Wen der Handelsstreit kaltlässt

Wenn sich der Handelsstreit zwischen China und den USA zuspitzt – und das kann er noch öfter tun –, halten sich „defensive“ Papiere aus den Bereichen Konsum und Pharma am besten.

Beiersdorf punktete mit guten Quartalszahlen, die Aktie zeigt sich unberührt vom Handelsstreit. Einigen Analysten erscheint sie aber zu teuer.
Beiersdorf punktete mit guten Quartalszahlen, die Aktie zeigt sich unberührt vom Handelsstreit. Einigen Analysten erscheint sie aber zu teuer.
Beiersdorf punktete mit guten Quartalszahlen, die Aktie zeigt sich unberührt vom Handelsstreit. Einigen Analysten erscheint sie aber zu teuer. – REUTERS

Als es zu Beginn der Woche an den Börsen rumpelte, weil US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf chinesische Waren angedroht und die Chinesen ihre Währung abgewertet hatten, reagierten die Börsen weltweit mit Kursrückgängen. Es gab jedoch ein paar Titel, denen die Eskalation zwischen den beiden Wirtschaftsmächten überhaupt nichts auszumachen schien.

Eine davon war wieder einmal das Papier von McDonald's. Der Burgerbrater hat im zweiten Quartal auf dem Heimatmarkt USA mehr Umsatz als erwartet erzielt, die Aktie notiert nahe ihrem Allzeithoch. Kürzlich hat Goldman Sachs die Fastfoodkette mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 250Dollar in die Bewertung aufgenommen. Zuletzt wurde das Papier um knapp 220 Dollar gehandelt. Das Unternehmen profitiere von der guten Konjunktur in den USA, von neuer Technik und mehr als andere Restaurantketten von der Auslieferung von Speisen und Getränken durch Dritte, hieß es.

Ebenfalls gut gehalten hat sich der Nivea-Hersteller Beiersdorf. Dieser hat kürzlich Quartalszahlen veröffentlicht und mit hohen Margen bei Haut- und Körperpflegeprodukten bei Analysten gepunktet. Auch diese Aktie notiert nahe ihrem Allzeithoch. Viele halten sie aber für zu teuer. Die UBS etwa rät zum Verkauf. In den vergangenen Monaten haben die Analysten ihre Kursziele aber stetig nach oben gezogen. Auch die UBS hat ihres nach den jüngsten Quartalszahlen von 90 auf 94 Euro angehoben. Zuletzt wurde das Papier um 108 Euro gehandelt.

Ebenfalls gut während der turbulenten Tage hielten sich viele Pharmakonzerne, einige konnten sogar Kursanstiege verzeichnen. Dazu zählen etwa Vertex, Celgene, die US-amerikanische Merck & Co. und die deutsche Merck KGAA. Erst als die Turbulenzen vorbei waren, gab plötzlich ein weiterer Pharmawert ein kräftiges Lebenszeichen von sich: Bayer. Dem Unternehmen machen Tausende Klagen wegen des möglicherweise krebserregenden Unkrautvernichters Roundup seiner US-Tochter Monsanto zu schaffen.


Bayer mit Unsicherheitsabschlag. Nun gab es Gerüchte, dass Bayer auf einen Vergleich zusteuern könnte. Mediator Ken Feinberg sagte zwar, dass Bayer keinen acht Milliarden Dollar schweren Vergleich vorgeschlagen habe. Das Thema sei in den Mediationsgesprächen nicht einmal angesprochen worden. Sollte aber doch ein solcher Vergleich konkreter werden, wäre der Weg nach oben für die schwer gebeutelte Bayer-Aktie frei. Eine solche Einigung würde den hohen Unsicherheitsabschlag von der Aktie nehmen, meinen die Experten von Bernstein. Im Schnitt sehen die Analysten ein Kurspotenzial von 18 Prozent. Bis alle Fragen geklärt sind, kann allerdings noch einige Zeit vergehen.

Wer indes glaubt, dass die Sorgen um die Konjunktur zuletzt ein bisschen übertrieben waren, der kann sich die Aktie von Royal Dutch Shell ansehen. Sie ist nach der Präsentation der Quartalszahlen und angesichts des schwächelnden Ölpreises deutlich abgestürzt. Zu Unrecht, wie einige Analysten meinen. Die meisten raten zum Kauf, etwa die HSBC. Angesichts solider Fundamentaldaten würden Ölwerte insgesamt attraktiv bewertet erscheinen. Shell dürfte die Schuldenlast stärker als die meisten Mitbewerber abbauen. Im Schnitt sehen die Analysten ein Kurspotenzial von 20 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2019)

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