Teamviewer: Ein Lichtblick für Europas Börsen

Das IPO des Softwareherstellers könnte mehr als zwei Mrd. Euro einspielen. Die Aktie ist schon überzeichnet.

Zugang für die Frankfurter Börse.
Zugang für die Frankfurter Börse.
Zugang für die Frankfurter Börse. – (c) APA/dpa/Boris Roessler (Boris Roessler)

Frankfurt. Das Umfeld für Börsengänge in Europa ist heuer alles andere als ideal. Der Handelsstreit, die drohende Abschwächung der Konjunktur und das Brexit-Chaos haben das Volumen der Initial Public Offerings (IPO) auf den niedrigsten Stand seit 2012 gedrückt. Einige Firmen haben ihre Pläne auf Eis gelegt, andere, wie die VW-Lkw-Tochter Traton, hatten einen äußerst holprigen Börsenstart.

Das Fenster, das sich vor dem Brexit auftut, wollen einige Firmen nutzen. Allen voran ist das der deutsche Softwarehersteller Teamviewer – ein Lichtblick, wie Analysten meinen, der für Auftrieb an den europäischen Finanzmärkten sorgen könnte. Mit einem Volumen von bis zu 2,31 Mrd. Euro wäre die Emission das größte IPO eines Technologie-Unternehmens in Deutschland seit Infineon vor 19 Jahren.

 

Permira bleibt Großaktionär

Für den Sprung auf das Parkett der Frankfurter Börse, der am 25. September geplant ist, sieht es jedenfalls bisher gut aus: Die 84 Millionen Aktien, die seit Donnerstag zu einem Preis von 23,50 Euro bis 27,50 Euro angeboten werden, sind nach Angaben der federführenden Banken überzeichnet, einschließlich der Mehrzuteilungsoption. Je nach Platzierungsvolumen und Ausgabepreis wird Teamviewer mit 4,7 bis 5,5 Mrd. Euro bewertet. Der Streubesitzanteil liege zwischen 30 und 42 Prozent.

Die Erlöse gehen an den Finanzinvestor Permira. Dieser hat 2014 das gesamte Unternehmen für 870 Mio. Euro übernommen. Teamviewer wurde 2005 gegründet und 2009 durch die luxemburgische GFI Software S. A. aufgekauft, die es dann an Permira weiterreichte.

Mit Teamviewer lassen sich Computer verbinden, etwa zur Fernwartung der Rechner, zur Fernsteuerung von Maschinen oder für Onlinekonferenzen. Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen aus Göppingen mit 800 Mitarbeitern abgerechnete Umsätze von 310 bis 320 Mio. Euro, das wäre um gut ein Drittel mehr als 2018. Derzeit hat Teamviewer 360.000 Abonnenten. Die Software des Unternehmens wird derzeit auf 340 Millionen Geräten aktiv eingesetzt. Mittelfristig solle dieses Wachstumstempo anhalten, heißt es im Börsenprospekt. Vorstandschef Oliver Steil führt das positive Feedback der Investoren auf das einzigartige Geschäftsprofil und die guten Wachstumsaussichten zurück.

Im Vorjahr wurde die Nutzung der Software erfolgreich auf ein Abonnement-Modell umgestellt und die Firma peilt stärker Großunternehmen als Kunden an. Die Teamviewer-Konkurrenten Zoom Video, Okta und Slack sind bereits börsenotiert. (eid/Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2019)

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