Constantia-Nachspiel vor Gericht?

Mittels Sachverhaltsdarstellung an die Korruptionsstaatsanwaltschaft lässt der IVA die Vorgänge beim Börsenrückzug der Constantia Packaging prüfen.

BILANZ PK CONSTANTIA PACKAGING AG 'ERGEBNISSE 2009'
BILANZ PK CONSTANTIA PACKAGING AG 'ERGEBNISSE 2009'
Hanno Bästlein muss sich von Anlegern harsche Kritik gefallen lassen. – APA/GEORG HOCHMUTH

Wien. Vor zehn Jahren wurde die Constantia Packaging (CP) verkauft. Die Tochter des Industriellen Herbert Turnauer, Christine de Castelbajac, brauchte im Zuge des Immofinanz-Desasters Geld. Käufer war der zur JP Morgan gehörende Finanzinvestor One Equity Partners (OEP).

 

Die Barabfindung von 47 Euro je Aktie, die OEP dem Streubesitz 2010 bot, war den verbleibenden Aktionären zu wenig. Zu Recht, wie sich nach neun Jahren hartnäckigen Kampfes und mehreren Sachverständigengutachten herausstellte. Im Mai erzielten die Aktionäre mit der aus der Aufspaltung der CP hervorgegangenen Constantia Flexibles bzw. ihrer französischen Eigentümerin Wendel einen Vergleich. Die Nachzahlung von 50,1 Mio. Euro war die höchste, die je in einem Squeeze-out-Verfahren erzielt worden war.

Das Geld ist zwar schon geflossen, die Sache ist aber noch nicht vorbei. Es könnte sogar ein gerichtliches Nachspiel geben. Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), hat vor wenigen Tagen eine Sachverhaltsdarstellung an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingebracht. Aus „kapitalmarkthygienischen Gründen“ wie er sagt. Darin prangert er die „skandalösen“ Vorgänge beim Squeeze-out bei CP an.

Der Vorwurf: Im Hinblick auf die Abfindung habe das CP-Management (Vorstandsvorsitzender war Hanno Bästlein) ursprüngliche Planzahlen nach unten revidiert. Die neuen Zahlen waren Grundlage der Unternehmensbewertung durch EY. „Damit ist der Unternehmenswert kleingerechnet worden, um die Kleinaktionäre im Zuge des Squeeze-out möglichst billig abfinden zu können“, heißt es in der der „Presse“ vorliegenden Sachverhaltsdarstellung. Und weiter: „Die Kleinaktionäre, aber auch der Sachverständige

(Klaus Rabel, Anm.)

wurden bewusst über den wahren Wert der Beteiligung an der CP in die Irre geführt, indem ihnen falsche Zahlen und falsche Erwartungen präsentiert wurden.“

Wichtiges Verfahren in USA

Wesentliche Informationen für die Beweisführung kommen von dem sogenannten Discovery-Verfahren. Der einstige CP-Aktionär Alexander Proschofsky hatte im Zuge des Squeeze-out eine Klage gegen die OEP in New York eingebracht, ein Discovery-Verfahren erreicht und die Herausgabe wichtiger firmeninterner Dokumente und Beweismittel erwirkt. Daraus geht hervor, dass in der Planrechnung für 2010, die für die Abfindung herangezogen worden war, ein Ebitda der CP von nur 275,6 Mio. Euro zugrunde gelegt wurde. Wenig später ging die OEP davon aus, dass das Ebitda 383 Mio. Euro betragen würde. Dann war sogar von 415 Mio. Euro die Rede.

Dass die CP deutlich mehr wert war, zeigte sich spätestens bei deren Aufspaltung: OEP veräußerte die Duropack und Constantia Flexibles mit großem Gewinn und brachte die Amag mit großer Wertsteigerung an die Börse.

Bästlein wurde dann 2012 Geschäftsführer der OEP Austria – was für Rasinger kein Zufall ist. „Bästlein spielt eine maßgebliche Rolle in dem ganzen Geschehen, er hat ein doppeltes Spiel gespielt und indirekt profitiert.“

Der Manager sieht das naturgemäß anders. „Die Budgets wurden damals von den Vorständen der Teilgesellschaften erstellt und vom Aufsichtsrat abgesegnet“, sagt Bästlein zur „Presse“. Dann sei der Wert addiert worden – und daran habe sich EY gehalten. Die KPMG habe das noch geprüft.

Jetzt ist die WKStA am Wort. Sie muss den Sachverhalt auf strafrechtliche Relevanz prüfen und entscheiden, ob ein Strafverfahren eingeleitet wird.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2019)

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