ING ist in Berlin willkommen

Finanzminister Scholz sondiert Partner für die Commerzbank.

Symbolbild.
Symbolbild.
Symbolbild. – (c) REUTERS (Francois Lenoir)

Berlin. Nach dem Scheitern der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz Abstand genommen vom ursprünglich ausgerufenen Ziel eines nationalen Champion. Stattdessen treibt er nun seinen Plan voran, dass Deutschland starke europäische Banken mit Sitz in Deutschland brauche.

Das Bundesfinanzministerium sondiert derzeit daher das Interesse von Investoren an der Commerzbank. Dabei sei Scholz offen für einen Zusammenschluss mit der niederländischen ING Groep NV, sagten zwei mit den Gesprächen vertraute Personen.

Das verhalf der Aktie der Commerzbank am Donnerstag zu einem Schub von mehr als vier Prozent. Binnen eines Jahres hat das Commerzbank-Papier fast 30 Prozent eingebüßt.

Die ING-Aktien ließen ihre anfangs erreichten Kursgewinne von bis zu zwei Prozent im Tagesverlauf wieder hinter sich und bewegten sich am Nachmittag bei einem Prozent.

Bei einem jüngsten Gespräch des niederländischen Finanzministers Wopke Hoekstra mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies sei die Möglichkeit einer Fusion besprochen worden, wobei auch die Frage des Sitzes einer fusionierten Bank in Deutschland zur Sprache gekommen sei, hieß es.

Die Gespräche sind aber noch in einer sehr frühen Phase und die deutsche Bundesregierung hält sich derzeit alle Optionen für die Commerzbank offen. Eine europäische Großfusion dürfte allerdings in diesem Jahr nicht mehr zustandekommen.

Neben der ING ist die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit dabei, den deutschen Markt zu sondieren. Beide Häuser sind in Deutschland bereits aktiv und haben Berichten zufolge Kontakt mit Beratern aufgenommen, um eine mögliche Übernahme der Commerzbank zu prüfen. Die Italiener lassen sich von JPMorgan Chase & Co beraten, während die niederländische Bank informell mit der Boutique-Investmentbank Perella Weinberg Partners zusammenarbeitet. ING-Vorstandschef Ralph Hamers warb am Dienstag beim CDU-Wirtschaftsrat für seine Bank in Deutschland. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2019)

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