Gesundheitskonzern Fresenius muss Ziele erneut kappen

Die Aktien verloren nach der Gewinnwarnung ein Sechstel an Wert. Das Unternehmen hatte die Mittelfristziele zu Umsatz und Gewinn gekappt.

Pressekonferenz der Fresenius SE & Co KGaA in der Konzernzentrale Bad Homburg Der Vorstand Stepha
Pressekonferenz der Fresenius SE & Co KGaA in der Konzernzentrale Bad Homburg Der Vorstand Stepha
Pressekonferenz der Fresenius SE & Co KGaA in der Konzernzentrale Bad Homburg Der Vorstand Stepha – (c) imago/G�nther Ortmann (Günther Ortmann)

Beim lange erfolgsverwöhnten Gesundheitskonzern Fresenius, dem in Österreich die Tochter Vamed gehört, häufen sich die Probleme. Der DAX-Konzern überraschte schon zum zweiten Mal binnen weniger Wochen mit einer Gewinnwarnung. Das Unternehmen kappt wegen noch mehr Gegenwinds im laufenden Geschäft und hoher Investitionen seine mittelfristigen Ziele für Umsatz und Gewinn.

Vor allem in seinen Privatkliniken in Deutschland und im Geschäft mit Nierenerkrankungen bei der Tochter Fresenius Medical Care (FMC) bekommt der Konzern Druck. An der Börse stürzten Fresenius-Aktien um gut 16 Prozent auf unter 40 Euro ab - den tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren.

Ziele für 2020 nicht erreichbar

Auf Basis der derzeitigen Erwartungen für 2018 und 2019 sei nicht mehr damit zu rechnen, dass die Ziele für 2020 erreicht würden, erklärte Fresenius in Bad Homburg. Ab 2020 sei ein Umsatzwachstum aus eigener Kraft im mittleren einstelligen Bereich zu erwarten. Das Konzernergebnis soll dann etwas stärker wachsen.

Mitte Oktober hatte sich der Konzern bereits skeptischer für das laufende Jahr gezeigt, FMC musste die Ziele gar senken. Der Dialysespezialist hat mit schwächelnden Geschäften mit Nierenerkrankungen im wichtigen US-Markt und den wirtschaftlichen Turbulenzen in Schwellenländern zu tun, etwa der sehr hohen Inflation in Argentinien. Und in den knapp 90 Privatkliniken von Fresenius Helios hierzulande - darunter Berlin, Erfurt und Wiesbaden - belastet der Trend zu ambulanten Behandlungen: Weniger Patienten bleiben über Nacht, was die Einnahmen drückt.

Fresenius-Chef Stephan Sturm sprach in einer Telefonkonferenz am Freitag von einem Übergangsjahr 2019. Lange war der Konzern stark gewachsen, Übernahmen wie die des spanischen Klinikbetreibers Quirónsalud sorgten für immer neue Gewinnbestmarken - 2018 könnte das 15. Rekordjahr in Folge werden. Zuletzt aber nahmen die Probleme zu. Erst in letzter Sekunde konnte Sturm die geplante Übernahme des US-Konzerns Akorn abwenden, die als teurer Fehlschlag galt.

Stagnation beim Gewinn

Für das kommende Jahr rechnet der Vorstandschef mit einer Stagnation des bereinigten Gewinns. Der Umsatz dürfte aus eigener Kraft im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Ursprünglich wollte Fresenius bis 2020 beim Umsatz jährlich um bis zu zehn Prozent und beim Konzernergebnis um bis zu 12,6 Prozent wachsen.

Der Konzern will mehr Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben. "Wir bleiben sehr zuversichtlich für den mittel- und langfristigen Wachstumskurs", sagte Sturm. Übernahmen seien in den mittelfristigen Erwartungen nicht enthalten, aber auch künftig "ein wesentlicher Treiber". Ferner stellte Sturm steigende Dividenden in Aussicht.

Auch FMC rechnet für 2019 mit einer Gewinnstagnation. Der Umsatz soll "solide" wachsen. Mit der Übernahme des US-Unternehmens NxStage, das auf Blutwäsche zu Hause spezialisiert ist, und dem Ausbau von Geschäften in Märkten wie China stehe "ein Jahr der Investitionen" bevor, sagte Vorstandschef Rice Powell.

(APA/dpa)

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