Was jetzt für US-Aktien spricht

Den US-Märkten traut Jens Ehrhardt von der DJE Kapital AG neue Höchststände zu, bei deutschen Aktien mahnt er zur Vorsicht. Sie könnten durch Trumps Politik unter Druck geraten.

Investor Jens Ehrhardt zeigt sich für die USA und China optimistisch – für Europa weniger.
Investor Jens Ehrhardt zeigt sich für die USA und China optimistisch – für Europa weniger.
Investor Jens Ehrhardt zeigt sich für die USA und China optimistisch – für Europa weniger. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Der Start in das Börsenjahr 2019 war durchaus gelungen, Anlegern machte das endlich wieder Hoffnung. Ob die jüngste Euphorie aber die Flut an schlechten Nachrichten überdauern kann, bleibt abzuwarten. Chinas Wirtschaft schrumpft erneut, während Deutschland im vierten Quartal 2018 gerade noch an der Rezession vorbeigeschrammt ist. Selbst jenseits des Atlantiks gibt sich die US-Notenbank nunmehr vorsichtig.

Verständlich, dass Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, die aktuellen Entwicklungen gut im Auge behält. So manche aktuelle Prognose hält der erfahrene Investor dennoch für zu düster, wie er im Gespräch mit der „Presse“ betont.

Seine Zuversicht hat einen handfesten Grund, und dieser liegt in den jüngsten Entwicklungen in China. „Die Regierung nimmt gerade sehr viel Geld in die Hand, um die Wirtschaft anzukurbeln. Auch die Steuersenkung ist eine wichtige Stütze, um die Konjunktur wieder anzukurbeln“, sagt Ehrhardt. Die positiven Folgen sollten weltweit zu spüren sein – immerhin ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und viele asiatische Schwellenländer sind eng mit China verflochten.

 

„Europa bräuchte Impulse“

Etwas mehr Vorsicht lässt Ehrhardt bei Europas Ausblick walten. „Die Region bräuchte dringend fiskalpolitische Impulse“, plädiert der Marktprofi für staatliche Geldspritzen. Vor allem die südlichen Peripherieländer müssten aus seiner Sicht wieder mehr Schulden machen, um das Wachstum anzukurbeln. Mit der lockeren Geldpolitik seitens der EZB allein sei es nämlich nicht getan. Die Konsequenzen könnten andernfalls dramatisch sein, befürchtet Ehrhardt: „Dann könnte eine Rezession drohen, sogar Unruhen wären möglich.“ Dafür gebe es schon jetzt die ersten Vorboten, etwa mit den anhaltenden Gelbwesten-Protesten auf Frankreichs Straßen.

Doch was bedeuten die Entwicklungen für die Finanzmärkte? Hier dürfte sich ein gemischtes Bild abzeichnen. In den USA sollte es trotz Turbulenzen weiterhin gut laufen, zeigt sich Ehrhardt optimistisch. Sogar neue Höchststände seien möglich, meint er. Und das aus gutem Grund: Schon im Vorjahr hatten breit angelegte Aktienrückkäufe der US-Firmen von rund einer Billion Dollar die Märkte kräftig gestützt. Der Trend dürfte sich heuer fortsetzen. Auch dass die US-Notenbank nun doch zu einer eher lockeren Geldpolitik neige, sei gut für die Märkte, findet Ehrhardt.

 

Drohen Europa neue US-Zölle?

Und wie geht es in Europa weiter? Hier gibt sich der Investor deutlich vorsichtiger. „Wenn sich die USA und China zumindest vorerst einigen, wird vermutlich Europa wieder in den Fokus von Donald Trumps Außenpolitik rücken.“ Konkret befürchtet der Marktprofi neue Zölle – etwa auf deutsche Autoexporte in die USA.

Doch auch andere Branchen könnten von Maßnahmen betroffen sein. Und das wären Entwicklungen, die vor allem den deutschen Aktienmarkt belasten würden. Dabei ist schon jetzt die Zurückhaltung vieler Anleger deutlich sichtbar. Allein die Bewertung deutscher Aktien ist im Vergleich zu US-amerikanischen Titeln so günstig wie schon seit gut 50 Jahren nicht mehr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für deutsche Aktien liegt im Schnitt bei zwölf, in den USA bei rund 16.

Obendrein sorgen einzelne Unternehmensnachrichten für negative Schlagzeilen. Seit Monaten leidet die Aktie von Bayer unter den US-Klagen gegen das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das von der US-Tochter Monsanto verkauft wird. Auch der deutsche Automobilsektor spürt noch immer die Nachwehen des Dieselskandals. Auch das bleibt nicht ohne Folgen für den deutschen Markt.

 

Breite regionale Streuung

Dabei behält man bei der DJE Kapital AG gerade diesen Markt gut im Auge. Denn einige der Fonds haben einen größeren Deutschland-Schwerpunkt. Angesichts der eingetrübten Marktaussichten will man diese Positionen nun jedoch reduzieren. „Eine internationale Ausrichtung wird wichtiger“, erklärt Ehrhardt, der inzwischen US-Aktien verstärkt im Fokus hat. „Wir reisen demnächst aber auch nach Asien, um Firmenmanager und -vorstände zu treffen.“

Denn Schwellenländeranlagen sollten in den Fonds ebenfalls eine größere Rolle spielen. Für Ehrhardt steht jedenfalls fest: An einer breiten Streuung führt längst kein Weg mehr vorbei.

ZUR PERSON

Jens Ehrhardt gründete 1974 die Dr. Jens Ehrhardt Vermögensverwaltung mit Sitz in München. Zuvor war er einige Jahre Partner in der Vermögensverwaltungsgesellschaft Portfolio Management. Im Juli 2008 wurde sein Unternehmen in DJE Kapital AG umbenannt. Die Gesellschaft mit Sitz im bayrischen Pullach verwaltet zahlreiche Fonds.

Ehrhardt studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und promovierte 1974.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2019)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Was jetzt für US-Aktien spricht

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.