Ibiza-Affäre - Erste Group sieht vorerst keine Reaktion an Finanzmärkten

Analysten der Erste Group glauben nicht, dass sich das Scheitern der türkis-blauen Regierung auf das Wachstum der österreichischen Wirtschaft auswirken wird.

Johannes Gudenus und Heinz-Christian Strache brachten die Regierung zu Fall
Johannes Gudenus und Heinz-Christian Strache brachten die Regierung zu Fall
Johannes Gudenus und Heinz-Christian Strache brachten die Regierung zu Fall – APA/HELMUT FOHRINGER

Das Auseinanderbrechen der ÖVP-FPÖ-Regierungskoalition in Österreich nach der Veröffentlichung des Ibiza-Skandalvideos hat bisher zu keiner Reaktion auf den Finanzmärkten geführt, weder auf die Staatsanleihen noch auf die Aktienkurse hätten sich die Ereignisse spürbar ausgewirkt, sagen die Analysten der Erste Group.

Falls alle FPÖ-Regierungsmitglieder zurücktreten sollten, könnte die ÖVP auch eine Alleinregierung bilden, heißt es in der Analyse. Bis zur Neuwahl des Nationalrats im September sei es nun das Ziel und die Aufgabe des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers, die Stabilität im Land aufrecht zu erhalten.

Profitiert habe die Regierung vom starken Wirtschaftsaufschwung in den Jahren 2017 und 2018 sowie von der Steuerreform der Vorgängerregierung im Jahr 2016.

Von der neuen Regierung wird eine Fortsetzung der Budgetkonsolidierung erwartet. "Wir glauben nicht, dass diese Ereignisse unsere makroökonomischen Prognosen beeinflussen werden", heißt es in der Schnellanalyse. Die Erste Group geht weiterhin davon aus, dass Österreichs Wirtschaft heuer um 1,7 Prozent wachsen wird, nach einem BIP-Plus von 2,7 Prozent im Vorjahr. Die Wachstumsverlangsamung sei vor allem auf die globale Konjunkturabkühlung zurückzuführen, von der auch Österreichs wichtigste Handelspartner betroffen seien.

 

ATX im Minus

Die Wiener Börse hat sich Montag inmitten der Regierungskrise etwas schwächer aber im Einklang mit dem schwachen europäischen Börsenumfeld präsentiert. Der ATX war am Vormittag mit 3024 Punkten um 1,1 Prozent schwächer als am Freitag zu Handelsschluss.

Bei den Einzelwerten gab es deutliche Abschläge bei der Erste Group mit einem Minus von 3,9 Prozent auf 32,54 Euro. Allerdings werden die Bankwerte heute ex Dividende gehandelt - ohne den Divendenabschlag dürfte es sich um ein Plus von nur 0,31 Prozent handeln.

Zusätzlich wurde der ATX Prime durch Kursverluste bei den Aktien des Versicherers Uniqa und des Anlagenbauers Andritz belastet. Beide Papiere fielen jeweils um etwa ein Prozent.

Zwar dürfte sich das Enthüllungsvideo über den FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache kaum auf die Aktien der Strabag auswirken, Gesprächsthema ist es allemal. Denn der Baukonzern will laut der Zeitung "Standard" nun die Auftragsvergaben des vergangenen Jahres noch einmal prüfen lassen. Strache hatte nach Medienberichten einer vermeintlichen russischen Großinvestorin öffentliche Bauaufträge in Aussicht gestellt: Die Strabag werde keine staatlichen Aufträge mehr bekommen, stattdessen werde eine von der Frau zu gründende Baufirma berücksichtigt. Die Strabag-Aktien gewannen im Frühhandel um mehr als ein Prozent.

Österreichs größter Baukonzern beschäftigt mehr als 75.000 Mitarbeiter.

 

 

(APA)

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