Banken-Stresstest: Eine Prüfung, bei der niemand durchfallen kann

Die Europäische Bankenaufsicht veröffentlicht heute Abend die Ergebnisse des europäischen Bankenstresstests. Getestet wurde, wie die 48 wichtigsten Institute der Eurozone im Falle eines kräftigen Konjunktureinbruchs dastehen.

People walk past a Carige bank in Rome
People walk past a Carige bank in Rome
Italienische Banca Carige soll als einziges Institut des Landes als „anfällig“ eingestuft worden sein. – REUTERS

Wien. Wenige Tage bevor die die Ergebnisse des jüngsten Bankenstresstests veröffentlicht wurden, schickte die Europäische Zentralbank noch eine Mahnung mit auf den Weg: „Eines der gravierendsten Probleme, vor denen die Banken stehen, ist der Mangel an Profitabilität“, sagte die oberste EZB-Bankenaufseherin Daniele Nouy. Viele holten ihre Kapitalkosten nicht herein: „Und diese Lage ist sicherlich nicht nachhaltig“, so die Französin. Ihre Empfehlung an die Branche: sich, auch mittels grenzüberschreitender Fusionen, gesundschrumpfen.

Die niedrigen Zinsen sind für die Banken eine Herausforderung, weil sie zulasten der Margen gehen. Abgesehen davon schleppen die Institute noch Altlasten aus der Finanzkrise in Form von faulen Krediten mit sich herum. Deren Volumen beläuft sich auf 657 Mrd. Euro – allein 159 Mrd. Euro entfallen auf Italien. Die italienischen Banken plagen sich derzeit noch mit einem anderen Problem. Weil die Regierung in Rom sich nicht an das vereinbarte Budgetdefizit halten will, kam es zu Kursverlusten an den Anleihenmärkten. Deren sinkender Wert, kann sich auf die Kapitalausstattung der Institute niederschlagen. Aus diesem Grund stehen Italiens Banken beim Stresstest unter genauer Beobachtung. Zwar kann keine Bank durchfallen, denn es wurden von den keine Mindestanforderungen definiert. Allerdings werden die Ergebnisse verwendet, um den Banken Vorgaben zur Erhöhung des Eigenkapitals zu machen.

Bereits am Freitagmorgen sickerte durch, dass die italienische Banca Carige als einziges Institut des Landes als „anfällig“ eingestuft wurde. Die harte Kernkapitalquote sei bei dem simulierten Stresstest unter die Schwelle von 5,5 Prozent gefallen. Offizielle Stellungnahme gab es dazu weder von der Bank, noch von der EZB.

Getestet wurde von der Bankenaufsicht diesmal die Widerstandsfähigkeit der Banken im Fall eines Konjunktureinbruchs über die kommenden drei Jahre. Dabei passten die Prüfer das Szenario an die wirtschaftliche Stärke der einzelnen Länder und ihrer Institute an – etwa müsste ein wirtschaftlicher Absturz in Deutschland deutlich stärker sein als in Italien, um die Banken dem gleichen Stress auszusetzen. Die Ergebnisse wollen die europäische Bankenaufsicht EBA und die Europäische Zentralbank (EZB) heute, Freitag, um 18.00 Uhr veröffentlichen.

Erste Group mit mehr Gewinn

Unter den 37 teilnehmenden Banken aus der Eurozone (in Summe sind es 48 aus 15 EU-Ländern) befinden sich auch RBI und Erste Group aus Österreich. Die Erste gab gestern ihre Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Der Gewinn legte um ein Viertel auf 454 Mio. Euro zu. Für 2017 wird die Dividende um ein Fünftel auf 1,20 Euro je Aktie erhöht. Langfristig soll die Ausschüttung „Schritt-für Schritt“ steigen, so Bankchef Andreas Treichl.(ag./nst)


[OXDOF]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2018)

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