Hauptversammlung: Deutsche-Bank-Aktionäre ärgern sich

Der Aktienkurs des größten deutschen Geldhauses ist auf ein neues Allzeittief gefallen. Die Aktionäre kritisieren vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner scharf.

Unter Kritik: Aufsichtsratschef Paul Achleitner und CEO Christian Sewing.
Unter Kritik: Aufsichtsratschef Paul Achleitner und CEO Christian Sewing.
Unter Kritik: Aufsichtsratschef Paul Achleitner und CEO Christian Sewing. – (c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)

Frankfurt. Der Donnerstag fing bereits schlecht an für die Deutsche-Bank-Aktionäre: Die Aktie des Geldhauses rasselte gleich nach Handelsstart auf ein neues Allzeittief, bevor sie sich im Laufe des Tages wieder ein wenig erholte. Längst hat der Zahlungsabwickler Wirecard mit einem Börsenwert von 19 Mrd. Euro die Deutsche Bank (13,4 Mrd. Euro) bei der Marktkapitalisierung überholt. Inzwischen wird sogar die österreichische Erste Group mit 13,8 Mrd. Euro höher bewertet.

Bei der Hauptversammlung in Frankfurt nahmen die Deutsche-Bank-Aktionäre die Gelegenheit wahr, Bankchef Christian Sewing und vor allem Aufsichtsratschef Paul Achleitner wegen des Kursverfalls, der Geldwäscheskandale und der hohen Vorstandsgehälter scharf zu kritisieren.

 

Vier Chefs seit 2012

Achleitner verteidigte sich. „Trotz aller Schwierigkeiten sehe ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte er. Der Aufsichtsratschef rechtfertigte auch die „abrupt wirkende“ Berufung von Christian Sewing zum Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahr. Sewing ist bereits der vierte Chef der Bank, seit Achleitner 2012 den Vorsitz des Kontrollgremiums übernahm. In dieser Zeit verlor der Aktienkurs der Deutschen Bank rund 70 Prozent. Die Erträge der Bank sanken, die digitale Infrastruktur gilt als veraltet, hohe Boni für Mitarbeiter trotz Verlusten liefern viel Angriffsfläche. Sewing kündigte in allen Geschäftsbereichen der Bank „erhebliche Veränderungen“ an. „Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können“, kritisierte Sewing. Deshalb müsse die Bank deutlich mehr automatisieren und eine Plattform im Netz schaffen, die auch für andere Anbieter attraktiv sei. Im Privat- und Firmenkundenbereich habe die Bank „noch viel Potenzial“, neue Kunden zu gewinnen, betonte Sewing. Mit der Tochter für Vermögensverwaltung, DWS, will Sewing in die Top Ten weltweit aufsteigen. Aktuell befindet sich die DWS allerdings nicht einmal unter den größten 20 dieser Unternehmen.

Die Transaktionsbank, die Zahlungen für Firmen abwickelt, sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, klagte Sewing. Zum bereits zurückgestutzten Unternehmens- und Investmentbanking versicherte er: „Wir sind zu harten Einschnitten bereit.“

Die Aktionäre gestanden dem Vorstandschef erste Fortschritte zu. „Die Kostendisziplin trägt langsam Früchte“, sagte die Fondsmanagerin der Union Investment Alexandra Annecke. Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig. Die Boni für Vorstand und Mitarbeiter müssten gekürzt werden, die US-Investmentbank zurückgefahren und die Rechtsprobleme aus den Skandalen um die Danske-Bank und die Panama Papers ausgeräumt werden. Im Zusammenhang mit Danske sieht der Vorstand der Bank weiterhin keinen Anlass für Rückstellungen. „Die Geduld der Aktionäre ist überstrapaziert“, warnte Annecke.

 

Kritik an Achleitner

Mehrere Anteilseigner kündigten an, gegen die Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen. Abwählen wollten Achleitner aber nur 0,96 Prozent der Aktionäre. Die Fondsgesellschaft Deka will Konzernchef Sewing mehr Zeit geben, seine Strategie umzusetzen. Daher werde man ihn entlasten, sagt Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft der Sparkassen. Die Geduld mit Aufsichtsratschef Achleitner hat die Deka verloren. „Herr Dr. Achleitner, trotz mehrmaligen Austausches des Managements in den letzten sieben Jahren ist der Umbau der Bank immer noch nicht abgeschlossen“, kritisierte Thomae. (Reuters/b. l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2019)

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