Razzien bei elf deutschen Banken

Die Justiz nützt Erkenntnisse aus den Panama-Papers, um gegen acht Personen vorzugehen.

Dicke Luft bei der Deutschen Bank.
Dicke Luft bei der Deutschen Bank.
Dicke Luft bei der Deutschen Bank. – REUTERS

Frankfurt. Es war eine wohlvorbereitete konzertierte Aktion: Frankfurter Staatsanwälte, Beamte des Bundeskriminalamts und weiterer Behörden haben am Mittwoch in ganz Deutschland Privatwohnungen, Geschäftsräume von elf Banken und Sparkassen, Steuerkanzleien und Vermögensverwaltern durchsucht.

Die Durchsuchungen stehen laut Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der zweitägigen Razzia bei einer deutschen Großbank Ende November. Die Behörde nannte den Namen nicht, es war damals die Deutsche Bank. Die Justiz verfolgt den Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen mehrere vermögende Privatleute und kündigte weitere derartige Maßnahmen an. Die Privatkundensparte der Deutschen Bank verantwortete der jetzige Chef des Finanzinstituts, Christian Sewing, bis zum Frühjahr 2018 mit.

Auslöser für die ursprüngliche Razzia bei der Deutschen Bank und die neuen Durchsuchungen waren Erkenntnisse aus den sogenannten OffshoreLeaks, bei denen es um weltweite Geldschieberei von teilweise prominenten Persönlichkeiten ging.

Die acht Personen im Fadenkreuz der Behörden sollen mithilfe einer ehemaligen Tochtergesellschaft der Deutschen Bank namens Regula auf den Britischen Jungferninseln Gesellschaften in Steueroasen gegründet haben, um Kapitalerträge vor dem deutschen Fiskus zu verbergen, und somit Steuern hinterzogen haben. Allein im Jahr 2016 soll diese Filiale mehr als 900Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Mio. Euro betreut haben.

Steuerhinterzieher können sogenannte Trusts nutzen, um Eigentumsverhältnisse zu verschleiern, sie werden aber gerade im Ausland auch für legitime Zwecke wie Erbschaftsangelegenheiten genutzt. Die fragwürdigen Transaktionen, die durch die Auswertung der Panama-Papers ans Tageslicht kamen, dürften weit zurückreichen. Die Staatsanwaltschaft nannte bei der ersten Razzia die Jahre 2013 bis 2018.

Die Deutsche Bank hatte ihr Trust-Geschäft im März 2016 zum Verkauf angeboten, abgeschlossen wurde die Transaktion aber erst im Frühjahr 2018.

Die neuerlichen Razzien verlängern die ohnehin schon lange Liste der juristischen, regulatorischen und auch strategischen Probleme der Deutschen Bank. Das spiegelt auch der Börsenchart wider. Der Aktienkurs ist binnen eines Jahres um 40 Prozent gesunken. Am Mittwoch ging es weiter bergab. (ag./eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2019)

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