Neue Hiobsbotschaft für Franken-Kreditnehmer

Die Schweizer Nationalbank könnte den Leitzins bereits heuer wieder anheben, sagen Experten. Dies würde die Kreditschulden von heimischen Franken-Kreditnehmern schlagartig erhöhen.

Neue Hiobsbotschaft fuer FrankenKreditnehmer
Neue Hiobsbotschaft fuer FrankenKreditnehmer
Schweizer Franken – (c) Bilderbox

Wien. Den Franken-Kreditnehmer drohen schon wieder schwere Stunden. Denn die Schweizer Nationalbank (SNB) könnte die Zinsen früher anheben, als bisher prognostiziert wurde – eventuell sogar noch in diesem Jahr. „Wir erwarten den ersten Zinsschritt im Dezember“, sagt Thomas Herrmann, Marktexperte der Credit Suisse. Die Analysten der UBS glauben sogar, dass die SNB bereits im September den Leitzins von derzeit 0,25 Prozent anheben könnte.

Würde der Zins auch nur minimal hinaufgesetzt werden, wäre der Schweizer Franken für die Investoren noch attraktiver, als er es ohnehin schon ist. Bereits seit Jahresbeginn stieg der Franken im Verhältnis zum Euro um zehn Prozent an – zum Leidwesen der heimischen Franken-Kreditnehmer. Steigt nämlich der Franken zum Euro, erhöht sich ihre (Buch-)Kreditschuld.

Die Investoren flohen von der krisengebeutelten Eurozone in den sicheren Franken-Hafen. Das führte sogar so weit, dass der Euro per Ende Juni auf den historischen Tiefststand von knapp 1,30 Franken je Euro fiel.

 

Unangenehm für Kreditnehmer

Eine Zinserhöhung der SNB würde den Franken zumindest kurzfristig wieder hochschnellen lassen. Die unangenehmen Folgen für die Franken-Kreditnehmer: Die Banken könnten ihnen neue Sicherheiten abverlangen oder aggressiv eine Umwandlung in einen (derzeit um ein Vielfaches teureren) Eurokredit „vorschlagen“.

Für eine Zinserhöhung der SNB spricht einiges: Das Wirtschaftswachstum in der Schweiz ist im Gegensatz zur Eurozone robust, die Binnennachfrage stark, die Unternehmen sind sehr optimistisch, der Einkaufsmanagerindex (ein Frühindikator für die Konjunktur) erreichte einen neuen Höchststand. Dementsprechend wird erwartet, dass die Inflation ansteigt. „Gemäß der Inflationsprognose der SNB wird die Teuerung bei unverändertem Leitzins im kommenden Jahr deutlich anziehen“, sagt David Marmet, Investmentexperte der Zürcher Kantonalbank.

Die SNB wird außerdem ein schärferes Auge auf den stark inflationären Immobilienmarkt werfen müssen. Herrmann: „Die Gefahr einer Immobilienblase ist nicht zu unterschätzen.“ Experten befürchten, dass die Schweizer Banken in den vergangenen zwei Jahren leichtfertig billige Hypothekarkredite vergeben haben. Allein im Vorjahr stiegen ihre Forderungen aus Hypotheken um 5,2 Prozent auf knapp 730 Mrd. Franken (522 Mrd. Euro) an. Mit einer Zinsanhebung würde die SNB die Gefahr verringern, dass billige und schlechte Darlehen vergeben werden.

Trotz aller Sorgen vor einer hohen Inflation und einer Immobilienblase ist aber auch klar: Die Nationalbank muss auch darauf achten, nicht noch mehr Geld aus dem Euroraum anzulocken, was den Franken (zum Euro) weiter aufwerten würde.

„Die SNB muss auf die Exportwirtschaft achten“, sagt Unicredit-Experte Alexander Koch. Ein starker Franken macht die Exportprodukte in den Euroraum teurer und damit weniger wettbewerbsfähig. Laut Umfragen ist für die Schweizer Industrie ein Euro-Franken-Kurs unter 1,35 problematisch. Derzeit steht er nur knapp darüber, bei 1,36. Die Marktbeobachter der Unicredit glauben daher, dass die SNB den Leitzins überhaupt erst im März 2011 anheben wird.

 

Zinsen im Franken niedriger

Darauf hoffen natürlich die Franken-Kreditnehmer, die in den vergangenen Monaten mit schlechten Nachrichten überhäuft wurden. Die Banken haben daran maßgeblichen Anteil, kritisieren die Finanzberater. Die heimischen Kreditinstitute empfehlen (auf Anraten der Finanzmarktaufsicht) ihren Kunden nämlich, Franken- in Euro-Darlehen umzuwandeln.

Für die unabhängigen Berater ist das keine Alternative. Damit würden für die Kreditnehmer hohe Währungsverluste entstehen. Behalten sie dagegen ihre Franken-Kredite, können sie darauf hoffen, dass sich der Euro-Franken-Kurs wieder normalisiert. Darauf deuten auch Kommentare der Großbanken wie UBS hin. Sie sehen den starken Franken als panische Folge der Eurokrise und halten ihn für überbewertet.

Für die Kreditnehmer zählt aber nicht nur der Wechselkurs, sondern auch die Zinsbelastung. Und die ist bei einem Euro-Darlehen deutlich höher. Für einen Hypothekarkredit im Franken zahlt man laut Experten derzeit zwischen einem und 1,5 Prozent, im Euro dagegen zwischen zwei und drei Prozent.

AUF EINEN BLICK

Die Schweizer Nationalbankkönnte laut Experten die Zinsen bereits in diesem Jahr anheben. Das würde den Franken zumindest kurzfristig aufwerten. Dadurch würde sich auch die Kreditschuld der Franken-Darlehen heimischer Kreditnehmer erhöhen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2010)

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