Banken-Stresstest 2018: Erste Group und RBI unter EU-Durchschnitt

Heimische Banken schnitten beim Test der Europäischen Bankenaufsicht besser ab als 2016. Die Erste Group ist trotzdem unter den Schlusslichtern. Auch die Raiffeisen Bank International bleibt unter dem Schnitt der Eurozone.

Die Raiffeisenbank International schnitt beim Stresstest besser ab als zuletzt.
Die Raiffeisenbank International schnitt beim Stresstest besser ab als zuletzt.
Die Raiffeisenbank International schnitt beim Stresstest besser ab als zuletzt. – REUTERS

Die beiden österreichischen Großbanken Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI) haben beim diesjährigen Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten. Trotz höherer Kapitalquoten liegen sie im Vergleich mit den anderen EU-Banken aber nach wie vor unter dem Durchschnitt, da auch die anderen Banken ihr Kapital aufgestockt haben.

Beim Stresstest wird simuliert, wie stark das Eigenkapital der Banken innerhalb von drei Jahren schrumpft, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen.

Sowohl Erste Group als auch RBI haben ihrer Ausgangskapitalausstattung im Vergleich zum Stresstest 2016 deutlich verbessert, betonen die FMA-Vorstände Klaus Kumpfmüller und Harald Ettl am Freitagabend in einer Aussendung von OeNB und FMA. Die österreichischen Banken dürften sich auf der in den vergangenen Jahren erreichten Eigenkapitalausstattung nicht ausruhen, sondern müssten weiterhin große Anstrengungen unternehmen, ihre Kapitalbasis aufzustocken, so die beiden Vorstände. In Summe seien die Austro-Banken heute besser aufgestellt und schockresistenter als vor der Krise.

"Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden", so RBI-Risikovorstand Hannes Mösenbacher in einer Stellungnahme. Erste Group-Chef Andreas Treichl nimmt das Ergebnis "zur Kenntnis", und verweist auf das heute veröffentlichte Quartalsergebnis.

Besser als 2016

Konkret ging die Erste Group diesmal mit einer Kernkapitalquote von 12,9 Prozent in den Stresstest - 2016 waren es 12,25 Prozent (fully loaded). Die nach dem harten Stress 2020 hypothetisch verbleibende Kernkapitalquote würde um 4,4 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent sinken, hat die EBA errechnet. Die RBI ging mit 12,7 Prozent ins Rennen - 2016 waren es 10,2 Prozent. Bei ihr würde nach dem harten Stress die Kernkapitalquote diesmal um 3 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent fallen.

Beide Banken würden damit signifikant über den Ergebnissen von 2016 liegen, betont die FMA. Damals fiel die Erste unter der Annahme eines harten Stressszenarios auf 8,02 Prozent und die RBI sogar auf 6,1 Prozent. Die Bank Austria wurde als drittes österreichisches Institut indirekt über die italienische UniCredit erfasst.

Die Euro-Banken sind diesmal im Schnitt mit einer Kernkapitalquote (CET-1) von 13,7 Prozent (2016: 12,2 Prozent) zum Test angetreten. Unter harten Stress fiel sie auf 9,9 Prozent (2016: 8,8 Prozent). Die durchschnittliche Kapitalvernichtung belief sich somit auf 3,8 Prozentpunkte. 2016 waren es 3,3 Prozentpunkte, geht aus einer Aussendung der Europäische Zentralbank (EZB) hervor. EU-weit waren es laut EBA im Schnitt 14,0 Prozent beim Start und 10,1 Prozent unter harten Stress Ende 2020, ein Minus von 3,95 Prozentpunkten.

RBI steigt im Ranking auf, Erste fällt

Unter der 48 getesteten Großbanken verbesserte sich die RBI 2018 von Rang 25 auf Rang 16, die Erste fiel dagegen von Rang 22 auf Rang 26 zurück. Die getesteten 48 Banken - davon 33 im Euroraum - stehen für 70 Prozent der Banken-Vermögenswerte innerhalb der EU und auch der Eurozone.

Mit den aktuellen Stresswerten liegen die beiden österreichischen Banken somit noch immer unter dem EU-Durchschnitt. Das liegt laut FMA vor allem daran, dass die Kapitalausstattung zwar signifikant verbessert worden ist, das Ausgangsniveau im internationalen Vergleich aber markant unterhalb des EU-Durchschnitts lag. Und auch die anderen Banken hätten beim Kernkapital aufgestockt.

