Bizarrer Aktionärsstreit um Mologen

Wie der Machtkampf um die Aufsichtsratsführung eine Biopharma-Firma beschädigt.

Wien/Frankfurt. Stell dir vor, es ist Hauptversammlung – und kein Firmenvertreter geht hin: Für 50 Aktionäre des deutschen Biopharm-Unternehmens Mologen war es alles andere denn lustig, als sie am Dienstag statt Führungskräften nur ein leeres Podium vorfanden. Eigentlich standen spannende und wichtige Entscheidungen auf der Tagesordnung des außerordentlichen Treffens. In erster Linie sollte Aufsichtsratschef Oliver Krautscheid durch den vom Aktionär Deutsche Balaton AG favorisierten Firmengründer Burghardt Wittig abgelöst werden.

Das dürfte, mutmaßen Insider, der Grund sein, warum die von Balaton verlangte außerordentliche Hauptversammlung (HV) in letzter Minute am Sonntag abgesagt wurde. Weshalb viele Aktionäre die Info nicht erhalten haben. Offiziell lautet die Begründung, dass der mit rund 20 Prozent dominierende Aktionär Global Derivate Trading (GDT) eine weitere ao. HV verlangt. Dort soll u. a. bedingtes Kapital beschlossen werden.

Worauf die schon länger schwelende Verstimmung zwischen den beiden Aktionärsgruppen eskaliert ist. Balaton will die kurzfristige Absage nicht akzeptieren, mit dem Hinweis, das hätte zuvor mit ihnen abgestimmt werden müssen. Zudem, so das Argument der Beteiligungsgesellschaft, hätten die Wünsche von GDT auch am Dienstag über Ergänzungsanträge eingebracht werden können.

 

Antrag auf Sonderprüfung

Balaton hat nun eine Sonderprüfung angekündigt, die die ihrer Meinung nach rechtswidrige Verschiebung und vor allem deren tatsächliche Hintergründe klären soll.

Balaton hält Krautscheid seit seinem Engagement 2014 für den falschen Mann an der Spitze der Biotech-Firma. Die Fakten sprechen nicht unbedingt für ihn: Die seit 1998 im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistete Aktie hat in den letzten drei Jahren 80 Prozent an Wert verloren. Laut den letzten vorliegenden Geschäftszahlen machte Mologen 2017 bei 50.000 Euro Umsatz 20 Mio. Euro Verlust. Das Eigenkapital ist negativ, eine Dividende gibt es nicht.

Mologen habe wiederholt – nicht nachvollziehbare – Erfolgsmeldungen zu Immuntherapien gegen Krebs lanciert und so in der Vergangenheit Aktionäre angelockt. Nachweisbare Ergebnisse seien aber ausgeblieben, argumentiert Balaton. Das Geld der Aktionäre ist jedenfalls weg, so sie nicht längst wieder ausgestiegen sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2019)

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