Was den DAX vom Höhenflug abhält

Das deutsche Börsenbarometer kämpft um die Marke von 11.000 Punkten. Probleme von Autoherstellern, Banken und einzelnen Firmen hindern den Index seit Jahren am Ausbrechen.

(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)

Wien. Vor vier Jahren hatte der Frankfurter DAX in etwa den gleichen Stand wie derzeit. Im Gegensatz zu heute befand er sich mitten in einem fulminanten Höhenflug. Von Oktober 2014 bis April 2015 ging es um 44 Prozent nach oben, am Ende wurde die Marke von 12.000 Zählern geknackt.

Zwar tut sich der DAX als Performanceindex leichter als die meisten anderen Indizes, Rekordstände zu erklimmen, da in ihn auch die Dividenden eingerechnet werden. Doch auch der DAX-Kursindex kletterte damals erstmals wieder höher als während der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

 

„Dieselgate“ schlug zu

Die Finanzkrise schien überwunden. Deutsche Exportgüter, allen voran Autos, genossen einen guten Ruf und waren in aller Welt nachgefragt. Zudem wertete in diesen Monaten der Euro zum Dollar massiv ab, weil sich in den USA bereits die ersten Zinserhöhungen abzeichneten, während Europa sich anschickte, seine Geldpolitik weiter zu lockern. Auch das half der deutschen Exportwirtschaft.

Doch dann ging einiges schief. Der Euro erholte sich wieder, die von vielen bereits vorhergesehene Parität zum Dollar sollte sich doch nicht einstellen. Der DAX gab nach, zunächst leicht, dann stärker. Im Sommer 2015 sowie Anfang 2016 kochten Sorgen um Chinas Wirtschaft hoch und ließen die Börsen weltweit einbrechen. Während sich die US-Börsen rasch wieder erholten, kam der DAX, der zeitweise unter 9000 Punkte gefallen war, nur langsam in die Gänge, zumal im September 2015 die „Dieselgate“-Affäre ausbrach: Es wurde bekannt, dass Volkswagen Abgastests manipuliert hatte.

Weder die VW-Aktie noch die Papiere von Daimler oder BMW sollten je wieder die Stände vom April 2015 erreichen – trotz neuer Verkaufsrekorde. Dieselfahrverbote in deutschen Großstädten und ein überhastet eingeführter neuer Abgasstandard im Vorjahr trüben die Stimmung im Sektor ebenso wie der Handelsstreit zwischen China und den USA. Hinzu kommt, dass Chinas Verbraucher sich zuletzt tatsächlich beim Autokauf zurückgehalten haben.

Noch schlimmer erging es den Banken. Die Deutsche Bank hatte jahrelang mit Altlasten aus der Finanzkrise zu kämpfen und soll auch in den Geldwäscheskandal um die dänische Danske Bank verwickelt sein. Die Commerzbank musste gar den DAX verlassen und dem Zahlungsabwickler Wirecard Platz machen. Diesem hat der DAX-Aufstieg im September 2018 noch kein Glück gebracht. Das Papier hat sich seitdem nahezu halbiert. Der Absturz beschleunigte sich nach Berichten der „Financial Times“ in den vergangenen Wochen, wonach es bei dem Unternehmen in Singapur zu bilanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Wirecard dementiert.

Mehr als die Hälfte gegenüber ihrem Allzeithoch vor vier Jahren hat die Bayer-Aktie verloren. Der Pharmakonzern hat den US-Saatgutkonzern Monsanto übernommen. Der Kaufpreis von 66 Mrd. Dollar wurde als zu hoch kritisiert, seitdem machen Bayer Klagen wegen Monsantos Unkrautvernichter Glyphosat zu schaffen.

 

Index fiel in einen Bärenmarkt

Dem DAX gelang es dank starker Werte wie Adidas, SAP oder Infineon dennoch, im Jänner 2018 ein neues Allzeithoch von mehr als 13.500 Punkten zu erreichen. Seit damals hat der Index um 18 Prozent korrigiert, zwischenzeitlich rutschte er sogar in einen Bärenmarkt (minus 20 Prozent). Nur wenige defensive Werte wie die Versorger RWE und E.On, die Deutsche Börse, Adidas oder der Immobilienkonzern Vonovia konnten seitdem steigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2019)

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