Österreich will sich in chinesischer Währung verschulden

Es ist ein Fremdwährungskredit der besonderen Art: Nach dem Besuch von Kanzler Sebastian Kurz in Peking plant Wien Staatsanleihen in Yuan zu begeben. Österreich könnte das erste Euroland sein, das diesen Schritt geht.

++ HANDOUT ++ BK KURZ TRIFFT CHINAS PRAeSIDENT XI JINPING
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APA/DRAGAN TATIC

Als eines der ersten Länder aus der Eurozone will die Republik Österreich so genannte „Panda-Anleihen“ begeben. Dabei geht es um Staatsanleihen, die am chinesischen Markt verkauft werden - also quasi um einen Fremdwährungskredit in Yuan. Es wäre ein großer Schritt in den finanziellen Beziehungen beider Länder.

Zwischen der österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) und der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ist am Sonntag ein  „Memorandum of Understanding“ unterschrieben worden. Das bestätigte die OeBFA der „Presse“: „Derzeit läuft die Genehmigung des Panda-Bond-Programmes durch die chinesischen Behörden. Die Größe des Anleihenprogrammes ist dabei noch nicht fixiert", so OeBFA-Sprecher Christian Schreckeis.

Nachdem die Genehmigung erfolgt ist, hätte Österreich zwei Jahre Zeit um konkrete Anleihen zu begeben: „Die Vorteile einer möglichen Panda-Bond-Emission liegen für Österreich in der Erweiterung der Investorenbasis um chinesische Investoren“, so Schreckeis.

Größte Bank der Welt

Die Abmachung sei im Rahmen des Forums zur neuen „Seidenstraße“ unterschrieben worden, das auch Bundeskanzler Sebastian Kurz in den vergangenen Tagen besucht hat.

Das Vorhaben würde einen neuen Markt an Investoren für Österreich erschließen und dazu führen, dass chinesische Anleger „die Früchte der ökonomischen Entwicklung“ des Landes auch teilen könnten, so die ICBC in einer Aussendung. Die ICBC gilt als die größte Bank der Welt. Sie hat erst zu Jahresbeginn eine Banklizenz in Österreich erhalten und einen Standort in Wien eröffnet.

Wichtiger Schritt für Chinas Bond-Markt

Wann eine Anleihen-Emission in chinesischer Währung (Yuan) stattfinden könnte ist bisher nicht bekannt. Ebensowenig um welche Summen es gehen könnte. In jedem Fall hat der Plan große symbolische Bedeutung. Österreich gehört zu den aktivsten Ländern, was die Intensivierung der Beziehungen zwischen der Eurozone und China betrifft.

Mit Portugal plant zwar ein zweites Euroland die Emission von „Panda-Anleihen“ - und Polen sowie Ungarn sind diesen Schritt schon vor zwei Jahren gegangen. Österreich wäre aber das mit Abstand bestbenotete Land, was die Bonität betrifft. Eine Emission österreichischer Staatsanleihen am heimischen Markt wäre für China also ein großer Erfolg.

Yuan ist auch Teil der Währungsreserven

China hat seinen Bond-Markt bereits vor einem Jahrzehnt für Ausländer geöffnet. Aber nach einer Abwertung des Yuan im Jahr 2015 war es zu einem Einbruch der Emissionen gekommen. In den Jahren 2016 und 2017 wurden die Märkte dann weiter geöffnet, um die Verwendung des Yuan in internationalen Geschäften zu fördern und den Abfluss von Kapital zu verhindern.

Viele europäische Notenbanken, darunter jene in Deutschland und Österreich, halten inzwischen auch Yuan als Teil ihrer Währungsreserven. Deutschland seit 2018 und Österreich sogar schon seit 2011.

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