Börse ist zufrieden mit ÖVP-FPÖ

Bei der Steuerreform werden die Interessen der Kleinaktionäre nicht berücksichtigt. Trotzdem gibt es von den Verantwortlichen der Wiener Börse keine Kritik an der Regierung.

Wiener Börsechef Boschan verweist auf eine gute Gesprächsbasis mit der Politik.
Wiener Börsechef Boschan verweist auf eine gute Gesprächsbasis mit der Politik.
Wiener Börsechef Boschan verweist auf eine gute Gesprächsbasis mit der Politik. – (c) Clemens Fabry

Wien. Die Interessen der Kleinaktionäre werden bei der geplanten Steuerreform nicht berücksichtigt. Um den österreichischen Kapitalmarkt zu beleben, hatten sich die Wiener Börse und börsenotierten Unternehmen verschiedene steuerliche Anreize erhofft. Gefordert wurde unter anderm die Wiedereinführung einer Behaltefrist bei Aktien, nach deren Ablauf Gewinne aus Wertpapierveranlagungen steuerlich begünstigt werden. Ein weiterer Wunsch war eine Senkung der Kapitalertragsteuer. Denn auf Gewinne bei Wertpapieren wird derzeit eine Steuer in der Höhe von 27,5 Prozent fällig. Bei Spareinlagen sind es nur 25 Prozent. Doch beide Maßnahmen finden sich nicht in den Steuerreform-Plänen von ÖVP und FPÖ.

Trotzdem kritisieren Börse-Chef Christoph Boschan und Heimo Scheuch, Aufsichtsratschef der Wiener Börse, die Regierung nicht. Scheuch ist auch Vorstandsvorsitzender des Ziegelproduzenten Wienerberger. Er sagte am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz der Börse, die Regierung habe ein positives Umfeld für die Wirtschaft geschaffen, das auch den Kapitalmarkt betreffe. Die Regierung könne zwar mehr machen. Doch auch jeder kleine Schritt sei ein wichtiger Schritt. Wichtig ist für Scheuch, dass die Regierung im Zuge der Steuerreform eine steuerfreie Mitarbeiterbeteiligung von bis zu 3000 Euro pro Person und Jahr ermöglichen will. So hat Wienerberger vor Kurzem die erste Runde der Mitarbeiterbeteiligung erfolgreich abgeschlossen. Daran haben sich 28 Prozent der Wienerberger-Mitarbeiter in Österreich beteiligt. Die Gesprächsbasis mit der Politik werden von Scheuch und Boschan als hervorragend beschrieben.

Faktum ist jedoch, dass der österreichische Kapitalmarkt im EU-Vergleich unterentwickelt ist. So ist in Österreich die Relation Bruttoinlandsprodukt zu Marktkapitalisierung vom europäischen Durchschnitt weit entfernt. Im EU-Durchschnitt liegt das Verhältnis bei 69,4 Prozent, in Österreich sind es lediglich 36,4 Prozent.

Boschan und Scheuch meinen, dass in Österreich zu viel Geld auf Sparbüchern und auf nicht-renditeträchtigen Anlageformen liegt. Ein stärkeres Investment in Aktien könne auch zur Belebung der Wiener Börse beitragen. In der Vergangenheit wurden von Finanzexperten auch immer wieder Privatisierungen gefordert. Boschan sagte dazu, der Zeitgeist gehe derzeit nicht in in Richtung Privatisierungen, die er daher auch nicht fordere. Er wünsche sich hier aber eine Angleichung an Europa. Auch wenn die Regierung keine weiteren Privatisierungen vornehmen möchte, könne man zumindest den Streubesitz bei den börsenotierten Firmen, an denen der Staat beteiligt ist, erhöhen.

 

Gutes Ergebnis für Wr. Börse

„Das darf man erst dann machen, wenn man sich sicher ist, dass man auch die Österreicher in ihrer Aktionärsbasis stärken will“, so Boschan. Wenn man das nicht mache, werde der Wohlstand exportiert. Von den institutionellen Investoren an der Wiener Börse sind derzeit 76,5 Prozent internationale Anleger. Nur 23,5 Prozent stammen aus Österreich.

Die Geschäfte der Wiener Börse selbst haben sich im Vorjahr gut entwickelt. Der Umsatz der Wiener Börse AG stieg um 3,8 Prozent auf 50,7 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich um 3,14 Prozent 26,3 Mio. Euro. (höll)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2019)

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