Das von der EBA dem Test zugrunde gelegte hypothetische Stress-Szanario war hart: Es simulierte einen starken Einbruch des Wirtschaftswachstums, negative Entwicklungen der Wechselkurse sowie der Hauspreise und - was insbesondere für die österreichischen Banken relevant ist - sehr pessimistische Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklungen in den meisten Zentral-, Ost- und Südosteuropäischen Staaten. Die Stressannahmen belasteten überdies einlagenstarke Institute überdurchschnittlich hart, so die FMA.

"Nützliche Übung"

"Das Resultat des Stresstests hängt von zwei Komponenten ab, der Startkapitalquote sowie den Verlusten im adversen Stressszenario. Wir haben uns im Vergleich zum letzten Test, in dem die Fortschritte unseres Transformationsprogramms noch nicht berücksichtigt waren, bei beiden Komponenten deutlich verbessert, obwohl das Stressszenario diesmal noch strenger war und die positiven Kapitaleffekte aus dem Verkauf unserer polnischen Tochterbank noch nicht berücksichtigt sind", so Mösenbacher.

"Der EU-weite Stresstest stellt zweifellos eine nützliche Übung dar, welche die Transparenz auf aggregiertem Niveau erhöht. Was die spezifischen Merkmale unseres Geschäftsmodells betrifft, haben wir heute Vormittag die Ergebnisse der ersten drei Quartale des laufenden Jahres bekannt gegeben. Unsere harte Kernkapitalquote (CET 1-Quote) ist derzeit auf dem komfortablen Stand von 13,2 Prozent. Dies haben wir vor allem durch die Einbehaltung von Gewinnen erreicht - mit anderen Worten: durch reales Wachstum in unserem Kerngeschäft und in den CEE-Volkswirtschaften", erklärte Treichl, CEO der Erste Group.

Die Erste verweist in ihrer Stellungnahme weiters darauf, dass sie während der Durchführung des EBA-Stresstests 2018 eine wesentliche Änderung ihres Modells für das operationelle Risiko beantragt habe. Dieses Modell sei erst im Oktober 2018 genehmigt worden, womit die positive Auswirkung auf die CET 1-Quote (Basel 3 final) im Ausmaß von 33 Basispunkten in den Ergebnissen des Stresstests keine Berücksichtigung gefunden habe.

Europas Banken besser als vor der Krise

Die europäischen Banken sind im Allgemeinen besser für eine neue Wirtschafts- und Finanzkrise gerüstet als noch vor einigen Jahren, befindet der Stresstest der Europäischen Banken-Aufsichtsbehörde.

Die Kapitalpuffer der deutschen Banken schrumpften im Stressszenario im Vergleich zu den Instituten aus anderen Ländern deutlich. Ähnliches gilt für britische Banken. Das liege vor allem an der geringen Profitabilität sagte EBA-Statistik-Direktor Mario Quagliariello bei der Vorstellung der Zahlen am Freitag.

Unter den Instituten mit dem schlechtesten Ranking sind demnach die Deutsche Bank und mehrere Landesbanken, aus Großbritannien die Lloyds Banking Gruppe, die Barclays Bank und die Royal Bank of Scotland.

Am schwächsten schnitt unter den deutschen Geldhäusern die NordLB ab, sie kann im schlimmsten Fall nur noch mit einer Kapitaldecke von etwas über 7 Prozent rechnen. Die Deutsche Bank schneidet mit 8,14 Prozent etwas besser ab. Die Commerzbank hätte noch 9,93 Prozent ihres Eigenkapitals zur Verfügung.

Untersucht wurden in dem EBA-Test 48 Banken aus 15 europäischen Staaten. Darunter sind 8 deutsche Institute, die alle direkt von der EZB beaufsichtigt werden: Neben der Deutschen Bank und der Commerzbank, sind das die DZ Bank als Spitzeninstitut des genossenschaftlichen Sektors, die 4 führenden Landesbanken LBBW, BayernLB, Helaba und NordLB sowie das staatliche Förderinstitut NRW.Bank.

 

(APA)

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