Anleger halten vor US-Zinsentscheid Füße still

Nach den Anstiegen vom Vortag hielten sich die Anleger vor dem anstehenden Fed-Leitzinsentscheid zunächst zurück. Die europäischen Leitbörsen waren ohne klare Richtung.

Fed-Chef Jerome Powell
Fed-Chef Jerome Powell
Fed-Chef Jerome Powell – REUTERS

An der Wall Street haben die Anleger ihr Pulver weiter trocken gehalten. Wie so oft vor wichtigen geldpolitischen Ereignissen hielten sie sich zurück, sagte Analyst Craig Erlam vom Währungsbroker Oanda mit Blick auf den am Mittwoch anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Der Dow Jones fuhr mit 26 112,53 Punkten ein knappes Plus von 0,09 Prozent ein. Ein zwischenzeitlicher Kursanstieg beim Euro ist wieder abgeflacht. Im späten US-Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1216 Dollar. Der deutsche Leitindex dümpelte den Handelstag über um seinen Vortagesschluss, am Ende ging er mit einem Minus von 0,19 Prozent bei 12.308,53 Punkten aus dem Handel. Der 50 führende Unternehmen der Eurozone umfassende Euro-Stoxx-50 gewann 0,05 Prozent auf 3.454,70 Punkte.

Hatte EZB-Chef Mario Draghi am Dienstag mit seinen geldpolitischen Äußerungen für Kursfantasien gesorgt, richten sich nun die Augen auf die US-Notenbank, die am späteren Abend den weiteren geldpolitischen Kurs vorgeben wollte.

US-Konjunktur „ruckelt"

An diesem Dienstag und Mittwoch nun kommen die Mitglieder der US-Notenbank Federal Reserve in Washington zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammen - und sie stehen vor einer wahrlich heiklen Aufgabe. Weil die Wirtschaft lief, die Arbeitslosigkeit beständig sank und die Inflationsrate sich langsam wieder der Wunschmarke von zwei Prozent näherte, hatten die Notenbanker allen Grund, den Tagesgeldzielsatz in kleinen Trippelschritten wieder in Richtung eines Niveaus anzuheben, das früher in konjunkturellen Normalzeiten einmal als ausgewogen galt.

Seit ein paar Monaten jedoch ruckelt die US-Konjunktur spürbar, was die Fed zunehmend in die Bredouille bringt: Bleibt sie "geduldig", wie das zuletzt im Fachjargon hieß, weil das Wachstum im Vergleich zu Ländern wie etwa Deutschland immer noch sehr robust ist, oder holt sie zu einem Präventivschlag aus und senkt den Leitzins vorbeugend? Die Frage ist berechtigt, denn anders als bei früheren Konjunkturabschwüngen muss die Notenbank mit einem nur halb gefüllten Instrumentenkasten auskommen und hat daher im Kampf gegen einen möglichen Abschwung nur einige wenige Versuche frei. Besonders deutlich wird das, wenn man die heutige Situation etwa mit jener von 2007 vergleicht, als die Fed die ersten Vorboten der sich anbahnenden Wirtschaftskrise ausmachte und mit Zinssenkungen begann. Damals startete sie von einem Niveau von 5,25 Prozent. Heute liegt der Leitsatz bei 2,25 bis 2,5 Prozent - der Spielraum ist also viel geringer.

(dpa/red.)

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