Notenbanken machen Pensionisten ärmer

Pensionskassen haben Schwierigkeiten, Erträge zu erzielen. Im schlechtesten Fall kommt es zu Rentenkürzungen.

Am Ende des Tages könnten Rentner also das Nachsehen haben.
Am Ende des Tages könnten Rentner also das Nachsehen haben.
Am Ende des Tages könnten Rentner also das Nachsehen haben. – (c) imago images / Manngold

Die Geldpolitik der Notenbanken hat die Renditen bei einem Viertel aller als sicher geltenden Anleihen unter Null getrieben. Das gefährdet auch Pensionskassen rund um den Globus, denn sie sind zum Kauf solcher Anleihen gezwungen.

Am Ende des Tages könnten Rentner also das Nachsehen haben. Denn sie sind von den Veranlagungserfolgen der Portfoliomanager abhängig. Amerikanische Unternehmen, die Billionen von Dollar an Pensionsvermögen verwalten, haben ihre Ertragserwartungen bereits nach unten angepasst. Auch in Europa könnten Pensionskassen aufgrund der rückläufigen Verzinsung gezwungen sein, ihre Leistungen teilweise zu kürzen. Angesichts einer erwarteten weiteren Lockerung der Geldpolitik besteht daher die Notwendigkeit, neue Ertragsquellen zu finden. „Der echte Wahnsinn besteht darin, dass Pensionsfonds gezwungen sind, in Vermögenswerte zu investieren, deren Verlust garantiert ist“, sagt Mark Dowding von Bluebay Asset Management. „Es ist finanzieller Vandalismus, und die Regierung und die Zentralbanken müssen sich dessen bewusst werden.“

Peter Borgdorff vom niederländischen Fonds PFZW macht „die immer niedrigeren Zinsen“ für einen Deckungsgrad verantwortlich, der Ende Juli bei 94,8 Prozent lag. „Die finanzielle Situation des PFZW beginnt düster zu werden”, schrieb Borgdorff in seinem Blog. „Eine Rentenreduzierung im Jahr 2021 droht schon länger. Wenn wir aber zum Jahresende eine Deckungsquote von unter 94 Prozent haben, sollten wir die Pensionen bereits im nächsten Jahr senken.“ Der Renditerückgang bei Anleihen könnte zu einem Teufelskreis für die Branche führen. Der Ertragsdruck vergrößert tendenziell die Finanzierungslücken und zwingt Vermögensverwalter oder Arbeitgeber, mehr Geld in Pensionspläne zu stecken. Das ist Geld, das auf andere Weise zur Ankurbelung des Geschäfts oder des Verbrauchs hätte verwendet werden können. Der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge sank das Pensionsvermögen im Jahr 2018 um vier Prozent auf 27,6 Billionen US-Dollar.

Ein Ausweg aus dem Pensionsmorast besteht darin, mehr Pensionsfonds in „reale Vermögenswerte in der Realwirtschaft“ investieren zu lassen. Einer der größten Pensionsfonds in Skandinavien reduziert seinen Bestand an Staatsanleihen bereits zugunsten von alternativen Vermögenswerten, einschließlich Immobilien und Private Equity. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2019)

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