Immo-Karussell ist in Fahrt

Die Immofinanz schreibt wieder Gewinne und sieht sich nach Zukäufen um – einer könnte die S Immo werden.

Immofinanz-Chef Oliver Schumy.
Immofinanz-Chef Oliver Schumy.
Immofinanz-Chef Oliver Schumy. – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. In einem Überraschungscoup kaufte die Immofinanz im Vorjahr 29,14 Prozent der S Immo um 390 Mio. Euro. War das der Beginn für mehr – oder „nur“ der Einstieg bei dem hochprofitablen Konkurrenten, der auch eine gute Dividende abwirft.

Das eine schließe das andere nicht aus, gab sich Immofinanz-Boss Oliver Schumy am Donnerstag angesichts strenger Verschwiegenheitsregeln kryptisch. „Wir prüfen alle Varianten, Fusion oder Übernahme“, sagte er mit Hinblick darauf, dass Größe in der Immo-Szene eine wichtige Rolle spiele, v. a. auch auf dem Kapitalmarkt.

Die ursprünglich mit der CA Immo angedachte österreichische Immo-Lösung ist tot, jetzt lebt sie mit Immofinanz und S Immo auf. Zu den Chancen und einem Zeitplan gab sich Schumy ebenso zugeknöpft wie zu möglichen Ambitionen, das Elf-Prozent-Paket der Vienna Insurance an der S Immo zu übernehmen („Die Presse“ berichtete am 4. 4.). Der Kauf würde ohnedies ein Übernahmeangebot auslösen. „Erst wenn wir's getan haben, dürfen wir darüber reden.“

Synergiepotenzial gebe es auch, wenn alles bleibt, wie es ist. Denn die S Immo hält zwölf Prozent an der Immofinanz und erhält wie alle Aktionäre eine von 70 auf 85 Cent steigende Dividende.

Die Immofinanz ist an der Börse aktuell gut 2,45 Mrd. Euro wert, die S Immo knapp 1,3 Mrd. Euro. Die Immofinanz-Papiere legten am Donnerstag kräftig zu, die der S Immo stiegen leicht.

 

Am Rande der Insolvenz

Der wichtigste Schritt in eine profitable Zukunft ist der auf Gewerbeimmobilien in CEE spezialisierten Immofinanz im November 2017 mit dem Verkauf des Russland-Geschäfts gelungen. Wie groß der Klotz am Bein war, der dem Konzern 2017 einen Verlust von 537,1Mio. Euro bescherte, beschrieb Schumy am Rande der gestrigen Pressekonferenz: „Wären wir Russland nicht losgeworden, hätten Sie nicht zu uns, sondern in die Marxergasse (Sitz des für Insolvenzen zuständigen Handelsgerichts, Anm.) kommen müssen.“

Mit einem Nettogewinn von 217,5 Mio. Euro und 630 Mio. Euro liquiden Mitteln sieht Schumy das Unternehmen auch für weitere Zukäufe gut gerüstet. Das betreffe einerseits Retail Parks (Stop Shop), in denen die Zahl der Standorte heuer von 80 (in neun Ländern) auf 100 steigen sollen, sagte Immofinanz-Vorstand Dietmar Reindl. Bei Büros sondiert man die starken Märkte Warschau, Prag und Budapest. Zuletzt verfügte man über 23 Objekte in sechs Ländern.

Insgesamt verfügt die Immofinanz über ein Bestandsportfolio mit einem Buchwert von 4,3 Mrd. Euro, dessen Vermietungsgrad beim Rekord von 95,8 Prozent gelegen ist. Die Vermietungsrentabilität (FFO 1) verdoppelte sich von 36,9 auf 85 Mio. Euro und soll heuer auf 100 Mio. Euro wachsen.

Der umtriebige Investor Klaus Umek (Petrus Advisers), der die Fusion mit der CA Immo bekämpft und die Immofinanz öfter kritisiert hat, schlägt dem Unternehmen die Finanzexpertinnen Tina Kleingarn und Dagmar Valcárcel als neue Aufsichtsräte vor. Schumy kommentierte das nicht. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2019)

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