Mit wenig Spesen zu grünen Renditen

Immer mehr Anleger wollen sich am Kampf gegen den Klimawandel beteiligen, an den Börsen buhlen deshalb vermehrt Indexfonds um deren Gunst.

Die VW-Aktie fiel sogar schon vor dem Abgasskandal aus den MSCI-Nachhaltigkeitsindizes hinaus.
Die VW-Aktie fiel sogar schon vor dem Abgasskandal aus den MSCI-Nachhaltigkeitsindizes hinaus.
Die VW-Aktie fiel sogar schon vor dem Abgasskandal aus den MSCI-Nachhaltigkeitsindizes hinaus. – (c) REUTERS (PAULO WHITAKER)

Wien. Wirtschaften um jeden Preis kann langfristig teuer werden, vor allem dann, wenn die Umwelt dabei auf der Strecke bleibt. Die Wetterextreme dürften noch zunehmen, fürchten Experten. Auf der Klimakonferenz, die derzeit im polnischen Katowice stattfindet, wird deshalb fieberhaft um Lösungen gerungen.

Auch immer mehr Anleger wollen nicht tatenlos zusehen, sondern mit ihren Investmententscheidungen zum Klimaschutz beitragen. Für sie gibt es inzwischen eine Vielzahl an Produkten mit dem Anspruch, ökologische oder ganz generell „nachhaltige“ Kriterien zu erfüllen. Auch börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds), zählen dazu. Sie bilden Indizes möglichst genau ab, ohne dass Fondsmanager – teils recht kostspielige – aktive Entscheidungen treffen. Deshalb punkten sie mit günstigen Spesen, wie Claus Hecher, ETF-Leiter bei BNP Paribas Asset Management, hervorhebt.

Doch es gibt noch weitere Vorteile. Gerade bei der Nachhaltigkeit wenden viele aktive Fondsmanager hauseigene Kriterien bei der Titelauswahl an. Da sind die Spielregeln bei ETFs transparenter. Bei den zugrunde liegenden Indizes gibt es klare Vorgaben für die Zusammensetzung, die für Anleger leicht nachzulesen sind.

 

VW-Aktie flog aus dem Index

Auch die Titelselektion sei bei einer Indexabbildung gut nachvollziehbar, betont Dag Rodewald, Leiter UBS ETF Deutschland und Österreich. Bei aktiven Fonds werden hingegen oft nur wenige Titel aus den Portfolios veröffentlicht.

Besonders oft greifen ETF-Anbieter auf Indizes vom Indexanbieter MSCI zu. Die Analysten hätten sich dort besonders bewährt, findet Rodewald und bringt ein Beispiel: Die MSCI-Analysten warfen etwa die VW-Aktie schon vor dem Abgasskandal aus den Nachhaltigkeitsindizes. Freilich nicht, weil sie dieses Ereignis bereits erahnten, sondern weil ihnen die Querverflechtungen mit der Porsche-Holding nicht passten. Ein Beispiel ist der MSCI World ESG Screened Index, der Unternehmen aus 23 entwickelten Ländern umfasst. ESG ist die Abkürzung der englischen Bezeichnung für Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmenskultur. Ausgeschlossen werden hier etwa Waffen-, Tabak- oder Kohleproduzenten. Anders als Unternehmen wie etwa Apple, Microsoft oder Amazon – diese zählen sogar zu den größten Indexpositionen.

Dem Kampf gegen Treibhausgase widmet sich BNP Paribas AM mit dem Low Carbon 100 Europe UCITS ETF. Um die dafür festgelegten Ausschlusskriterien zu meistern, sollten Unternehmen vor allem einen möglichst geringen CO2-Ausstoß verursachen.

 

Nicht nur Öko-Firmen dabei

Auch insgesamt steht die Umweltpolitik der Firmen im Fokus, selbst in weniger nachhaltigen Branchen, die nicht von vornherein ausgeschlossen sind. Neben reinen Öko-Aktien, wie Vestas Wind Systems, enthält der Index auch Titel wie Renault, Total oder Adidas.

Umweltfreundlich investieren kann man aber auch im Rentenbereich. Vor wenigen Wochen wurde der UBS Sustainable Development Bank Bonds ETF lanciert. Der zugrunde liegende Index setzt sich aus Dollaranleihen von Entwicklungsbanken zusammen, wie etwa der Weltbank oder der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Schwerpunkt der Mittelverwendung liegt auf Infrastruktur- und Umweltprojekten in Entwicklungsländern.

Ein Währungsrisiko ist beim Amundi Index Barclays Euro Aggregate Corporates SRI ETF ausgeschlossen, genauso wie Emittenten, die etwa im Geschäft mit Alkohol, Tabak, dem Glücksspiel oder genetisch modifizierten Organismen tätig sind. Banken und europäische Telekomfirmen werden hingegen hoch gewichtet.

ETFs sind eine interessante Alternative zu aktiv gemanagten Fonds. Anleger müssen aber selbst entscheiden, womit sie – und ihr Gewissen – sich wohlfühlen. Und sich klar darüber sein, dass auch „grüne“ Investments kräftig schwanken können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2018)

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