Ohne Russland geht nichts mehr

Der Ölpreis bleibt auf Sinkflug. Die Opec will die Förderung zwar drosseln, wagt aber keine konkreten Entscheidungen, solang das Nichtmitglied Russland nicht mitzieht.

Eines steht immerhin fest: Venezuela trägt keine Schuld an den niedrigen Ölpreisen. Die Produktion dort steht schon seit Monaten still.
Eines steht immerhin fest: Venezuela trägt keine Schuld an den niedrigen Ölpreisen. Die Produktion dort steht schon seit Monaten still.
Eines steht immerhin fest: Venezuela trägt keine Schuld an den niedrigen Ölpreisen. Die Produktion dort steht schon seit Monaten still. – (c) REUTERS (Stringer .)

Wien. Die Opec allein kann nichts mehr entscheiden. Zwar einigte sich das Ölkartell bei seinem donnerstäglichen Treffen in Wien darauf, die Förderung zu drosseln, um den Ölpreissturz zu stoppen. Auf genaue Zahlen wollten sich die Erdölproduzenten unter der Führung Saudiarabiens jedoch nicht festlegen. Denn der wichtigste Mann für diese Entscheidung fehlte: Alexander Nowak, Energieminister des Nicht-Opec-Mitglieds Russland, flog am Donnerstag lieber nach St. Petersburg, um dort mit Wladimir Putin zu besprechen, ob sich auch Moskau auf eine Kürzung der Produktion einlässt. Erst dann sind die anderen Opec-Staaten offenbar bereit, über konkrete Zahlen zu sprechen.

 

Zweckehe mit Moskau

Das zeigt, wie sehr sich das Kartell, das ein Drittel der weltweiten Ölproduktion stemmt, verändert hat, seit Saudis und Russen ihre Animositäten 2016 beigelegt haben. Damals einigte sich Russland mit der Opec auf eine gemeinsame Kürzung, um den Preis zu treiben. Doch eine innige Liebe ist aus der Zweckehe bisher nicht geworden. Saudiarabien drängt Moskau, 250.000 bis 300.000 Fass (je 159 Liter) am Tag weniger zu produzieren. Für die ganze Opec hatte das Land eine Kürzung um eine Million Fass am Tag in Aussicht gestellt. Doch Russland hat derzeit wenig Anreiz, die Ölproduktion nach unten zu fahren. Anders als die meisten Golfstaaten ist Moskau nicht auf höhere Ölpreise angewiesen, um den Staatshaushalt im Lot zu halten. Im Gegenteil: Für heuer erwartet der Kreml sogar einen Überschuss. Zudem federt der schwächere Rubel die negativen Folgen des niedrigeren Ölpreises ab. Auch der Winter spiele eine Rolle, betonte Nowak. Russland könne seine Produktion nicht so schnell drosseln wie andere.
Der amerikanische Präsident, Donald Trump, ist in diesem Fall voll auf der Seite der Russen: „Die Welt braucht keine höheren Ölpreise“, twitterte er am Donnerstag mitten in die Opec-Sitzung. Beobachter sahen darin eine implizite Aufforderung an den US-Verbündeten Saudiarabien, die angekündigte Förderkürzung so klein wie möglich zu halten. Immerhin macht Trump dem saudischen Königshaus in der Affäre um die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi demonstrativ die Mauer – obwohl zahlreiche US-Politiker Sanktionen gegen Saudiarabien gefordert hatten. Nun werde eben auch eine Gegenleistung erwartet, so die Vermutung vieler Analysten und Händler. Prompt sackte der Ölpreis um fünf Prozent ab, erholte sich im Lauf des Tages aber wieder leicht. Seit Oktober ist der Ölpreis um ein Drittel gesunken. Grund dafür ist vor allem das Überangebot auf dem Markt. Russland, Opec und die USA erhöhten ihre Produktion auf Zuruf des US-Präsidenten, nachdem dieser im Juni die Exporte von iranischem Öl unter Sanktionen hatte stellen lassen.

 

„Tweets entscheiden nicht“

Die Opec treffe ihre Entscheidungen nicht nach Tweets, wischte Russlands Energieminister Nowak derartige Bedenken vom Tisch. Auch der saudische Energieminister, Khalid Al-Falih, beteuerte: „Ich brauche keine Erlaubnis von irgendeiner ausländischen Regierung“. Es sei aber „gesund, an die Bedürfnisse des amerikanischen Kunden erinnert zu werden“.

Zumindest im Kreml dürften derartige Überlegungen kaum eine Rolle spielen, weshalb die Entscheidung über eine mögliche Förderkürzung wohl letztlich dort fallen wird. Saudiarabien hofft auf eine Einigung mit Russland bis zum Ende des zweitägigen Opec-Treffens. Viel Zeit bleibt nicht. Alexander Nowak wird erst für Freitag wieder in Wien erwartet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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