Wenn solide Eckpfeiler gefragt sind

Dem Anlageexperten Jan Vormoor von First Eagle gefällt es gut, dass Tabak- und Ölaktien günstig zu haben sind. Man sollte jetzt aber auch Cash- und Goldpositionen auffetten, meint er.

„Raucher bleiben ihren Marken treu“, sagt Investmentspezialist Jan Vormoor.
„Raucher bleiben ihren Marken treu“, sagt Investmentspezialist Jan Vormoor.
„Raucher bleiben ihren Marken treu“, sagt Investmentspezialist Jan Vormoor. – (c) Stanislav Kogiku

Wien. Es wird wieder ein wenig ungemütlich an den globalen Aktienmärkten. US-Präsident Donald Trump und sein chinesischer Amtskollege überhäufen sich nämlich gerade wieder mit neuen Zöllen. Und das gefällt Anlegern sichtlich wenig. Doch Marktexperten beschäftigt derzeit auch noch anderes an der Börse – etwa die hohen Bewertungen.

Viele Aktien seien so teuer wie seit rund 40 Jahren nicht mehr, sagt Jan Vormoor, Senior Investment Specialist bei der US-Fondsgesellschaft First Eagle Investment Management, im Gespräch mit der „Presse“. Im First Eagle Amundi International Fund wurde der Anteil an Cash und kurzfristigen Geldmarktanlagen vorsichtshalber auf rund 15 Prozent nach oben geschraubt. Umgesetzt wird das etwa mit kurzlaufenden US-Staatsanleihen, aber auch ein klein wenig mit Lokalwährungsanleihen, zum Beispiel aus Mexiko oder Polen.

Wie lange man auf der höheren Liquidität sitzen wird, ist unklar. Vormoor lässt sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich halte man einzelne Aktienpositionen bis zu zehn Jahre und damit „weit länger als viele Mitbewerber“. Da könne man sich beim Einstieg Zeit lassen.

Doch worauf kommt es dann wirklich an? „Der Aktienkurs muss zumindest dreißig Prozent unter dem intrinsischen Wert des Unternehmens notieren“, erklärt Vormoor. Um das zu messen, werden Cash Flow und weitere Kennzahlen betrachtet.

 

Schulden auf Rekordniveau

Doch damit die Bewertungen günstiger werden, müssten entweder die Kurse korrigieren oder die Unternehmensgewinne steigen. Letzteres könnte knifflig werden: Das globale Wirtschaftswachstum schwächt sich ab, zugleich haben die weltweiten Schulden einen neuen Rekord erreicht.

Ein Umstand, der auch dem Zinstief zu verdanken ist – doch daran dürfte sich so rasch nichts ändern, glaubt Vormoor. Denn mit einem Großteil der Schulden sei der Lebensstandard in vielen Regionen rund um den Globus finanziert worden.

Allein in Europa gäbe es ausgeprägte Sozialnetze für arbeitslose Menschen. In China seien ganze Phantomstädte gebaut worden, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das könne auf Dauer nicht gut gehen, konstatiert Vormoor. Die globale Wirtschaft müsse flexibler und die Menschen auf die Digitalisierung und Automatisierung vorbereitet werden. „Und da wollen die Zentralbanken die notwendigen Reformen nicht mit höheren Zinsen abwürgen.“

Einige Titel im Fonds profitieren von der Automatisierung, etwa die japanische Fanuc, ein Hersteller von Industrierobotern. Gekauft habe man die Aktie des Weltmarktführers vor rund zehn Jahren, „weil sie günstig war“, sagt Vormoor. Und weil das Unternehmen weitere Kriterien erfülle, etwa ein Alleinstellungsmerkmal mit den Produkten.

 

Fossiler Treibstoff nicht passé

Es gibt aber auch Industrien, die in Ungnade gefallen sind, etwa die Ölbranche. Sie wurde vom Preissturz vor wenigen Jahren hart getroffen. Nun habe man sich günstige Rosinen herausgepickt, erklärt der First-Eagle-Experte und verweist auf den US-Giganten Exxon. Vormoor glaubt nicht, dass Elektroautos herkömmliche Boliden allzu rasch verdrängen werden, fossiler Treibstoff bleibe gefragt. Zudem fördert Exxon eine Menge Erdgas. „Und das wird zunehmend für die Stromproduktion eingesetzt“. Der Ölfeldausrüster Schlumberger gefällt ebenso gut. Der Konzern sei Weltmarktführer und profitiere ebenfalls von der Erdgasnachfrage.

Doch auch Tabakaktien wie Philip Morris International und British American Tabacco haben derzeit einen fixen Platz im Portfolio. Ob die wachsenden Verbote nicht abschrecken? „Erfahrungsgemäß bleiben Raucher ihren Marken treu“, sagt der Marktexperte. Auch verdienen die Konzerne nur einen Bruchteil am Packungspreis, der Rest landet beim Finanzminister. „Damit fällt es kaum auf, wenn Anbieter ihren Anteil am Preis anheben.“

Und falls es auf den Märkten wieder kräftig bergab geht, sollte der Anteil an goldbezogenen Werten von inzwischen 13 Prozent eine gute Absicherung bieten. Investiert wird dabei in Zertifikate, die mit physischem Gold hinterlegt sind, „das zudem an mehreren Orten gelagert wird“.

Doch auch Goldminenaktien wurden gekauft. Der Grund? Damit möchte man die Position noch breiter diversifizieren. Aus aktueller Sicht könnte der Plan durchaus aufgehen. Immerhin hat der Goldpreis jüngst begonnen zu steigen.

ZUR PERSON

Jan Vormoor ist seit 2016 Senior Investment Specialist bei First Eagle Investment Management und vertritt damit die Investmentstrategie des Portfoliomanagements gegenüber Investoren und Kunden.

Davor war er seit 2006 bei Société Générale Asset Management und Amundi tätig. Dabei widmete sich Vormoor unter anderem ab 2010 der im First Eagle Amundi International Fund der integrierten First Eagle Global Value Strategie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2019)

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