Zukunftsvorsorge: Ruf nach mehr Freiheiten

Banken und Versicherer sprechen sich für garantiefreie Produkte und Koppelung mit der Pflege aus.

Erträge sollten von der Kapitalertragsteuer befreit sein, wenn man sich das Geld im Alter verrentet oder in regelmäßigen Tranchen auszahlen lässt; andernfalls muss man Steuern nachzahlen.
Erträge sollten von der Kapitalertragsteuer befreit sein, wenn man sich das Geld im Alter verrentet oder in regelmäßigen Tranchen auszahlen lässt; andernfalls muss man Steuern nachzahlen.
Erträge sollten von der Kapitalertragsteuer befreit sein, wenn man sich das Geld im Alter verrentet oder in regelmäßigen Tranchen auszahlen lässt; andernfalls muss man Steuern nachzahlen. – (c) APA/BARBARA GINDL

Wien. Die Zahl der Zukunftsvorsorgeverträge ist im Vorjahr das fünfte Jahr in Folge gesunken. 2012 hatte die Zahl mit 1.638.000 Verträgen einen Höhepunkt erreicht, zuletzt waren es nur noch 1.289.833. Experten kritisieren seit Längerem die starren Bedingungen. So gibt es bei der prämien- und steuerbegünstigten Zukunftsvorsorge eine verpflichtende Kapitalgarantie.

„Diese kostet je nach Ausgestaltung Geld oder Rendite“, stellte Heinz Bednar von der Erste Asset Management am Mittwoch im Zuge der Präsentation seines Kapitalmarktausblicks fest. Ginge es nach ihm, sollten Anleger die Wahl zwischen einem Produkt mit Garantie und einem ohne Garantie haben. „Eine hohe Anlagedauer ist ebenso geeignet, Risiko rauszunehmen.“ Bednar spricht sich für ein Vorsorgedepot aus, das die gleichen Begünstigungen wie die Zukunftsvorsorge genießen soll.

Erträge sollten von der Kapitalertragsteuer befreit sein, wenn man sich das Geld im Alter verrentet oder in regelmäßigen Tranchen auszahlen lässt; andernfalls muss man Steuern nachzahlen. Was der Anleger auf dem Depot kauft (Fonds oder Versicherungen), sollte ihm überlassen sein.

Auch bei der Uniqa spricht man sich für mehr Freiheiten aus. Konzernchef Andreas Brandstetter forderte am gestrigen Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten, die Veranlagungsregeln für das Produkt zu liberalisieren. Seiner Ansicht nach sollten auch Investments in die Bereiche „leistbares Wohnen“ oder Infrastruktur möglich sein.

 

Mit Pflegevorsorge verbinden?

Zudem könnte die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge ein gutes Vehikel für weitere Vorsorgezwecke sein, so Brandstetter. Eine Option wäre, die private Pflegevorsorge an die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge anzuhängen. Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge gibt es seit 2003. Sie sollte dem heimischen Kapitalmarkt auf die Sprünge helfen und zudem die dritte Säule des Pensionssystems (private Vorsorge neben der staatlichen und betrieblichen Vorsorge) forcieren. Einzahlungen sollten mit einer staatlichen Prämie aufgefettet werden, eine Kapitalgarantie sollte vor Verlusten schützen, zugleich wurde eine Mindestaktienquote von ursprünglich 40 Prozent festgelegt.

Als es im Zuge der Finanzkrise an den Börsen unerwartet tief nach unten ging, erwies sich die Kombination aus Kapitalgarantie und Mindestaktienquote als Renditekiller. Die Mindestaktienquote wurde später von 40 auf 30 Prozent gesenkt, zudem wurden neue Produkte mit einer Aktienbandbreite eingeführt, bei denen die Quote bei Älteren auf bis zu fünf Prozent sinken kann. An der teuren Kapitalgarantie hält man aber nach wie vor fest.

Was die Attraktivität des Produkts ebenfalls geschmälert hat, war die Tatsache, dass die staatliche Prämie auf 4,25 Prozent des einbezahlten Betrags halbiert wurde; zuletzt erhielt man maximal 120,09 Euro pro Jahr vom Staat, wenn man Einzahlungen von 2825,6 Euro oder mehr tätigte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2018)

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