91 Prozent der Österreicher wissen nicht, was Anleihen sind

Das Finanzwissen der Österreicher ist erschreckend. Laut Sparstudie der Erste Bank wissen viele Österreicher nicht, was Anleihen, Fonds oder Zinsen sind.

Die Österreicher sparen wieder mehr.
Die Österreicher sparen wieder mehr.
Die Österreicher sparen wieder mehr. – (c) Clemens Fabry

 Das Finanzwissen der Österreicher lässt zu wünschen übrig. Dies zeigt die Sparstudie der Erste Bank, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach wissen 91 Prozent der Österreicher nicht, was Anleihen sind. 70 Prozent ist der Begriff Fonds unklar. 62 Prozent der Befragten sind mit dem Wort Aktien überfordert. 48 Prozent haben mit dem Begriff Zinsen Probleme. 35 Prozent wissen nicht, was Inflation bedeutet.

Um das Finanzwissen zu verbessern, sind nach Ansicht von Experten die Schulen gefordert. Denn an vielen Schulen werden Finanz- und Wirtschaftsthemen vernachlässigt.
Das mangelnde Finanzwissen wirkt sich auf das Sparverhalten aus. Laut Erste-Bank-Studie sparen die Österreicher wieder mehr, obwohl sie dafür fast keine Zinsen bekommen. Derzeit legen die Österreicher durchschnittlich 245 Euro im Monat zur Seite. Vor neun Jahren waren es 156 Euro und vor drei Jahren 201 Euro. Berücksichtigt man die Inflationsrate und die Kapitalertragsteuer, ist Sparen ein Verlustgeschäft. In Summe verlieren die Österreicher damit jährlich fünf Milliarden Euro. Dennoch sind Sparbücher das beliebteste Finanzprodukt. Die Attraktivität von Sparbüchern ist im Vergleich zu 2009 von 78 Prozent auf derzeit 80 Prozent gestiegen.

Auf Platz zwei liegt das Bausparen, das von 60 Prozent der Befragten genutzt wird. Danach folgen Lebens- und Kapitalversicherungen (44 Prozent) sowie Sparen am Girokonto (44 Prozent). Nur 28 Prozent der Österreicher haben Wertpapiere. Laut Angaben der Nationalbank sind die Spareinlagen von Privatkunden in Österreich seit 2009 um 24 Prozent auf derzeit 254,3 Milliarden Euro gestiegen. Wegen der niedrigen Verzinsung raten Experten, dass Privatanleger bei der Vermögensbildung nicht das gesamte Geld auf Sparbüchern liegen lassen. Sinnvoller ist eine breite Streuung.

Dafür ist jedoch ein umfangreiches Finanzwissen notwendig.
Denn wer Wertpapiere wie Anleihen, Investmentfonds oder Aktien kauft, sollte sich mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen sowie allen Risken auseinandersetzen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Aktien langfristig höhere Renditen bringen als Sparbücher. Wichtig dabei ist die Langzeitperspektive. Zwar kann es immer wieder zu Finanz- und Wirtschaftskrisen und zu einem Börsencrash kommen. Doch langfristig sind Aktienbesitzer besser ausgestiegen. Wichtig dabei ist, jedes Investment unter die Lupe zu nehmen. Denn Aktien können überbewertet sein. Ein Hinweis dafür ist ein hohes Kurs- und Gewinnverhältnis.
Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) 2019 den Leitzins möglicherweise ein wenig anheben wird, dürfte es noch einige Jahre dauern, bis sich Anleger wieder über reale Zinszuwächse am Sparbuch freuen können.

Studie

Für die Studie hat das Imas-Institut im Auftrag der Erste Bank 900 Interviews in ganz Österreich durchgeführt. Befragt wurden Personen, die älter als 15 Jahre alt sind.

 

 

 

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      91 Prozent der Österreicher wissen nicht, was Anleihen sind

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.