Anlegerfehler, die viel Geld kosten

Die jüngste Korrektur an den Aktienmärkten verschreckte viele. Ein Anlegerfehler, der im aktuellen Umfeld kostspielig sein könnte, sagt Constantin Veyder-Malberg von der Capital Bank.

Dem Herdentrieb sollte man nicht nachgeben, sagt Constantin Veyder-Malberg.
Dem Herdentrieb sollte man nicht nachgeben, sagt Constantin Veyder-Malberg.
Dem Herdentrieb sollte man nicht nachgeben, sagt Constantin Veyder-Malberg. – (c) Akos Burg

Wien. Wenn US-Präsident Donald Trump seinem Ärger Luft macht, tut er dies durchaus lautstark. Zuletzt waren es die US-Notenbanker, die Trump ins Visier nahm. Auch Chinas Exporte in die USA sind dem Präsidenten ein gehöriger Dorn im Auge, weshalb er den Zollstreit wieder einmal aufflammen ließ. Zahlreichen Anlegern war das offensichtlich zu viel, sie verkauften kurzerhand ihre Aktien.

Genau darin sieht Constantin Veyder-Malberg, Vorstandsmitglied der Capital Bank, im Gespräch mit der „Presse“ allerdings einen gravierenden Fehler. Denn so gebe man einem Herdentrieb nach. Und die Herde liege meistens falsch, weshalb man in seinem Haus übrigens keine Marktprognosen treffe. „Sobald neue Nachrichten bekannt sind, werden sie von den Aktienmärkten ohnedies sofort eingepreist.“ Mit dem Versuch, die kurzfristige Marktrichtung zu erraten, laufe man Gefahr, zu ungünstigen Kursen aus- und wieder einzusteigen. Was freilich an der Rendite nagt.

 

Erholung kommt oft schnell

Doch nicht nur, zeigt Veyder-Malberg auf. Auch eine Auszeit vom Aktienmarkt kann die langfristige Wertentwicklung wesentlich schmälern, vor allem dann, wenn man inmitten der Börsenkorrektur verkauft hat. Der Grund? „Meist ist auch die Kurserholung danach besonders kräftig. Diese versäumen aber jene Anleger, die ihre Aktien verkauft haben.“ Um die Auswirkungen zu verdeutlichen, verweist der langjährige Marktexperte auf historische Entwicklungen, genauer gesagt auf den Zeitraum zwischen Ende Juli 2008, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, und Ende Juli 2019.

Damals verloren die globalen Aktienmärkte nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kräftig an Wert. Wer trotzdem im MSCI-Weltindex investiert blieb, kann heute auf einen Wertzuwachs von fast 184 Prozent auf Eurobasis zurückblicken. Versäumte man hingegen allein die fünf kräftigsten Erholungstage nach dem Crash und nahm sich stattdessen eine Auszeit von der Börse, erzielte man einen Wertzuwachs von nur noch knapp 103 Prozent. Noch schwächer fällt der Wertzuwachs bei einer längeren Pause aus.

Auch wenn die Kennzahlen kein Garant für die künftige Entwicklung sind, können sie eine durchaus wegweisende Richtlinie sein. Zumindest dann, wenn man davon ausgeht, dass die globalen Aktienmärkte langfristig mit dem allgemeinen Wirtschaftswachstum steigen. Denn dann ziehen auch die Firmengewinne mit. Zu Übertreibungen kann es an der Börse dennoch kommen, was sich unter anderem in einem besonders hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) widerspiegelt. Veyder-Malberg verweist zum Beispiel auf jene Ära kurz vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000. Damals lag das KGV an den globalen Aktienmärkten im Schnitt bei 30.

Doch mit einem künftigen KGV – bei dem die erwarteten Unternehmensgewinne herangezogen werden – von rund 17 sei etwa der US-Markt derzeit vernünftig bewertet, findet Veyder-Malberg. Da gebe es durchaus Chancen auf einen ansehnlichen Wertzuwachs. Doch nur, wenn man zumindest zehn Jahre investiert sei, um zwischenzeitliche Schwankungen zu durchtauchen.

Er findet es umso bedenklicher, dass viele Österreicher einen großen Teil ihres Vermögens noch immer auf dem Sparbuch horten. Bei einer Verzinsung von rund einem achtel Prozent dauert es (unter Berücksichtigung der KESt) rund 750 Jahre, bis das Vermögen verdoppelt wird. Anders sieht das Bild bei Aktien aus. „Da dauert es im Schnitt gut 15 Jahre“, sagt Veyder-Malberg.

Freilich, um Kursschwankungen in einem Gesamtportfolio zu reduzieren, sei eine Streuung in sichere Anleihen wichtig, selbst wenn die Renditen auf historischen Tiefstwerten angelangt sind. Erträge könne man sich mit einem hochwertigen Renteninvestment längst nicht mehr erwarten.

 

Gold in der Schweiz

Genau aus diesem Grund rückt auch das Gold wieder zunehmend in den Fokus. „Dabei geht es um den reinen Werterhalt, denn Gold zahlt keine Zinsen“, betont Veyder-Malberg, der vor allem im physischen Kauf einen klaren Vorteil für heimische Anleger sieht: „Nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist kann man es steuerfrei verkaufen.“ Allerdings werden sämtliche Kundenbestände in der Schweiz gelagert. Für alle Fälle, wie der Capital-Bank-Experte sagt. Schließlich habe es in der Vergangenheit auch Zeiten der Goldenteignung gegeben. Da fühle man sich bei den Eidgenossen gut aufgehoben.

Hinweis:

Die Besprechung von Wertpapieren und Investments auf dieser Seite ersetzt keine professionelle Beratung und ist nicht als Kaufempfehlung zu betrachten. „Die Presse“ übernimmt keine Haftung für die künftige Kursentwicklung.

ZUR PERSON

Constantin Veyder-Malberg ist seit 19 Jahren Mitglied des Vorstands der Capital Bank, die zur Bankengruppe der Grazer Wechselseitigen gehört. Dort ist Veyder-Malberg für das Private Banking zuständig. Zuvor war der gebürtige Salzburger bei verschiedenen Privatbanken und Fondsgesellschaften tätig, zu denen unter anderem die SKWB Schoellerbank Invest zählt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2019)

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