die bei kirchlichen Investoren dazu geführt hat, den Anteil der festverzinslichen Wertpapiere zu verringern und neue Anlagemöglichkeiten auszuloten." Kollege Klaus Schraudner, Chef der Pax-Bank eG in Köln, kommt zu dem Schluss, dass die Niedrigzinsen "eine aktive Verwaltung der Vermögenswerte immer wichtiger machen".

Vermögensverwaltung ab fünf Millionen Euro

Genaue Zahlen zum Gesamtvermögen der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland gibt es nicht. Der Politologe und Kirchen-Experte Carsten Frerk hatte sich unlängst aber an einer Hochrechnung versucht. "Aufgrund meiner eigenen plausiblen Schätzungen kommen beide Kirchen inklusive ihrer Wirtschaftsunternehmen auf einen Vermögenswert von rund 345 Milliarden Euro", sagte er. "Das ist allerdings ohne Caritas und Diakonie, die über ein erhebliches Immobilienvermögen verfügen."

Beim Kampf gegen die niedrige Zinsen holen sich Kirchen nicht nur Hilfe bei traditionellen Geschäftsbanken wie Joh Berenberg Gossler & Company KG, sondern eben auch bei den eigenen Spezialinstituten wie der Bank für Kirche und Caritas. Diese betreut mit 120 Mitarbeitern unter anderem katholische Bistümer, Krankenhäuser und Ordensgemeinschaften, Stiftungen sowie Einrichtungen der Caritas in ganz Deutschland.

Ab einer Anlagesumme von 5 Million Euro bieten die Paderborner, die Teil des genossenschaftlichen Finanzverbunds sind, eine Vermögensverwaltung mit individuellen Strategien. Viele Kunden nutzen dabei den Nachhaltigskeitfilter der Bank. "Ausgeschlossen sind hier beispielsweise Unternehmen, bei denen Verstöße gegen Konventionen im Bereich der Geldwäsche, der Bestechung oder Korruption nachgewiesen werden können", sagte Bernhard Matthes, der das Portfolio-Management leitet. "Anleihen von Staaten mit Todesstrafe oder Aktien von Rüstungsgüterkonzernen sind ebenfalls tabu."

Publikumsfonds aufgelegt

Nicht unter den Filter fallen hingegen Investments, die mit Alkohol in Verbindung stehen. "Wein spielt in der katholischen Liturgie durchaus eine Rolle", erklärte Matthes, der einst auch bei der Deutschen Bank AG in Luxemburg beschäftigt war.

Neben der klassischen Vermögensverwaltung hat die Bank für Anleger mit kleineren Vermögen drei Publikumsfonds aufgelegt, die ebenfalls ethischen Grundsätzen folgen. Der jüngste ging Ende 2016 an den Start und investiert in Anleihen aus Emerging Markets. "Zahlreiche Schwellenländer bieten Renditen, die deutlich über der Inflation liegen", sagte Matthes. "Viele dieser Länder haben Strukturreformen umgesetzt, um stabile Wachstumsraten zu erreichen, die Lage bei Auslandsverschuldung und Reserven zu verbessern und nicht zuletzt Investoren glaubhaft zu schützen."

Kein Fusionsdruck

CEO sieht keine Zusammenschlüsse
Als größte Herausforderung bezeichnete CEO Böger die Bankenregulierung. Immer neue Gesetze und Vorschriften, die im täglichen Geschäft umgesetzt werden müssten, seien belastend. "Mit großem Aufwand sind wir gezwungen, unsere internen Prozesse auszuweiten und zu verändern", sagte er.

Getragen wird die Bank neben den 648 Kirchengemeinden auch von 328 kirchlich-karitativen Einrichtungen und 386 Privatpersonen. Im vergangenen Jahr stieg der Bilanzgewinn auf 3,2 Millionen Euro, nach 2,9 Millionen Euro in 2016, zeigt der Jahresbericht. Der Provisionsüberschuss kletterte um 42 Prozent dank Vermögensverwaltung sowie Portfoliobetreuung und -beratung.

Während 2017 die Zahl der Banken in Deutschland nach Angaben der Deutschen Bundesbank insgesamt um 65 auf 1823 geschrumpft war und sich die Konsolidierung in der Branche fortgesetzt hatte, sieht Böger unter den Kirchenbanken keinen Fusionsdruck. "Alle verdienen prächtig", sagte er. "Aus wirtschaftlicher Sicht sind keine Zusammenschlüsse notwendig."

(Bloomberg)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Wie deutsche Kirchen ihr Vermögen "prächtig" vermehren

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.