Neuer Anlauf für Post-Bankgeschäft

Die Österreichische Post bleibt auf Erfolgskurs und erhöht ihr Ergebnis. Auch der anfangs missglückte Versuch, nach dem Bawag-Ausstieg eine Bank aufzubauen, nimmt nun neue Form an.

Die neue Postbank starte im zweiten Quartal 2020, sagt Post-CEO Georg Pölzl.
Die neue Postbank starte im zweiten Quartal 2020, sagt Post-CEO Georg Pölzl.
Die neue Postbank starte im zweiten Quartal 2020, sagt Post-CEO Georg Pölzl. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Es war eine Reihe von ungewohnten Rückschlägen für den erfolgsverwöhnten Post-Vorstandschef Georg Pölzl. Zuerst beendet die Bawag ihre langjährige Partnerschaft, und dann scheitert auch noch das frisch verkündete Joint Venture mit der deutschen Fintech Group. So ist es wenig verwunderlich, dass sich Pölzl nun zurückhaltender gibt: „Wir wollen eine Bank aufbauen, die so klein wie möglich und so groß wie nötig ist“, sagt er bei der Bilanzpräsentation zum ersten Halbjahr.

Wobei der Bescheidenheit eine große Portion Ehrgeiz folgt, wenn man Pölzls Ausführungen am Rande der Pressekonferenz folgt: Im besten Fall sollen alle rund 1800 Postfilialen österreichweit früher oder später Geldtransaktionen anbieten. In den Ballungsräumen soll es sogenannte Schwerpunkt-Filialen geben, die auch persönliche Finanzberatung und Versicherungen anbieten werden. Wie schon bisher wird der Logistikkonzern dabei mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten, die die Infrastruktur der Post nutzen können, um Konsumkredite, Wohnbaufinanzierungen, Versicherungen und Vorsorgeprodukte an ihre Kunden zu vertreiben.

Doch die Rolle des wichtigsten Partners bei dem neuen Bankprojekt kommt der Banktochter der Grazer Wechselseitigen Versicherung zu: der kleinen Privatbank Brüll Kallmus. Die Post hat im April verkündet, 80 Prozent der zur Grawe-Bankengruppe gehörenden Bank zu übernehmen.

Wer in der Zusammenarbeit welche Aufgaben haben wird, steht noch nicht endgültig fest. Aber es drängt sich auf, dass die bisher für die Bawag tätigen Post-Mitarbeiter − vor drei Jahren waren es noch 450 − ihre Arbeit im Bankgeschäft wieder aufnehmen oder die wenigen, die nach wie vor für die Bawag tätig sind, in der neuen Bank weiterarbeiten. Neben dem Personal wird die Post auch Basisdienste wie den Zahlungsverkehr, Girokonten und Sparprodukte anbieten. Brüll Kallmus bringt etwas komplexere Bankdienstleistungen ein. Jedoch werden diese zum Teil von anderen Banken der Grawe-Bankengruppe abgewickelt. Hier muss im Detail noch einiges entflochten werden.

 

70 Millionen Euro investiert

Der wesentlichste Teil, den Brüll Kallmus einbringt, ist die Grundlage jeder Transaktion: die Bank-Konzession. „Man kann nicht sagen, dass wir durch die Akquisition automatisch die Banklizenz erworben haben, aber wir haben zumindest die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, eine Bank zu betreiben“, sagt Pölzl. Gemeint ist damit, dass das Bankgesetz eine Prüfung von neuen Bankeigentümern durch die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die EZB vorsieht. Da sich die Post mitten in diesem Prozess befindet, geben sich die Beteiligten noch recht schweigsam. Es wird mit einer Entscheidung bis Ende 2019 gerechnet.

Anschließend muss es rasch gehen, denn bis Jahresende wird auch die Bawag ihre letzte mit der Post zusammenhängende Filiale schließen. Der Start der neuen Postbank ist im zweiten Quartal 2020 geplant. Bis dahin muss noch einiges getan werden, vor allem im IT-Bereich. Hier nehmen die Partner einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand. Abgesehen davon liegen die Investitionen für die neue Postbank bei etwa 70 Millionen Euro: 80 Prozent steuert die Post bei, 20 Grawe.

Mit dem operativen Cashflow von 99,6 Mio. Euro im ersten Halbjahr sollte das kein Problem sein. Im Vorjahresvergleich erhöhte die Post ihren Umsatz um 2,7 Prozent auf 981,1 Mio. und den Betriebsgewinn um 2,5 Prozent auf 107,7 Mio. Euro. Die Post-Aktie stieg kräftig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2019)

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